Leider mussten wir auch dieses Jahr wieder von einigen Protagonisten des Autorennsports Abschied nehmen. Formelaustria möchte sie hier nochmals würdigen
Bob Bondurant – der Shellby Werkspilot machte in Le Mans auf sich aufmerksam und bekam die Chance bei Ferrari für John Surtees einzuspringen. Sein bestes Ergebnis war P4 beim Monaco GP 1966. Aber sein runder, materialschonender Fahrstil passte nicht zur damaligen Formel 1, sondern besser zur Langstrecke, wohin er 1967 wieder zurückkehrte. Der Amerikaner starb im November mit 88 Jahren.
Adrián Campos –als spanischer Meister bei ferngesteuerten Wagen, stieg Campos 1981 in den Automobilsport ein, fuhr zwei Jahre später in der Formel 3 und wurde 1985 Dritter in der Deutschen Formel-3-Meisterschaft. Obwohl er im Folgejahr in der Internationalen Formel 3000 nicht überzeugen konnte, erhielt er bei Minardi F1 ein Cockpit für die Saison 1987. Nach zwei Saisonen wurde er durch Pierluigi Martini ersetzt. Seit 1998 führte er sein eigenes Rennteam Campos Racing sehr erfolgreich und erhielt 2010 sogar einen F1 Startplatz. Diesen verkaufte er aber an Hispana Racing. Campos erlag im Jänner einem Aortariss.
Johnny Dumfries – der Earl of Dumfries hieß eigentlich John Colum Crichton-Stuart, 7. Marquess of Bute, was aber ihm für seine Rennsportkarriere völlig ungeeignet schien. Dumfries durchlief verschiedene britische Nachwuchsformeln bevor er 1983 in die britische Formel 3 aufstieg. In seiner zweiten Saison holte er 14 Siege und wurde überlegen Meister, dann Drittter in der Formel-3-Europameisterschaft. 1985 fuhr er zunächst mit Onyx, später mit Lola in der Formel-3000. Obwohl es dort nicht rund lief, holte ihn Lotus F1 1986 in die Königsklasse als Teamkollege von Ayrton Senna. P5 in Ungarn und P6 in Australien waren seine Highlights, ehe er 1987 von Motorenpartner Honda durch Satoru Nakajima ersetzt wurde. Dumfries wurde Testfahrer bei Benetton und wechselte, ohne Aussicht auf ein weiteres F1 Cockpit, zu Jaguar in die Sportwagen-WM. Dort siegte er 1988 mit Andy Wallace und Jan Lammers bei den 24 Stunden von Le Mans. Er starb im März an Krebs.
Jürgen Hubbert – der gelernte Maschinenbau-Ingenieur trat 1965 in die Daimler Benz AG ein und leitete ab 1990 das PKW-Geschäft des Unternehmens. Hubbert war die Schlüsselfigur beim Einstieg von Mercedes Ende der 1980er-Jahre in die DTM, sowie den Sportwagensport. Er hatte auch maßgeblichen Anteil am Wiedereinstieg der Silbernen in die Formel 1 Anfang der 90er Jahre. Der Plan, mit Sauber als Werksteam und Michael Schumacher als Fahrer in die Formel 1 einzusteigen, scheiterte zwar, aber die Marke lieferte 1993 und 1994 Support als Motorenlieferant. 1995 ersetzt man Peugeot als Motorenpartner bei McLaren und gewann unter seiner Ägide 1998 & 1999 die Fahrer-WM mit Mika Häkkinen. Ab 2002 war Hubbert Präsident der Grand Prix World Championship, einer Serie, die in Konkurrenz zur Formel 1 ab 2008 eine eigene Meisterschaft etablieren wollte.
