Wie aus dem Kommen, ein Gehen wurde

BRM-P160_3Über viele Jahre kamen Rennställe, andere gingen wieder, wurden verkauft oder schafften es nie in die Formel-1. Doch jetzt verschwinden die Rennställe nur noch

Der Rekord liegt bei durchschnittlich 16,5 Startern in der Saison 1969. Auch damals zeichnete sich der Teamschwund bereits ab. Die Einführung der 3-Liter-Formel 1966 gingen nur wenige Hersteller mit. Es herrschte akuter Motorenmangel, der sich auch in den 70er Jahren fortgesetzt hätte – wenn es nicht den legendären Cosworth-DFV-Motor gegeben hätte, auf den so viele Teams in den 70er Jahren setzten.

Sollte die F1-WM 2015 wirklich mit nur 18 Fahrzeugen ausgetragen werden, dann wäre es nach 1969 die Saison mit den zweitwenigsten Boliden im Feld. In Austin erlebten wir bereits einen Vorgeschmack dessen, was es heißt, wenn nur 18 Boliden am Start stehen. Nach der Kollision zwischen Adrian Sutil und Sergio Pérez waren sogar nur noch 16 Flitzer nach einer Runde dabei – da mag man vom vollen Starterfeld mit 26 Autos wie das über Jahre der Fall war, nur träumen.

Noch ist es nicht in Stein gemeißelt, dass wir 2015 nur 18 Boliden sehen. Erstens versuchen die Insolvenzverwalter händeringend nach Käufern für Marussia und Caterham, zweitens könnte F1-Boss Bernie Ecclestone einspringen und ein Team über Wasser halten, bis 2016 das Haas-Team einsteigen wird, drittens ist die Idee, dass einige Teams drei Wagen einsetzen könnten, noch nicht vom Tisch.

66-3Teamschwund auch in der ersten Turbo-Ära

Egal, wie viel Rennwagen es letztlich sein werden: Die Formel-1 muss die aktuelle Krise ernst nehmen. Denn die Floskel „Teams kommen und gehen“ stimmt schon lange nicht mehr. Aus einem „Kommen und Gehen“ ist quasi nur noch ein „Gehen“ geworden. Und dieser Trend setzte schon vor Jahren ein. Nur selten stößt noch ein Team neu in die Formel-1, viele etablierte Mannschaften wie Sauber, Force India und Lotus kämpfen dagegen auch ums Überleben.

Auf den Seiten 12 und 13 haben wir die Entwicklung der Teams in der Formel-1 der letzten 30 Jahre tabellarisch auf einen Blick zusammengestellt. 30 Jahre deshalb, weil je weiter man in die F1-Geschichte zurück geht, desto mehr hing die Teilnehmerzahl vom Grand Prix ab. Gaststarter ist das Stichwort. Beim Südafrika-GP gab es jährlich zahlreiche Lokalmatadoren, die teilweise sogar mit Eigenkonstruktionen nur das Heimrennen bestritten – und so gilt das auch für andere Rennen. Manche Teams setzten mehr als zwei, manche nur einen Boliden ein. So stramm geregelt wie heute war das alles noch nicht – vielleicht liegt auch hier ein Problem der aktuellen Krise begraben.

Vor 30 Jahren, also in der F1-Saison 1985, gab es noch 17 F1-Rennställe, sechs mehr als 2014, fast doppelt so viele wie beim USA-GP. Eingestiegen sind mit Zakspeed und Haas zwar auch zwei Mannschaften, die nur wenige Jahre in der Formel-1 blieben, mit Minardi aber auch eine Scuderia, die noch heute als Scuderia Toro Rosso in der Formel-1 existiert.

