Helmut Marko redet Klartext

Der Red Bull Sportchef Helmut Marko übt scharfe Kritik am Halo und ist somit ein klarer Gegner des Sicherheitssystems, aber auch in anderen Fragen hat er eine klare Meinung.

Der Halo ist in der Formel 1 noch immer ein großes Thema, einige sind dafür, viele sind dagegen, auch Red Bull Motorsportkonsulent Helmut Marko hat dazu eine klare Meinung. Marko übt scharfe Kritik an der Optik des Systems, aber er findet auch, dass es auf der Sicherheitsebene nicht durchdacht sei. „Dieses Halo ist sowas von hässlich, das ist unglaublich.“, äußert er sich gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘. „Ein Unfall, wie in Massa hatte, kann immer noch passieren. Man ist dann sogar noch eingeschränkter. Und wenn man sieht, wie sich die Fahrer hineinzwängen in dieses Auto: Wenn sich ein Fahrer bei einem Unfall eine Rückenverletzung zuzieht, was durch die g-Kräfte immer noch passieren kann, und er dann herausgezogen wird, dann werden die letzten Nerven, die vielleicht noch intakt sind, abgetötet. Das ist nicht der Weg, den die Formel 1 gehen soll.“, fügt Marko hinzu.

Dabei müsste man annehmen, dass Marko auf Grund seines Unfalls für den Cockpitschutz sein müsste. Dennoch findet er das Sicherheitsdenken in der Königsklasse des Motorsports als „völlig überzogen“.

Höheres Risiko bei anderen Rennserien

Der ehemalige Formel-1-Pilot merkt auch noch an, dass es in anderen Rennserien viel heftiger zugeht und man hier auf einen Cockpitschutz oder andere ähnliche Sicherheitsmaßnahmen verzichtet: „Wir fahren in Singapur, wir fahren in Monte Carlo, wir fahren in Melbourne – und dann kommt man mit diesem Halo daher. Wir haben einige Todesfällte gehabt: Höttinger, der von einem Rad getroffen wurde und einen Genickbruch erlitten hat, als Erster in Hockenheim. Dann kam Surtees in den USA. Aber warum Formel 1? Surtees ist in einem damaligen Formel-2-Rennen verunglückt.“

„Und den Unfall in den USA kann man gar nicht mit der Formel 1 vergleichen, denn dort wird im Oval im Pulk gefahren, mit einer viel höheren Durchschnittsgeschwindigkeit. Wann haben wir einen Pulk mit fünf, sechs Autos? Das gibt es nicht. Wilsons Crash war ein IndyCar-Unfall, und selbst dort, wo es am gefährlichsten ist, macht man so etwa nicht.“, kritisiert Marko.

Der Red Bull Sportchef weist auch noch darauf hin, dass das Halo in einem Ernstfall auch zum Hindernis werden kann. Bei einem Unfall würde der Cockpitschutz es erschweren den Piloten aus dem Auto zu bergen. Zwar bietet Halo den Fahrer genauso viel Platz wie die alte Cockpitöffnung, da es im Reglement auch so verankert ist, doch Halo sitzt natürlich wesentlich höher, sodass der Ausstieg bzw. Einstieg und im Ernstfall eine Bergung wesentlich schwieriger abläuft. „Schauen wir in die Formel 4, in der die jungen, unerfahrenen Piloten ineinander und übereinander fahren. Dort gibt es das auch nicht. Wie würde das auf so einem kleinen Auto wirken? Wenn es da einen Unfall gibt, einer sich überschlägt oder etwas passiert wie bei Billy Monger, dem die Beine amputiert werden mussten: Wie würden sie den in so einem Zustand aus einem Auto mit Halo rauskriegen? Das ist also auch eine Zweiklassengesellschaft.“, führt Marko weiter aus.

Zu wenig durchdacht – viel zu schwer

Trotz der langen Entwicklungszeit des Cockpitschutzes findet Marko das System zu wenig durchdacht und auch die Idee, Halo aufklappbar zu gestalten wurde verworfen. Neben der Ästhetik und den Sicherheitsbedenken des Halo, gibt es auch noch einen anderen Aspekt. Halo macht den Formel 1 Boliden um rund 20 kg schwerer. „Die Autos haben bereits um die 735 Kilo. Das ist Sportwagen-Niveau. Dabei sollte ein Formel-1-Auto leicht sein. Wenn man das noch mit einer Kampfjet-Kanzel versieht, dann kommen noch einmal 15 bis 20 Kilo dazu. Das ist zu wenig durchdacht. Es schützt wahrscheinlich gegen Räder, aber wenn wie bei Justin Wilsons IndyCar-Crash ein Karosserieteil daherkommt und sich verfängt, dann wird es womöglich zerfetzt und kommt erst recht auf den Fahrer zu.“

Aeroscreen als Alternative

Genau aus diesen Gründen hat Red Bull auch mit der Entwicklung einer Alternative zu Halo begonnen. 2017 hat man daher an dem Cockpitschutz-Konzept Aeroscreen gearbeitet und dieses vorangetrieben. Bei den Fans kam dieses System zumindest aus ästhetischer Sicht bessern an, doch die Idee wurde von der FIA nicht aufgegriffen, sodass das Projekt vorerst auf Eis liegt. „Es ist Aufgaben der FIA – und nicht von Teams- das zu entwickeln.“, stellt der Österreicher klar.

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