Jean-Pierre Jaussaud – der Rennfahrer aus der Normandie war in den 1970 und 1980ern in Frankreich sehr populär, nicht zuletzt aufgrund seiner beiden Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Le Mans. Den ersten, 1978, holte er gemeinsam mit dem damaligen Formel 1 Rookie Didier Pironi. 1992 beendete Jaussaud seine aktive Laufbahn und gründete eine Rennfahrerschule, die heute von seinem Sohn betrieben wird. „Papy“, wie ihn die heimischen Fans nannten, wurde 84.
Nathalie Maillet – die Französin stammte aus einer rennsportbegeisterten Familie und fuhr früher selbst bei Amateur-Rennen mit. Als angesehene Architektin wurde sie 2016 zur Geschäftsführerin des legendären Circuit de Spa-Francorchamps berufen, dem sie neue Dynamik verlieh. Maillet wurde im August von ihrem Ehemann Franz Dubois getötet. Sie hatte sich von ihm aus Liebe zu einer Frau getrennt. Auch ihre neue Partnerin fiel Dubois zum Opfer, der sich danach selbst das Leben nahm. Maillet wurde 51 Jahre alt.
Max Mosley – der ehemalige Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) verlor im Alter von 81 Jahren im Mai seinen langen Kampf gegen den Krebs. 40 Jahre lang prägte er gemeinsam mit Bernie Ecclestone die Formel 1. Mosley, Sohn des faschistischen Politikers Sir Oswald Mosley, war promovierter Physiker und Jurist, Rennfahrer und Mitbegründer des Formel-1-Teams March. Zu seinen Verdiensten als FIA Präsident gehörte die Verbesserung der Sicherheit in der Formel 1 nach dem schwarzen Wochenende von Imola 1994. Mosley schrieb den Teams vor, wie sie ihre Autos zu bauen hatten, und ließ eine Rennstrecke nach der anderen „entschärfen“.
Mansour Ojjeh – der saudi-arabische Geschäftsmann spielte als Teilhaber von McLaren eine erhebliche Rolle bei den größten Siegen des Rennstalls. Ojjeh war Kopf der Investmentfirma TAG (Techniques d’Avant Garde). Als Williams-Sponsor und später als Financier des Formel-1-Turbomotors von Porsche für McLaren wurde er weltbekannt. Erst im Sommer 2020 gab Ojjeh seinen Sitz im McLaren-Vorstand an seinen Sohn Sultan ab. Er litt seit Jahren an erheblichen gesundheitlichen Problemen, seit 2009 unter IPF, einer meist tödlich verlaufenden Lungenkrankheit. Es folgte eine doppelte Lungen-Transplantation. Im Juni ging er mit 68 Jahren von uns.
Carlos Reutemann – Reutemann war nie Weltmeister und trotzdem eine Lichtgestalt seiner Ära. Als nur einer von nur vier Fahrern in der Geschichte stand er bei seinem ersten Grand Prix direkt auf der Pole Position. Beim Heimrennen 1972 in Buenos Aires war er mit dem mittelmäßigen Brabham der Schnellste. Der Argentinier holte zwölf Grand Prix Siege, stand 1981 nach drei dritten WM-Plätzen 1975, 1978 und 1980 vor dem Traum seines Lebens. Aber Frank Williams erlaubte Teamleader Alan Jones sein eigenes Rennen zu fahren und ließ Reutemann im Stich. Der verlor den WM-Fight gegen Nelson Piquet um einen Punkt. „Lole“ trat ab, wurde Politiker und diente zwei Legislaturperioden als Gouverneur seiner Heimatprovinz Santa Fé. 2017 erkrankte er an Leberkrebs und verstarb heuer im Juni.
Martin Shepherd – der 24-jährige Haas F1 Teammitglied verstarb kurz vor dem Imola GP 2021. Shepherd war im Sommer 2019 in einen Motorradunfall verwickelt worden. Er musste mehrmals operiert werden und lag mit einem Schädel-Hirn-Trauma monatelang auf der Intensivstation. Im Mai 2020 hatten Freunde und Familie eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um die Kosten für weitere Behandlungskosten zu decken. Ende April erlag der Amerikaner den Folgen des Unfalls.
