Überraschungs-Poles der jüngsten F1 Geschichte

Haas-Pilot Kevin Magnussen hat in Interlagos mit seiner Pole Position für eine absolute Sensation gesorgt. Aber der Däne ist nicht der Erste, der die F1 Welt überrascht

Formelaustria hat die wohl überraschendsten Polesetter der letzten 40 Jahre in der Königsklasse zusammengestellt

Andrea de Cesaris, 1982

Grand Prix von Long Beach 1982 – Im Qualifying am Samstag hatten die Autos mit Michelin-Reifen einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Goodyear-Teams. Nachdem Niki Lauda früh in die Mauer gecrasht war, holte Alfa-Pilot Andrea de Cesaris seine einzige Karriere-Pole in seinen 208 Rennstarts mit 0,012 Sekunden Vorsprung. Zu diesem Zeitpunkt war de Cesaris der jüngste Pilot auf der Pole, ein Rekord, der erst 12 Jahre später von Rubens Barrichello gebrochen wurde.

Rubens Barrichello, 1994

In seiner zweiten Formel 1 Saison zeigte Rubinho mit dem agilen Jordan, erstmals was in ihm steckt. Er stellte von Saisonbeginn an Eddie Irvine in den Schatten, wurde beim Auftakt in seiner Heimat Brasilien Vierter, und legte in Japan als Dritter mit dem ersten Stockerl nach. Vier weitere vierte Plätze folgten noch im Verlauf der Saison, mehr gute Platzierungen scheiterten an der fehlenden Standfestigkeit seines Dienstwagens. Das absolute Highlight war sein Pole beim Belgien GP, als er dem späteren „König von Spa“, Michael Schumacher, P1 mit einer Traumrunde im ersten Qualifying wegschnappte.

Gerhard Berger, 1997

Die Saison 1997 war geprägt vom Titelkampf zwischen Michael Schumacher und Jaques Villeneuve. Schumachers ehemaliges Team, Benetton, hatte ein ordentliches Auto, aber weder Berger noch Jean Alesi konnten konstant gute Ergebnisse einfahren. Durch Reifenkrieg zwischen Bridgestone und Goodyear litten einige Teams unten den generell weicheren Reifen, ganz besonders Benetton. Berger fiel mit einer heftigen Kiefer-OP einige Rennen aus, feierte sein Comeback in Hockenheim aber mit einem Paukenschlag. Wenige Tage nach dem Tod seines Vaters fuhr der Tiroler auf die Pole und von dort aus auch souverän zum Sieg.

Sebastian Vettel, 2008

Beim Großen Preis von Italien 2008 schockte der spätere viermaliger Weltmeister als Youngster das ganze Feld, indem er in Monza im Nassen mit Torro Rosso die Pole holte. Sein Wagen war bestenfalls Mittelmaß, aber an diesem Wochenende machten Vettel und Co. einfach alles richtig. Bei sintflutartigen Regenbedingungen zeigte der Heppenheimer sein wahres Können und war sowohl im Qualifying wie auch am Renntag unantastbar. Er krönte sich damals zum jüngsten Sieger in der Geschichte der Formel 1.

Jenson Button, 2009

Ein paar Monate vor Saisonbeginn übernahm Ross Brawn das ehemalige Honda-Team und war als einziger überzeugt, dass der Honda für die Saison 2009 ein potenzieller Rennsieger war. Brawn GP kam zu spät zu den Preseason Tests, zeigte dort aber unglaubliche Pace. Alle glaubten, sie würden bluffen, um Sponsoren zu anzulocken. Dem war aber nicht so und beim Saisonauftakt in Melbourne standen Jenson Button und Rubens Barrichello nach dem Qualifying in der ersten Startreihe. Button feierte einen unangefochtenen Start-Ziel-Sieg und wurde später Weltmeister.

