Comeback der Dosen in Ungarn?

Red Bull Racing hat sich im Saisonverlauf kontinuierlich gesteigert und der Spitze genähert. Der Hungaroring sollte den aerodynamisch starken Renndosen liegen

Selbstverständlich werden viele Augen beim Ungarn GP außerhalb von Budapest kommendes Wochenende auf die Fortsetzung des Titelduells zwischen WM-Leader Sebastian Vettel (Ferrari) und Verfolger Lewis Hamilton (Mercedes) gerichtet sein.

Doch sowohl Hamiltons Silberpfeil-Teamkollege Valtteri Bottas als auch die Red Bulls wollen im Kampf um den Sieg mitmischen. Aktuell liegen die „Bullen“ Daniel Ricciardo und Max Verstappen auf den Plätzen 4 bzw. 6 der Fahrerweltmeisterschaft. Während der Aussie mit 60 Punkten Rückstand auf Vettel noch zumindest theoretische Titelchancen hat, ist der Zug für Verstappen wohl abgefahren. Daher möchte der Niederländer von Rennen zu Rennen schauen und immer voll angreifen.

Halbes Heimrennen

Kommentator-Legende Heinz Prüller hat das Rennen immer als den „halben Heim Grand Prix der Österreicher“ bezeichnet. Zu den heimischen Piloten war der Hungaroring nie gnädig, denn außer drei dritten Plätzen durch Gerhard Berger gab es in 31 Jahren Formel 1 nicht zu holen. Etwas besser lief es aus rot-weiß-roter Teamsicht, denn 2010 gewann Mark Webber für Red Bull Racing und 2014 stand Daniel Ricciardo als Bulle am obersten Treppchen.

Zudem gab’s noch zwei zweite und fünf dritte Ränge. „Der Hungaroring ist keine reine Motorenstrecke. Daher rechnen wir uns dort absolut Chancen aus, wieder um die Podestplätze mitzukämpfen. Bei einem kuriosen Rennverlauf, der in Budapest durchaus möglich ist, könnte sogar mehr drinliegen“, bestätigte Red Bull Racing Teamchef Christian Horner im Vorfeld des Grand Prix in der ungarischen Tiefebene.

Max(imaler) Angriff

Max Verstappen hat nach Platz 4 in Silverstone Lunte gerochen und möchte seinen 100% Punkterekord am Hungaroring weiter ausbauen. „Ich liebe diese Strecke, besonders mit einem Formel-1-Wagen. Der Kurs liegt unserem Auto, denn dort gibt es nicht viele lange Geraden, dafür aber zahlreiche unterschiedliche Kurven und es vor allem auf den mechanischen Grip, die Aerodynamik und den Kurvenspeed an“, so der Niederländer, der 2015 für Toro Rosso sensationell Vierter und 2016 mit Red Bull Fünfter in Ungarn wurde.

Dass die neuen, breiteren und schnelleren Boliden im “Monaco ohne Mauern” Probleme machen könnten, sieht “Mad Max” nicht. „Die Strecke ist natürlich enger als manch andere. Aber das sollte kein Problem sein. Wir haben heuer deutlich mehr Grip als noch letzte Saison, weswegen es durchaus sein kann, dass die Linienführung ein wenig abweicht. Das wird sicher spannend am Anfang, spielt sich aber dann rasch ein.“

Mit oder ohne Sainz

Aber die Bullen, allen voran Motorsport-Direktor Helmut Marko, haben noch eine andere Baustelle: Carlos Sainz will weg. Der heißblütige Spanier möchte endlich ein siegfähiges Auto und daher nicht mehr bei Toro Rosso bleiben. Da es bei Red Bull Racing keinen freien Sitz gibt, will Sainz abwandern. Zuletzt hat Horner bestätigt, dass „wenn uns ein anderes Team ein Angebot macht, werden wir es in Betracht ziehen.“ Angeblich möchte Renault Teamchef Cyril Abiteboul den Spanier als Ersatz für den unglücklich agierenden Joylon Palmer holen. So mancher Insider sah Sainz schon in Ungarn in einem gelben Renner.

Dort soll aber Palmer – nun auch mit dem neuen Unterboden ausgestattet – sein Talent nochmals aufzeigen können. Klappt das wieder nicht, wird er wohl über die Sommerpause Platz machen müssen. Sollte es zum Wechsel kommen, würde wohl GP2 Champion Pierre Gasly als Ersatzmann bei den Bullen nachrücken. Ihre Piloten unter der Saison zu tauschen, hat bei den Bullen durchaus „Tradition“: Sebastian Vettel stieg in Ungarn 2007 statt Scott Speed ein, Jaime Alguersuari in Ungarn 2009 statt Sébastien Bourdais, 2016 kam Max Verstappen für Daniil Kvyat ab Barcelona zum Einsatz – und gewann gleich.

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