Die F1-Saison 2014 hatte viele Höhen und Tiefen. Es war alles dabei: Ein packender WM-Fight, neue Technik, viele Unfälle – und wie immer auch politische Diskussionen
Es war eine silberne Saison, aber in keinster Weise zweitklassig. Die Formel-1 hat viele Probleme und einige wurden heuer offenkundig. Doch auch 2014 bot die Königsklasse beste Unterhaltung und packenden Sport. Die Mercedes-Silberpfeile waren das Maß der Dinge, aber die Saison hatte noch viel mehr zu bieten wie das ABC zeigt.
Antriebsstrang
Mit der Saison 2014 schlug die Formel-1 ein neues Kapitel auf. Der 1,6-Liter-V6-Turbo-Hybridmotoren soll die Brücke in die Zukunft schlagen. Die heißt: Downsizing, kleinere Motoren, mehr Elektro-Power, Energierückgewinnung und Effizienz. Das neue Reglement stellte das Kräfteverhältnis auf den Kopf. Mercedes baute den besten Antriebsstrang, das Werksteam kontrollierte die WM, die Kundenteams profitierten. Dadurch gab es den Wiederaufstieg des Williams-Teams, gekrönt von einer Pole-Position und WM-Rang drei. Erwartungsgemäß sorgten die Turbo-Motoren für viele Diskussionen, wie den Sound oder auch die Benzindurchfluss-Mengenbegrenzung. Beim Auftakt in Australien wurde die maximale Benzindurchflussmenge ausgerechnet von Lokalmatador Daniel Ricciardo überschritten, der als Zweitplatzierter des Rennens disqualifiziert wurde.
Bianchi
Der traurigste Moment des Jahres war der Große Preis von Japan: Auf regennasser Fahrbahn rutschte Adrian Sutil von der Strecke. Die Streckenhelfer wollten den Sauber Ferrari bergen, als auch Jules Bianchi abflog und in ein Bergungsfahrzeug krachte. Dabei zog er sich ein schweres Schädelhirntrauma zu. Es war der heftigste Unfall in der Formel-1 seit Jahren. Bianchi ist zwar nicht mehr im künstlichen Koma, aber nach offiziellen Angaben ist sein Zustand nach wie vor kritisch.
Das große Ferrari-Team musste sich in den vergangenen Jahren immer Red Bull beugen. Mit den neuen Motoren sollte alles besser werden, doch es ging noch viel mehr schief. Erstmals seit 1993 blieb die Scuderia ohne Sieg! Präsident Luca di Montezemolo musste Sergio Marchionne weichen, Rennleiter Stefano Domenicali wurde durch Marco Mattiacci ersetzt, und dieser nach nur sieben Monaten durch Maurizio Arrivabene. Dazu gingen auch wichtige Techniker wie Motorenchef Luca Marmorini. Chefdesigner Nicolas Tombazis soll in Ungnade gefallen sein, man wünscht sich Aldo Costa zurück. Gerüchten zu Folge sollen auch die ersten Daten des neuen Wagens aus dem Windkanal wenig vielversprechend sein. Neuzugang Sebastian Vettel steht wohl viel Arbeit bevor.
Doppelte Punkte
Zum ersten – und wohl auch einzigen – Mal in der Formel-1-Geschichte gab es heuer beim Saisonfinale die doppelte Anzahl an WM-Punkten. Glücklicherweise hat diese von den meisten Fans kritisierte Regel weder die Fahrer-Weltmeisterschaft entschieden, noch hatte sie Einfluss auf die Konstrukteurswertung.
Ecclestone
Als Chefvermarkter ist Bernie Ecclestone auch mit seinen 83 Jahren noch immer die wichtigste Figur des Formel-1-Zirkuses. In diesem Jahr geriet sein Imperium aber heftig ins Wanken, weil er in München wegen angeblicher Bestechung vor Gericht stand. Der Prozess lief in seine Richtung, auch wenn er ihn am Ende 100 Millionen Euro kostete.
