Brown will Steuer rumreißen

Bei McLaren geht es rund. Renndirektor Eric Boullier ist zurückgetreten. Ex-IndyCar Champion Gil De Ferran ist neuer Sportdirektor, Ex-Ferrari-Mann Andrea Stella Performance Direktor. Formelaustria hat mit McLaren CEO Zak Brown gesprochen

Zak, Renndirektor raus, Sportdirektor rein, dazu noch einen Performance Chef. Das klingt nach einem Totalumbau bei McLaren.

Unser Wagen hat heuer bisher nicht annähernd die Erwartungen erfüllt, die jeder bei McLaren hatte. Die Gründe dafür sind systemischer und struktureller Natur. Es lag nicht an den hunderten hart arbeitenden Mitarbeitern in der McLaren Fabrik. Daher mussten wir umfassende interne Veränderungen vornehmen. Wir gehen davon aus, dass wir nun ein neues, erfolgreicheres Kapitel öffnen können.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wir haben uns damals von Honda getrennt, weil wir in einer völlig inakzeptablen Situation waren. Ständig hatten wir Performance Probleme. Daher haben wir uns mit Renault zusammengetan. Allerdings hinken wir noch immer weit hinter den Erwartungen her, die wir alle hier und auch alle da draußen in McLaren setzen. Wenn man sich unsere Geschichte, unsere Ressourcen, unsere Mitarbeiter und unsere Technologie ansieht, dann müssen wir viel besser abschneiden.

Hat Boullier von selber den Hut genommen?

Eric war der Ansicht, dass sein Rücktritt es McLaren erlauben würde, in der bestmöglichen Art voranzuschreiten. Diese Situation kam nicht über Nacht zustande und sie wird auch nicht über Nacht zu lösen sein, aber das ist ein erster wichtiger Schritt.

Welche Aufgaben haben Stella und De Ferran nun genau? Beide waren ja schon beim Team…

Die beiden Neubesetzungen sollen uns dorthin bringen, wo wir sein wollen. Andrea ist schon seit 2015 bei uns und hat immer eng mit Fernando (Alonso), der auch Teil dieses Prozesses war, gearbeitet. Nun wird er für die Performance des Wagens und das Abschneiden des Teams auf der Strecke verantwortlich sein. Gil stieß als Berater für Fernandos Antreten bei den Indy 500 zu uns. Seit dem diesjährigen Europaauftakt in Barcelona war er auch Berater von McLaren.

Wie ist es einen so berühmten Rennstall wie McLaren zu leiten?

Ich bin ein Racer durch und durch. Ich bin lange selbst gefahren, habe ein eigenes Team und ich denke, ich weiß worum es in der Boxengasse geht. McLaren anführen zu dürfen, ist Spaß, Ernst, Aufregung und Motivation zugleich. Ich war selbst immer ein Riesen-McLaren-Fan seit ich ab 1988 wirklich die Formel 1 verfolgte. Es ist für mich eine Ehre und ein Privileg dieses Traditionsteam leiten zu dürfen und ich bin mir der enormen Verantwortung bewusst. Natürlich ist auch der Druck enorm. Aber das macht den Reiz aus.

Wie kam es eigentlich aus Deiner Sicht zum Absturz des Teams?

Alles begann damit, dass unter Martin Whitmarsh’s Führung Lewis Hamilton entschied zu gehen. Dadurch ging auch Hauptsponsor Vodafone. Danach kam noch die Zeit mit Honda. Im Vorjahr war unsere Sponsorensituation am absoluten Tiefpunkt. Nun geht es wieder aufwärts. Aber man kann fünf schlechte Jahre nicht in einem Jahr komplett abfangen. Es wird noch ein wenig dauern, aber wir verbessern uns schrittweise.

Was passiert, wenn Fernando Alonso geht?

Uns war immer klar, dass er nicht ewig fahren wird. Aber momentan ist er noch da. Und McLaren hatte immer die besten Fahrer. Fernando ist einer davon, wenn nicht sogar der beste. Wir wollen ihn solange wie möglich als Teil unserer Familie behalten – solange er fährt sowieso und danach vielleicht als Brand Ambassador wie Mika Häkkinen bei Mercedes.

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