In den zwei folgenden Jahren sank die Anzahl der Rennställe. Die Turbomotoren waren sündhaft teuer. Die Formel-1 führte eine eigene Wertung für Sauger-Teams ein, doch die Fans interessierte nur, wer das Rennen gewonnen hat und nicht, welches Team ganz hinten in der Startaufstellung die B-Wertung für sich entschied. Dazu zogen sich auch Werksteams wie Renault und Alfa Romeo zurück – weil der Erfolg ausbleibt. Damals gab es so viele Motorhersteller – zum Teil auch unabhängig von Automobilwerken – dass die Ausstiege verkraftbar waren. Würden heute zwei Hersteller den F1-Ausstieg verkünden, stünde die Formel-1 vor einem mächtigen Problem. Selbst in der Turbophase der 80er Jahre stieg aber jedes Jahr mindestens ein neuer Rennstall in den GP-Sport ein!

image18320 Teams 1989

Als die Formel-1 die Turbomotoren aus der Formel-1 verbannte, kamen wieder mehr Teams in die Königsklasse. 1989 hatten wir 20 Rennställe und 39 gemeldete Fahrzeuge pro Grand Prix! Es musste sogar ein Vorquali eingeführt wurden, nur 30 Fahrer gingen ins Qualifying, nur die schnellsten 26 starteten auch im Rennen.

Von den damals eingestiegenen Rennställen wie Rial, EuroBrun, Scuderia Italia oder Onyx blieben die meisten Mannschaften nur wenige Jahre. Doch das ist kein Argument gegen eine Fluktuation an F1-Teams, also gegen das „Kommen und Gehen“. Onyx und die Scuderia Italia fuhren während ihrer Zeit in der Formel-1 sogar auf das Treppchen, das deutsche Rial-Team belegte zwei Mal den vierten Platz. Es waren kleine Mannschaften, die immer wieder gegen die ganz Großen aufmucken konnten. Es war der Kampf David gegen Goliath, der die Fans faszinierte.

Natürlich waren auch F1-Teams darunter, die wenig seriös war. Aber selbst die Scuderia Italia fuhr ihr erstes Rennen mit einem F3000-Rennwagen. Larrousse hatte zwei Mal kriminelle Teilhaber, Andrea Moda und Life hatten Fahrzeuge, die meilenweit hinter der Spitze herhinkten. Aber solche Teams waren dann eben auch schnell wieder draußen – wen kümmerte es schon?

Bernie Ecclestone und dem Automobilweltverband FIA kümmerte es. Sie erhöhten die Einstiegskriterien für neue Teams, verlangten eine Millionen schwere Seriösitätsgarantie, die erst nach zwei Jahren wieder zurückbezahlt wurde. In den 90er Jahren nahmen dann plötzlich die F1-Projekte zu, die es teils auch deshalb nicht in die Formel-1 schafften. Projekte von DAMS (schon damals wie heute ein Spitzenteam in den Nachwuchsserien), Bravo oder TOM’s scheiterten genauso, wie Versuche von Millionären bekannte Namen wie Bugatti (Robert Wachtel aus Kalifornien versuchte die Marke 1995 in die Formel-1 zurückzuholen), Vanwall oder Lamborghini (Das indonesische Humpuss-Lamborghini-Projekt wurde 1996 von Hutomo Mandala Putra angestoßen) wieder in die F1 zu bringen.

Viele Mannschaften mussten verkauft werden, noch mehr stiegen aus. Bis 1993 sank die Anzahl der Teams auf deren 13, 1996 gab es dann nur noch elf Mannschaften – dabei blieb es dann auch einige Jahre. Die Formel-1 wurde teurer und professioneller, da konnten nur wenige mithalten. Auch jahrzehntelang teilnehmende Equipen wie Brabham, Lotus, Arrows, Ligier oder Tyrrell mussten zusperren oder verkauft werden.

sato-2Krise schon 2009

Statt Privatteams kamen nun die Hersteller gebündelt in die Formel-1 zurück. Sie kauften sich die Privatteams und schraubten die F1-Budgets in unvorstellbaren dreistelligen Millionen-Bereiche. F1-Projekte waren nun kaum mehr möglich. Von 1998 bis 2010 gab es gerade Mal noch zwei Neulinge: Toyota 2002 und Super Aguri als Honda-B-Team 2006. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise stiegen viele Hersteller aus. Zurück blieb ein Scherbenhaufen und schon damals wäre die Anzahl der Teams auf deren neun gesunken, wenn nicht Marussia, Caterham und HRT eingestiegen wären. Doch sie kamen nur, weil die FIA eine Budgetobergrenze von rund 50 Millionen Euro versprochen hat. Die kam nie und daher konnten die drei Teams auch nie ans Mittelfeld aufschließen und langfristig nicht überleben. In Austin war keines der drei neuen Teams mehr mit von der Partie.

 

 

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