Warum war der Baku GP so klasse?

Der Grand Prix von Aserbaidschan 2017 war ein absolutes Highlight mit viel Action und einem tollen Podium. Aber wieso war das Rennen so viel spektakulärer als so viele andere in der heutigen Formel 1?

„Der Kurs in Baku ist eine Mischung aus Monza und Monaco“, sagte Haas F1 Fahrer Romain Grosjean als er am Dienstagabend in der Hauptstadt Aserbaidschans eintraf. „Der Teil in der Altstadt ist wie die engen Gassen im Fürstentum und die langen Gerade sind wie im Autodromo.“ Stimmt. Aber dennoch war das Premierenrennen 2016 wohl eines der langweiligsten in der Formel 1 Historie. Wieso heuer nicht?

Die neuen Autos

Die Formel 1 Boliden der Generation 2017 sind nicht nur breiter und schneller, sondern auch schwieriger im Handling. Zudem kommt es hinter den Rennwagen zu deutlich mehr und stärkeren Verwirbelungen als noch bei den Vorjahresfahrzeugen, die auch noch weiter nach hinten wirken. Diese Verwirbelungen machten sich in den Betonkanälen in Baku stark bemerkbar.

Belag und Reifen

Nachdem Reifenhersteller Pirelli in der Saison 2017 wegen der neuen Rennwagen bei der Wahl der Gummis für die Wochenenden immer auf „Nummer sicher“ geht und außerdem sehr weit voraus auswählen muss, weil man sonst mit der Produktion nicht zeitgerecht fertig wird, waren die Reifenmischungen für Baku zu hart. Der „grüne“, rutschige und sehr feine Belag in Baku hätte problemlos den Ultrasoft vertragen, den die Italiener aber nicht an die Strecke gebracht hatten. Daher rutschten die Fahrer deutlich mehr herum als sonst und hatten enorme Probleme, die Reifen auf Temperatur zu bringen.

Topspeeds und Bremsen

Das Problem mit überhitzten Bremsen – und dadurch verpassten Bremspunkten – gab es bereits beim Kanada Grand Prix. Da die High-Speed-Passagen in Baku noch einiges mehr und vor allem viel länger sind, wurden die Bremsscheiben bei den meisten Teams mürbe und überhitzten komplett. Verbremser waren somit vorprogrammiert.

Fehler bestraft

Anders als auf permanenten Rennstrecken, wo man mittlerweile ein Ausscheiden durch das Ersetzen der Kiesbetten mit aspahaltierten Auslaufzonen – mit der fadenscheinigen Begründung aus Sicherheitsgründen – praktisch verunmöglicht hat, ist dies in einem Stadtrennen kaum möglich. Wer in die Mauer kracht, der „hat fertig“. Und das kann eben nicht nur Hinterbänklern aufgrund schlecht liegender Autos passieren, sondern auch Toppiloten.

Keine Kompromisse

Dankenswerterweise haben die Rennstewards um Ex-Indy-500-Sieger Danny Sullivan nicht, wie so oft in der Vergangenheit, bei ihren Entscheidungen herumgeeiert oder mit zweierlei Maß gemessen. Diesmal wurden Strafen sofort im Rennen vergeben und egal gegen wen. Endlich mussten auch Topstars wie Hamilton oder Vettel „gehorchen“.

Unfälle und Ausfälle

Da ein Stadtkurs von Betonmauern (mit Safer-Barriern) abgegrenzt wird, verzeiht er keinen Fehler und ist jedem Piloten gegenüber gnadenlos. Daher wird das Feld im Laufe eines Grand Prix reduziert oder zumindest durcheinander gewirbelt und so haben auch kleinere Teams eine Chance zu punkten, wie das in den 1980ern und 1990ern üblich war und die Serie so beliebt gemacht hat.

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