Giancarlo Fisichella, 2009

Großer Preis von Belgien 2009 – Aus irgendeinem Grund passte der Force India Wagen über Jahre hinweg einfach perfekt nach Spa-Francorchamps. Giancarlo Fisichella krönte die guten Vorstellungen des kleinen Außenseiter-Teams mit der Pole für den Belgien GP 2009. Der Italiener führte den Grand Prix auch lange Zeit ein und wurde erst knapp vor Schluss von Ferrari-Star Kimi Räikkönen abgefangen.

Nico Hülkenberg, 2010

Beim Großen Preis von Brasilien 2010 nützte der damalige Neuling Nico Hülkenberg die Gunst der Stunde und fand das perfekte Timing in einer von wechselnden Wetterbedingungen geprägten Qualifying-Session. In Q1 und Q2 schüttete es wie aus Eimern, aber am Ende von Q3 blinzelte plötzlich die Sonne durch und alles wechselte doch noch auf die Slicks. Williams-Pilot Hülkenberg profitierte am meisten davon und stellte den Außenseiter auf P1.

Nico Rosberg, 2012

Angesichts der damaligen Position von Mercedes in der F1 Hackordnung war die Pole Position von Nico Rosberg beim China GP wirklich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nach den Plätzen 12 und 13 in den ersten beiden Rennen des Jahres 2012, waren die Silberpfeile zu keiner Zeit in Schlagdistanz zu den Topteams Red Bull, Ferrari, McLaren oder Lotus zu erwarten. Doch in Shanghai tauchten Rosberg und Schumacher mit deutlich mehr Leistung im Heck auf und der spätere Champion von 2016 knallte eine um eine halbe Sekunde schnellere Runde auf die Strecke als alle anderen. Am nächsten Tag holte er seinen Premieren-Sieg.

Pastor Maldonado, 2012

Der Große Preis von Spanien 2012 war das wohl unglaublichste Wochenende im Leben des Pastor Maldonado. Alle Planeten standen für den Venezolaner im Lot, er holte sich am Samstag seine erste und einzige Karriere-Pole-Position und einen Tag später seinen einzigen Karriere-Sieg. Dennoch durchlief er in der Quali ein Wechselbad der Gefühle: Er war der Schnellste in Q3, aber nur für ein paar Sekunden, weil Lewis Hamilton Maldonados Zeit unterbot. Nach Ende der Session wurde Lewis aber disqualifiziert, weil sein McLaren zu wenig Sprit an Bord hatte.

Lance Stroll, 2020

Dass Stroll schnell ist, war immer schon klar. Und dass er gut im Eisdriften ist auch. Aber,dass diese beiden Qualitäten gemeinsam in der Formel 1 einmal eine Rolle spielen würden, war nicht klar.  Beim Türkei GP 2020, der nur aufgrund der Covid-19-Pandemie einsprang, hatte sintflutartiger Regen die neu asphaltierte Strecke in eine Eisbahn verwandelt. Es war für die meisten Piloten fast unmöglich den Wagen auf der Piste zu halten. Am Ende von Q3 riskierte Stroll alles und ließ an seinem Racing Point Intermediates montieren. Er holte die Pole und dominerte die erste Rennhälfte, der Sieg blieb ihm durch einen schlechten zweiten Reifensatz verwehrt.

Lando Norris, 2021

Lando kombinierte seine enorme Pace, die gute Straßenlage des McLaren und das optimale Timing in Russland 2021 zu seiner ersten Pole. Auf einer schmierigen Piste in Sotschi der Brite das Beste aus der Wetterlotterie und stellte den Papaya-farbenen Boliden auf P1. Norris fühlte sich im Nassen so wohl, dass er eine halbe Sekunde schneller war als Sainz auf P2, und mehr als zwei Sekunden schneller als Lewis Hamilton auf dem vierten Platz. Der Rennsonntag endete mit einem Herzschmerz für ihn, denn als es spät im Rennen zu regnen begann, entschied der führende Norris auf Slicks draußen zu bleiben und verpokerte sich.

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