Al Unser – Als Teil der Unser-Dynastie war „Big Al“ gute 30 Jahre fester Bestandteil der Indianapolis 500, die er selbst unglaubliche viermal gewinnen konnte. Auch seine insgesamt 644 Führungsrunden beim Indy 500 sind ein Rekord. Bei seinem letzten Sieg 1987 war Unser unfassbare 47 Jahre alt – bis heute gab es keinen älteren Sieger. Im Laufe seiner IndyCar-Karriere gewann Unser 39 Rennen und drei Meisterschaften: 1970 in der USAC, 1983 und 1985 in der IndyCar-Serie. Erst 1994 hatte er seine Rennfahrerkarriere im Alter von 54 Jahren beendet. Nun verstarb Unser nach 17-jährigem Kampf gegen den Krebs.
Bobby Unser – der dreifache Indy 500 Sieger und König des Bergrennens Pikes Peak ging nur wenige Monate vor seinem Bruder Al. Nur Bobby und Rick Mears haben es geschafft, die Indy 500 in drei verschiedenen Dekaden zu gewinnen. Der 35fache IndyCar-Laufsieger wurde nach Abschluss seiner Karriere 1982 TV-Experte und schrieb Bücher über erfolgreiches Management. Ab 1986 fungierte er auch als Audi Quattro Botschafter für die Pikes Peak Rennen.
Nino Vaccarella – der „schnellste Lehrer der Welt“ verstarb im September im Alter von 88 Jahren in Palermo. Der Sizilianer schlug in seiner aktiven Zeit zwischen 1956 bis 1975 sogar Werksverträge von Ferrari und Alfa Romeo aus, weil er seine Schule nicht verlassen wollte. Vaccarellas Karriere war beeindruckend, denn er gewann in Le-Mans (1964), dreimal die Targa Florio (1965, 1971 und 1975), die 1000 km vom Nürburgring (1964), die 12-Stunden von Sebring (1970), und zahlreiche Bergrennen. Für eine sizilianische Tageszeitung kommentierte er aber 40 Jahre lang die Formel-1-Rennen.
Murray Walker – von 1976 bis 2001 kommentierte Walker die TV-Übertragungen der Königsklasse in Großbritannien und wurde dadurch „Stimme der Formel 1“ im Mutterland des Sports. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg gedient hatte, begann er 1948 beim Fernsehen, kommentierte vor allem Motorrad-Rennen. Sein letztes Rennen als TV-Kommentator war der US-Grand-Prix 2001. Unvergessen sind seine legendären Sprüche und Hoppalas, die die Fans über Jahrzehnte erheiterten und ihm hierzulande den Status des „britischen Heinz Prüller“ einbrachten. Walker wurde unglaubliche 98 Jahre alt.
Frank Williams – „Sir Frank“ war laut eigener Aussage als Rennfahrer nicht talentiert genug, und auch als Mechaniker nicht brauchbar. Aber er wollte in den Rennsport, riskierte alles, und stieg mit seinem zweiten Rennstall Williams und Sponsoren aus Saudi-Arabien von 1978 an zu einer der bestimmenden Figuren des Formel 1 Zirkus auf. Er gewann über die Jahre neun Konstrukteurstitel, sieben Fahrermeisterschaften, und dominierte mit seinem Rennstall die 1990er. Seit einem Autounfall 1986 war er querschnittsgelähmt und saß im Rollstuhl. Bis zu seinem offiziellen Ausscheiden im September 2020 war er der älteste Teamchef in der Formel 1. Sein Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Er wurde 79.
BREAKING NEWS: Williams in Barcelona nicht bei Tests!
Atlassian Williams F1 Team wird aufgrund unvorhergesehener Umstände nicht am Preseason Test in Barcelona teilnehmen!
Audi F1 Team launcht eigene Akademie
Das Audi Revolut F1 Team hat den Launch seines Fahrerentwicklungsprogramms bekanntgegeben.