Funkverbot
Als Sebastian Vettel in Österreich ohne Leistung ausrollte, ein paar Knöpfe drückte und dann wieder losfahren konnte, meinte er: „Heute muss man die Autos nicht mehr neu starten, sondern wie einen Computer hochfahren.“ Durch die Funksprüche der Ingenieure an die Fahrer wurden viele Fans das Gefühl nicht los, dass längst die Ingenieure die Herrschaft über das Rennfahren gewonnen haben. Vorm Singapur GP wollte die FIA den Funkverkehr beschneiden. Doch die Teams schafften es, die Verbote bis 2015 aufzuschieben. Inzwischen wird gefunkt wie eh und je.
Gewicht
Die neuen Turbomotoren sind deutlich schwerer als die V8-Sauger, die bis 2013 zum Einsatz kamen. Speziell zu Beginn der Saison hatten einige Teams daher Schwierigkeiten, unter die Mindestgewichtsgrenze zu kommen. Damit fehlte ihnen die Möglichkeit, mit Ballastgewichten die Straßenlage zu perfektionieren und größere bzw. schwerere Fahrer wie Adrian Sutil waren benachteiligt. Das Handicap wurde mit bis zu drei Zehntelsekunden pro Runde angegeben.
Honda-Comeback
Das McLaren-Team konnte 2014 den weiteren Rückfall mit den bärenstarken Mercedes-Motoren abfangen, aber nach vorne ging nichts. 2015 soll alles besser werden, denn dann kehrt Honda als exklusiver Motorpartner in die Formel-1 zurück. Fernando Alonso soll neues Aushängeschild des Teams werden. Aber noch ist der Weg weit, denn bei der ersten Ausfahrt in Abu Dhabi drehte Stoffel Vandoorne nur fünf Runden.
Die Optik der Boliden steht seit Jahren in Kritik und auch die Generation 2014 konnte das nicht ändern. Die kuriosen Nasenformen wie die Doppelkiel von Lotus, die Pinocchio-Nasen vieler Teams oder auch die doppelte Nase des Caterham waren keine Hingucker. Für 2015 wird es mehr neue Vorschriften im Bereich der Frontpartie geben, auch wenn die Vergangenheit gelehrt hat, dass neue Ästhetik-Regeln die Optik eher verschlechterten.
Jugendwahn
Im Sommer wurde der sensationelle Aufstieg des erst 17-jährigen Max Verstappen 2015 zu Toro Rosso bekannt. Der von „Jos, the Boss“ kam in freien Trainings zum Einsatz und überzeugte mit flotten Zeiten und starker Fahrzeugbeherrschung. Verstappen gilt als Ausnahmetalent, nachdem er in seiner ersten Rennsportsaison in der Formel-3-Europameisterschaft sofort mit um Siege fuhr. Nach Verstappens Einstieg sollen sowohl die Kriterien für die Vergabe der Superlizenz neu überdacht, als auch Pläne ausgearbeitet werden, wie die Autos in Zukunft wieder schwerer zu fahren sind.
Krise
Die Formel-1-Saison bot spannenden Sport, aber abseits davon wurde wie fast jedes Jahr gestritten. Marussia und Caterham fehlten zum Schluss mehrmals, Force India, Lotus und Sauber sollen finanziell auf der Kippe stehen. Regelungen wie Kundenfahrzeuge, dritte Boliden oder eine Zweiklassengesellschaft mit Super-GP2-Autos wurden auf den Tisch gebracht. Das System ist krank, die Kosten zu hoch, die Einnahmen hochgradig ungerecht verteilt. Doch die Topteams wollen an ihren Privilegien festhalten und so schlittert der Sport in eine Krise.
