Häkkinen: „Fans würden Teams für Stallorder kreuzigen“

Mika Häkkinen ist der Ansicht, dass die Fans keine Freude mit Stallordern haben würden.

„Die Fans würden die Teams dafür verurteilen, sie kreuzigen,“ sagte der Finne, der als Mitglied der Laureus Academy mit Sky Sports News sprach.

„Welches Team wird schon so eine Änderung vornehmen und welche Argumente werden sie den Fans präsentieren? Das wird ein wichtiger Faktor sein.“

„Alle diese Fahrer haben heutzutage weltweit eine riesige Fangemeinde, und wenn das Team eines Tages beschließt, dass dieser Fahrer nur noch die Nummer zwei sein soll, werden die Fans das Team zerreißen. Deshalb muss man heutzutage sehr vorsichtig sein, wie man solche Teamorder umsetzt.“

Der Doppelweltmeister orientierte sich am jüngsten Vorfall bei der Scuderia Ferrari HP als Charles Leclerc in Zandvoort angewiesen wurde, Lewis Hamilton vorbeizulassen, dies aber zwei Runden lang nicht tat.

Hamilton regte sich heftig über Funk auf, postete später aber in den sozialen Medien eine Entschuldigung. Häkkinen hingegen meint, seine Reaktion sei „völlig normal“ gewesen.

„Ich denke, Lewis‘ Emotionen waren völlig normal. Vielleicht waren es nicht nur Emotionen, sondern auch gesunder Menschenverstand. ‚Wir können mehr Punkte holen, wenn du mich überholen lässt!‘

„Aber heutzutage, wenn ich die Grand-Prix-Rennen von außen beobachte, im Fahrerlager, ist es anders. Man sieht viel mehr, man bekommt viel mehr Informationen darüber, was passiert.“

„Die Fahrer bekommen nur einen Bruchteil der Informationen, die wir im Fernsehen sehen. Wenn sie also hinter einem anderen Auto fahren und nicht überholen dürfen, haben sie nicht die Informationen und Berechnungen, die das Team hat. Deshalb reagieren die Fahrer oft so, was völlig normal ist.“

Er erinnerte sich an seine eigenen Erfahrungen mit Teamorder in Titelkämpfen. Der Finne hatte es mit Michael Schumacher zu tun, als der siebenmalige Weltmeister bei Ferrari die unangefochtene Nummer eins war.

Häkkinen gewann 1998 und 1999 zwei Fahrertitel in Folge, bevor er 2000 hinter Schumacher Vizeweltmeister wurde, als der Deutsche bei Ferrari die erste von fünf aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften holte.

„Die Fans in der Formel 1 haben sich verändert; die Generation ist eine andere als zu meiner Zeit“, sagte Häkkinen.

„Als ich gegen Michael Schumacher bei Ferrari fuhr, gab es schon beim ersten Saisonrennen Teamorder. Es war offensichtlich: Wenn ein Fahrer im Team sehr stark ist und anfängt, Rennen zu gewinnen und Punkte zu holen, ist sich das Team bewusst, dass es diesen Fahrer zu 100 Prozent unterstützen muss, wenn es die Weltmeisterschaft gewinnen will.“

„Genau das hat Michael Schumacher bei Ferrari geschafft, als er dort fuhr. Wir hatten bei McLaren eine etwas andere Philosophie. Wir wollten beiden Fahrern die gleichen Chancen geben, bis der Punktestand so hoch war, dass keiner den anderen mehr einholen konnte. Dann muss der Teamkollege den führenden Fahrer unterstützen. Das war eine logische Konsequenz.“

„Die Teams wollen jetzt sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteursmeisterschaft gewinnen, sie wollen beides. Deshalb ist es wichtig, dass beide Fahrer in jedem Rennen ihre maximale Leistung abrufen.“

 

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