Der „African Grand Prix“ wird von Amnesty International und anderen NGOs als „Sportswashing“ kritisiert – FIA Boss Ben Sulayam ist es „egal“
Die Formel 1 kehrt erstmals wieder nach Afrika zurück, hat mit Ruanda einen Zehnjahresvertrag zur Ausrichtung eines Rennens unterzeichnet.
Die Veranstaltung – unter dem Namen „African Grand Prix“ – soll auf einer neuen, eigens dafür errichteten Rennstrecke 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali stattfinden. Die Premiere ist für die „frühen 2030er Jahre“ geplant.
Für den ruandischen Präsidenten Paul Kagame ist es das Ziel, den Weg für weitere Formel-1-Rennen auf dem Kontinent zu ebnen.
Die Ankündigung stieß jedoch auf Kritik; es wurden Vorwürfe des „Sportswashing“ laut, und die Menschenrechtslage in dem ostafrikanischen Land wurde infrage gestellt.
Der Vorwurf des „Sportswashing“ – also die Ausrichtung von Sportveranstaltungen zur Verbesserung des internationalen Rufs eines Landes – wird schon länger gegen Ruanda erhoben.
Seit 2021 war Ruanda nahezu jedes Jahr Austragungsort der Finalspiele der „Basketball Africa League“. Zudem fand dort im vergangenen Jahr die Straßenrad-Weltmeisterschaft statt – das erste Mal, dass dieses Ereignis in Afrika ausgetragen wurde.
Die Tourismusmarke „Visit Rwanda“ trat als Sponsor oder Partner von Vereinen wie Arsenal, Bayern München und Paris Saint-Germain auf. Das Sponsoring auf dem Ärmel der Trikots des FC Arsenal wurde jedoch in diesem Jahr beendet, nachdem es von Fan-Gruppierungen kritisiert worden war. Nun ist man Hauptsponsor bei Aston Villa.
Unterdessen hat Ruandas zentralafrikanischer Nachbar, die Demokratische Republik Kongo, Klage gegen Ruanda vor dem Internationalen Gerichtshof eingereicht. Der Vorwurf: Ruanda verstoße gegen mehrere internationale Abkommen, wie Völkermordprävention, Rassendiskriminierung, Frauenrechte und Folterverbot.
Human Rights Watch erklärte bereits, dass der „Freiraum für Meinungsäußerungen“ sowie die „politische Autonomie“ im Land zunehmend eingeschränkt würden.
„Ruanda kauft sich in die weltweit größten Sportarten ein, um sein Image aufzupolieren und von seiner erschreckenden Menschenrechtsbilanz abzulenken“, sagte Felix Jakens, Leiter der Kampagnenarbeit bei Amnesty International UK. „Ein zehnjähriger Grand Prix unter dem Motto ‚presented by Visit Rwanda‘ ist für die ruandischen Behörden ein Instrument zum ‚Sportswashing‘.“
Die ruandische Regierung hat derartige Vorwürfe zurückgewiesen. Die Regierungsbeauftragte für Tourismus, Irene Murerwa, bezeichnete gegenüber BBC Sport Africa die Vorwürfe als „Ablenkungsmanöver von den erstaunlichen und herausragenden Errungenschaften, die das Land bereits erzielt hat“.
Als FIA Präsident Mohammed Ben Sulayem mit den „Sportswashing“-Vorwürfen zu Ruandas GP-Ausrichtung konfrontiert wurde, erklärte er „Wenn Leute nicht bekommen, was sie wollen, schieben sie es immer auf ‚Sportswashing‘. Ehrlich gesagt ist es mir völlig egal, was sie sagen.“
Vor Ruanda wurde die Formel 1 auch bereits für die Rennen in Russland, China, Saudi Arabien und Qatar heftig kritisiert.
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