Letzte Klappe
Ein schrumpfendes Starterfeld, das mit zahlungskräftigen Bezahlfahrern aufgefüllt wird, sorgt dafür, dass mit Jenson Button ein ehemaliger Weltmeister Topfahrer um seine Zukunft in der Formel-1 bangen muss. Die Zielflagge ist wohl schon für Jean-Eric Vergne, Adrian Sutil, Esteban Gutiérrez, Max Chilton, Kamui Kobayashi, Will Stevens und André Lotterer gefallen.
In der Sommerpause wurde bekannt gegeben, dass 2015 der Mexiko-GP wieder in den Kalender zurückkehren wird. Letztmals fand 1992 das Rennen in Mexico-City statt. An gleicher Stelle, aber auf überarbeitetem Kurs – der Modernisierung fällt die schnelle überhöhte Peraltada-Kurve zum Opfer – wird Lokalmatador Sergio Pérez versuchen, den bisher besten Platz eines Mexikaners (P4 1968 von Pedro Rodriguez im BRM) zu überbieten.
Neues Team
Der Automobilweltverband FIA öffnete auch wieder die Nennliste für einen neuen Rennstall für 2015. Zwei kamen in die engere Auswahl: Das US-amerikanische Haas-Team und das rumänische Forza-Rossa-Projekt. Zumindest der Versuch von Gene Haas, der bisher in der NASCAR aktiv ist, gilt als äußerst seriös, musste den Einstieg aber auf 2016 verlegen und wird dann als Ferrari-Partnerteam dabei sein.
Oesterreich-GP
Red Bull hat es möglich gemacht: Der Österreich-GP kehrte in diesem Jahr zur Begeisterung der Fans wieder in den Kalender zurück. Die Stimmung in Spielberg war so gut wie auf kaum einer anderen Strecke. Sportlich bleibt vor allem die Pole-Position von Publikumsliebling Felipe Massa im Williams hängen.
Pistenrowdys
Für bestimmte Zwischenfälle bekamen die Rowdys Strafpunkte und mussten bei zwölf, ein Rennen aussetzen. Um wieder mehr Rad-an-Rad-Duelle zuzulassen, sollten die Stewards ab Silverstone eine weniger harte Gangart an den Tag legen. Genau die Hälfte des Fahrerfeldes hat im Laufe des Jahres einen Strafpunkt kassiert, die meisten Marcus Ericsson und Pastor Maldonado mit je fünf.
Quote der Ausfälle
Nach den schleppenden Wintertestfahrten waren die Befürchtungen groß, dass es wegen den neuen komplexen Turbo-Motoren wahre Ausfallorgien geben könnte. Doch gab es wieder nur zwei, drei Ausfälle pro Rennen. Eine Herausforderung war es, mit nur fünf Antriebselementen über die Saison zu kommen. Und obwohl es eng wurde, mussten nur vier Fahrer wegen eines sechsten oder siebten Motors in der Startaufstellung zurück. Betroffen waren nur Renault befeuerte Fahrer.
Rekorde des Mercedes W05 Hybrid
Die Dominanz des Mercedes W05 Hybrid war erdrückend: Elf Doppelsiege (Rekord davor McLaren 1988 mit deren zehn), 31 Podestplätze (Rekord davor Ferrari 2004 mit deren 29), 16 Saisonsiege (Rekord davor 15 von Ferrari 2004 und McLaren 1988 mit jeweils 15), 701 WM-Punkte (Rekord davor Red Bull 2011 mit 650 Punkte), rund 5000 Führungskilometer.
Sound
Ein großer Kritikpunkt an den neuen Motoren: Der leise Sound. Natürlich war auch der Kreissägen-Ton der V8-Sauger-Motoren nicht jedermanns Sache, aber die Mehrheit der F1-Fans findet: Rennsport muss man mit allen Sinnen spüren, auch mit dem Ohr. Zu Beginn der Saison wurden deswegen sogar Testfahrten mit Megafons durchgeführt, um die F1-Autos wieder lauter zu machen. Gebracht hat’s nichts.
