Noch ehe ein Formel 1 Wagen jemals auf dem neuen Kurs in Vietnam gefahren ist, scheint jetzt schon ein weiterer Gähn-GP zu drohen
Der klassische TILKE Engineers & Architects Kurs in Hanoi besteht aus viermal Vollgas, einmal Silverstone Kurven, einmal Montreal Haarnadel, einmal Sotschi Omega und dann noch einem Kurvengemurks. Mit viel Glück kann man an drei Stellen überholen, wobei man in Kurve 1 wahrscheinlich den Scheitelpunkt verpasst, ebenso wie in Turn 6, wenn man zum Passieren des Konkurrenten ansetzt. Die Montreal-gleiche Haarnadel ist wohl der einzige fixe Ausbremspunkt, der aktuell feststeht. Höhenunterschiede scheinen Fehlanzeige, vielmehr gleicht der Kurs dem sprichwörtlichen Bratpfannenboden. Also keine Rede von einer Berg- und Talbahn wie auf zahlreichen Traditionsrennstrecken. Auch wenn man eine Onboard-Lap auf dem Asphaltband im neuen F1 2020 Spiel gönnt, sucht man vergeblich nach neuen, überraschenden, einprägsamen Teilstücken. Möglicherweise ist die neue Schleife in Vietnam aus Sicht des Fahrers spannender wie aus jener des Zuschauers. Aber wetten sollte man darauf besser nicht.
Kreativität fließt nicht ewig
Hermann Tilke ist nicht nur leidenschaftlicher Amateurrennfahrer, sondern auch ein hervorragender Architekt. Er hat enormes kreatives Potenzial. Aber Kreativität lässt sich nicht endlos wiederholen. Dies mussten schon große Maler, Musiker oder Dichter erkennen. Mit dem Circuit of The Americas in Austin oder dem Sepang International Circuit in Malaysia sind ihm tolle Rennstrecken gelungen. Auch der leider nicht mehr im Kalender enthaltene Istanbul Park Circuit in der Türkei ist ein absoluter Klassiker. Der Baku City Circuit ist kein Straßenfeger, lebt aber von den chaotischen Rennen durch die Hektik im High-Speed Betonkanal. Jedoch sind Kurse wie der Yas Marina Circuit in Abu Dhabi, das Autodrom in Sotschi oder nun wohl auch Hanoi komplette Langweiler, bei denen sich meist Prozessionen ergeben und Überholmanöver zur Rarität mutieren. Auf dem Old School Hungaroring hat dies noch einen nostalgischen Reiz, jedoch ein zweites oder gar drittes Mal braucht niemand noch so ein Rennen im Kalender.
Charakter gesucht
Wieso lieben die Piloten und Fans Strecken wie den Circuit de Spa-Francorchamps oder den Suzuka Circuit Park? Weil sie Abwechslung bieten, eine Herausforderung vor allem an den Fahrer und sein Können sind, weil sie auch an unmöglichen Stellen ein Überholen erlauben können, weil jede von ihnen ihren eigenen Charakter hat und nicht beliebig austauschbar ist, und vieles mehr. Dass auch Stadtkurse diese Eigenschaften aufweisen können, zeigen Traditionsstrecken wie Long Beach oder Detroit Belle Isle, ganz zu schweigen von Monaco, das für die moderne Formel 1 aber inzwischen schon fast unfahrbar ist. Was die Formel 1 braucht, sind Rundkurse, die ohne große Umbauten in die Landschaft eingebettet sind, am besten dort, wo es schon bestehende Straßen gibt. Und wenn schon neue Strecken gebaut werden, dann sollten nicht alle aus derselben Feder stammen. Dass das geht, beweist das Beispiel Zandvoort. Wir düfen uns auf den GP der Niederlande 2021 freuen!
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