Vasseur: „Würde heute wohl zumeist anders entscheiden!“

Fred Vasseur würde fast alle seine Entscheidungen im Jahr 2026 rückblickend ändern!

Im Exklusivgespräch mit Automoto.it spricht der Scuderia Ferrari HP Teamchef von den Entscheidungen beim Motor im Kontext der Budgetobergrenze über die Integration von Lewis Hamilton in Maranello und die weitere Entwicklung von Charles Leclerc.

„Ich verfolge einen ziemlich aggressiven Ansatz. Aber im Nachhinein betrachtet, hätte ich dieses Jahr so ​​gut wie alles anders gemacht.“

Eines der Hauptprobleme der Ferraris ist das Leistungsdefizit des Aggregats im Gegensatz zur Konkurrenz.

„Ich glaube, dass es in jedem Bereich Verbesserungspotenzial gibt – angefangen beim Motor, bei dem, was vor drei oder vier Jahren in die Wege geleitet wurde. Es geht nicht nur um die Entwicklungskapazität, sondern vor allem um die Analyse. Schwächen schnell zu erkennen, ist von entscheidender Bedeutung,“ so Vasseur.

Was den Motor betrifft, so musste Ferrari – vor dem Hintergrund des Geschehens auf der Rennstrecke – keine einfachen Entscheidungen treffen.

Vasseur erklärte: „Die ADUO ist ein etwas tückisches Instrument. Als wir erfuhren, dass wir sie erhalten würden, standen wir vor der Wahl: einen neuen Motor im Juni einführen, einen im September – oder direkt an der Version für 2027 arbeiten.“

„Irgendetwas musste geopfert werden, denn aufgrund der Budgetobergrenze und der begrenzten Ressourcen ist es nicht möglich, drei Projekte parallel zu entwickeln. Angesichts des Kostenlimits hätte ein extrem intensiver Einsatz beim ADUO 2 bedeutet, dass das Projekt für 2027 darunter gelitten hätte. Zwar sieht das ADUO auch ein zusätzliches Budget vor, doch wenn man einen neuen Motor auf den Prüfstand stellt, verschlingt das praktisch das gesamte für das ADUO vorgesehene Budget.“

Eine Entscheidung, die laut Vasseur keineswegs selbstverständlich war. „Beim Motor kannst Du ohne große Investitionen nicht einfach so ein Wunder aus dem Hut zu zaubern. Beim Chassis kann man im Folgejahr einfach wieder bei null anfangen. Beim Motor nicht – dazu sind die Homologationszyklen viel zu lang.“

„Wir wussten schon seit Jahren, dass wir bei der Motorleistung gegenüber der Konkurrenz im Rückstand waren und dass das erste Jahr unter dem neuen Reglement schwierig werden würde. Aber wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr nachsteuern können.“

Der Franzose unterstrich aber, dass es falsch wäre, „die Teamleistung auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Bei derart eng beieinander liegenden Leistungsniveaus, wie wir sie heute sehen, macht jedes Detail einen entscheidenden Unterschied.“

Ein weiterer entscheidender Faktor sind die beiden Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton, deren Rivalität inzwischen an Intensität zugenommen hat.

„Die Piloten haben die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens immer voll aufs Gaspedal getreten – und plötzlich nicht mehr. Ich will nicht sagen, dass es nicht mehr derselbe Sport ist, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass das Ausmaß dieser Herausforderung unterschätzt wurde,“ beschreibt Vasseur die „neue Formel 1.“

Leclerc hatte laut dem Ferrari Teamboss mehr Probleme mit dem Auto, Hamilton mehr sich ans neue Team zu gewöhnen.

„Charles kam mit der neuen Fahrzeuggeneration zunächst nicht wirklich zurecht. Doch inzwischen kann er sein Potenzial abrufen. Lewis kam nach über zehn Jahren in einem Team wohin, wo die Dinge völlig anders laufen. Das benötigt Zeit. Aber was uns wirklich geholfen hat, war die Außensicht einer Person, die viele Jahre lang bei McLaren und später bei Mercedes erfolgreich gearbeitet hat. Die vier Top-Teams haben grundlegend verschiedene Strukturen, aber in der Formel 1 gibt es keinen eindeutigen Weg zum Erfolg.“

„Wir haben noch nicht alle Dinge beisammen, um den Formel 1 Titel zu holen. Ich möchte nicht missverstanden werden, aber wenn ich sagen würde, dass ich mit dem, was wir haben, zufrieden bin, wäre das der Anfang vom Ende. Wir müssen genau diesen Ansatz beibehalten – das ist die Botschaft, die ich an alle weitergebe.“

„Was das Personal betrifft, haben wir das Zeug dazu, die Weltmeisterschaft zu gewinnen – auch wenn wir weiterhin Mitarbeiter von anderen Teams abwerben. Wir müssen einen Weg finden, selbst jene Bereiche weiterzuentwickeln, die bereits perfekt erscheinen; denn ein Konkurrent könnte im Handumdrehen eine noch effektivere Lösung finden.“ Wer stehen bleibt, hat in der Formel 1 schon verloren. Ferrari darf es sich nicht leisten, zu stolpern.“

 

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