Tempo
Zu Beginn des Jahres war das Tempo der neuen Rennwagen deutlich geringer als zuvor. Die Topspeeds haben sich erhöht, weil der Motor mehr Leistung hat, aber er ist auch schwerer, und zudem wurden die Aerodynamik beschnitten und die Reifen härter, was zusammen Rundenzeit kostet. Doch der Rückstand wurde in der zweiten Saisonhälfte wettgemacht: Beim Brasilien-GP war Nico Rosberg auf seiner Pole-Runde um eine halbe Sekunde schneller als Rubens Barrichello 2004 im V10-Ferrari.
Unfälle
Auch 2014 bot wieder viele spektakuläre Unfälle. Leider kam es in Suzuka bei Jules Bianchi zu einem tragischen Zwischenfall. Die restlichen Unfälle blieben zum Glück ohne Verletzungen, wie die Kollision zwischen Sergio Pérez und Felipe Massa in Kanada. Erstmals seit 2010 gab es auch wieder Überschläge: In Bahrain wurde Esteban Gutiérrez von Pastor Maldonado gecheckt, in Deutschland Felipe Massa von Kevin Magnussen auf den Kopf gedreht.
Vettel
Sebastian Vettel ist nach vier Jahren als Formel-1-Weltmeister entthront worden. Damit musste man auch wegen des neuen Regelwerks, eine größere Änderung bringt meistens Bewegung ins Kräfteverhältnis, rechnen. Was aber eine Sensation war: Vettel wurde auch Rennen für Rennen teamintern von Neuzugang Daniel Ricciardo besiegt. Ricciardo gewann drei Rennen, wurde Dritter in der Gesamtwertung. Vettel blieb am Ende auf Rang fünf und erstmals seit 2007 auch wieder ohne Sieg! Als Konsequenz verließ er Red Bull und wechselt für 2015 zu Ferrari.
Mit Susie Wolff nahm erstmals seit 1992 (Giovanni Amati im Brabham Judd) wieder eine Frau an einer offiziellen Trainingssitzung teil. Die gebürtige Schottin und Ehefrau von Mercedes-Sportchef Toto Wolff kam in Silverstone und Hockenheim zum Zug. Wolff ist 2015 dritte Pilotin bei Williams. In Austin hätte es ihr Simona de Silvestro gleich tun sollen, aber die Schweizerin, heuer Testfahrerin bei Sauber, musste wegen finanzieller Probleme zurückziehen.
X-mal im Titelkampf duelliert
Lewis Hamilton und Nico Rosberg duellierten sich über die gesamte Saison hinweg und immer wieder wechselte der Ausschlag des Pendels. Das erste rundenlange Rad-an-Rad-Duell gab es in Bahrain, aber Rosberg fand keinen Weg an Hamilton vorbei. In Spa kam es sogar zur Kollision, bei der Rosberg Hamilton den Reifen aufschlitzte. Es war das härteste und engste Duell zweier Teamkollegen um den WM-Titel seit Alain Prost gegen Ayrton Senna 1988.
Yellow-Press
Nicht nur in Monaco sonnen sich im Schatten der Formel 1 die Schönen und Reichen. Der Sport ist mittlerweile ganzjährig zur Spielwiese der Yellow-Press geworden. Ex-Spice-Girl Geri Halliwell hat sich mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner verlobt. Sebastian Vettel und Romain Grosjean wurden Vater. Nico Rosberg hat seine Freundin geheiratet und der Youngster Max Verstappen geht mit der Schwester von McLaren-Junior Nyck de Vries.
Zahnarzt als Teamchef
Mit unendlicher Regelmäßigkeit taucht Colin Kolles, der gelernte Zahnarzt aus Rumänien, immer wieder in der Boxengasse auf. 2014 agierte er als Berater eines arabisch-schweizerischen Konsortiums, das vor dem Großbritannien GP Caterham rettete. Dann kam zu Unstimmigkeiten und so zog sich Kolles, der schon bei Force India und HRT Teamchef war, wieder zurück.
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