Lietz: „Habe mich enorm weiterentwickelt“

Richard LietzRichard Lietz gewann in der United SportsCar Championship in Daytona, in der WEC siegte er in Silverstone. Daher ist er trotz Zwangspause (nach seinem Trainingsunfall in Virginia) zufrieden

Richard, hinter Dir liegt eine interessante und ereignisreiche Saison. Erzähl uns von den Höhen und Tiefen.

„Das Highlight war sicherlich gleich im Januar der Sieg beim 24-Stunden-Rennen in Daytona. Das war ein perfekter Einstieg in das Amerika-Abenteuer, das mit dem Titelgewinn von Porsche endete. Auch der Sieg beim Saisonstart der WEC in Silverstone war ein Auftakt nach Maß. Mit diesem Erfolg hatten wir, ehrlich gesagt, nicht gerechnet. Der Tiefpunkt war mein Trainingsunfall in Virginia. Zum Glück ist mein gebrochener Arm schnell und gut verheilt, so dass ich nach meiner Zwangspause wieder voll einsatzfähig war.“

Du bist in diesem Jahr erstmals eine Meisterschaft in den USA gefahren. War das eine ganz besondere Herausforderung?

„Für mich war das zunächst mal eine Überraschung, nachdem ich in den zwei Jahren zuvor in der WEC am Start war. Trotzdem habe ich mich auf die USA gefreut. Es hat sehr viel Spaß gemacht, das Land kennen zu lernen und natürlich auch die Rennstrecken, von denen die meisten doch ganz anders sind als die, auf denen ich bis dahin gefahren bin. Generell sind die Rennen in den USA nicht so, wie man das als Europäer gewöhnt ist. Das war schon eine riesige Umstellung.“

Wo liegen denn die großen Unterschiede?

„Auf Grund der vielen Safety-Car-Phasen in den USA ist das konstante und schnelle Runden fahren weniger wichtig als in der WEC. In den USA geht es vor allem darum, dass die Rennen bis zum Schluss spannend bleiben und die Zuschauer gut unterhalten werden. In der WEC hast du oft Rennen ohne eine einzige Safety-Car-Phase. In Daytona dagegen ging das Rennfahren eigentlich erst nach 23 Stunden richtig los.“

Trotzdem ist es doch immer noch ein großer Erfolg, den Klassiker in Daytona zu gewinnen.

„Auf jeden Fall. Wenn du Daytona gewinnst, kriegst du eine Rolex. Eine Rolex, die du nicht kaufen kannst, nur gewinnen. Das ist schon mal toll. Für uns ging es in diesem Jahr aber um mehr als nur um eine Uhr. Da wir die Tudor United SportsCar Championship gefahren sind, zu der Daytona gehört, war es in erster Linie wichtig, Punkte für die Meisterschaft zu holen. Dass wir auch noch gewonnen haben, war natürlich toll.“

In der WEC sind die Erwartungen nach dem Auftaktsieg in Silverstone sicherlich gestiegen. Warum verlief der Rest der Saison nicht ganz so erfolgreich?

„In Silverstone hat alles für uns gepasst. Der Regen, die Strategie und die Safety-Car-Phase zum Schluss. Wir konnten aber nicht davon ausgehen, dass es in den nächsten Rennen so weitergehen würde. Wir waren zwar meistens sehr nah dran an der Spitze, aber ein bisschen hat am Ende halt doch gefehlt.“

Eigentlich solltest Du nach Le Mans nur noch in den USA fahren. Kam der Rückruf in die WEC für Dich überraschend?

„Ja. Aber es war irgendwie auch logisch, weil ich nach dem Sieg in Silverstone und dem dritten Platz in Le Mans, für den es ja doppelte Punkte gab, in der Meisterschaft ganz gut da stand. Deshalb hat Porsche die ursprünglichen Fahrerpaarungen aufgesplittet. Zu diesem Zeitpunkt konnte man ja nicht wissen, dass ich das Rennen in Austin wegen meines gebrochenen Arms nicht würde fahren können. Mit zwei Rennen weniger – wegen einer Terminüberschneidung mit Amerika war ich zuvor schon in Spa nicht am Start – war an den Titel natürlich nicht zu denken. So gesehen kann ich mit meinem dritten Platz in der Meisterschaft ganz zufrieden sein.“

War 2014 trotz allem ein erfolgreiches Jahr für Dich?

„Auf jeden Fall. Ich habe in diesem Jahr so viel gelernt wie selten zuvor. Die vielen neuen Teamkollegen, mit denen ich gefahren bin, die vielen neuen Teams und die neue Rennserie in den USA – das waren schon wertvolle Erfahrungen. Ich glaube, dass ich mich als Rennfahrer in dieser Saison auf jeden Fall weiterentwickelt habe, sehr stark sogar. Was die Erfolge betrifft: Auch die waren da, siehe Daytona und Silverstone, wenn auch nicht in der Anzahl, die wir uns gewünscht hätten. Doch das klappt hoffentlich 2015.“

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