So nah, und doch so fern!

Es gibt eine Reihe an Formel 1 Piloten, die nur in einer einzigen Saison die Chance auf den Titel hatten, sie aber – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht nutzen konnten. Formelaustria hat eine Liste der bekanntesten „Nicht-Weltmeister“ zusammengestellt

Wolfgang von Trips 1961: Lange bevor Michael Schumacher geboren wurde, hätte Deutschland beinahe seinen ersten „Schumi“ gehabt. Wolfgang Reichsgraf Berghe von Trips  machte sich als Porsche Sportwagen Werkspilot einen Namen und debütierte 1957 in der Formel 1. Schon im dritten Grand Prix stand er erstmals am Stockerl. „Taffy“ war kompromisslos, sehr schnell, aber crashte auch oft, was Enzo Ferrari nicht gerne sah. Dennoch behielt er den „Rohdiamanten“ und 1961 hatten die Roten das überlegene Auto. Als WM-Führender verunglückte von Trips in Monza nach einer Kollision mit Jim Clark in der Anfahrt zur Parabolica tödlich. Sein Ferrari 156 tötete dabei auch 15 Zuschauer. Teamkollege Phil Hill gewann das Rennen und wurde mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister

Jacky Ickx 1970: Der sympathische, aber auch pfeilschnelle Belgier hatte fast immer die Pace von WM-Dominator Jochen Rindt, jedoch war sein Ferrari noch anfälliger als der Lotus des Österreichers. Daher schien die Meisterschaft nach Rindts Sieg in Hockenheim schon entschieden. Als der Fanliebling beim Heimspiel in Zeltweg ausfiel, verkürzte Ickx den Rückstand mit seinem Sieg. Er gewann auch in Kanada und Mexiko, konnte aber in den USA von der Pole aus „nur“ Vierter werden und in Monza, wo Rindt tödlich verunglückt war, die beste Startposition aufgrund eines Kupplungsdefekts nicht nützen. Daher reichte es am Ende nicht.

Clay Regazzoni 1974: Obwohl Niki Lauda eigentlich der schnellere Mann bei Ferrari war, hatte Regazzoni mehr Erfahrung und nutzte die Pace der roten Göttin, um Emerson Fittipaldi herauszufordern. Das Duo ging punktegleich ins Finale in Watkins Glen. Im Qualifying lief es für beide nicht mit P8 für Fittipaldi und P9 für Regazzoni. Doch der Ferrari des Schweizers hatte schon nach wenigen Runden einen defekten vorderen Stoßdämpfer. McLaren Star Fittipaldi kam sicher als Vierter ins Ziel und wurde Weltmeister, während Clay mit vier Runden Rückstand die Linie querte.

Ronnie Peterson 1978: Der „Super Swede“ war einer der Stars dieser Generation und bereits 1971 Vizechampion. 1978 hatte er mit dem Lotus 78/79 das überlegene Paket. Carlos Reutemann im Ferrari und Niki Lauda im Brabham-Alfa konnten mithalten, waren aber nie wirkliche Herausforderer. Es ging ums stallinterne Duell mit Mario Andretti. Allerdings plante Lotus mit dem Amerikaner als künftigem Champion. Peterson gab später zu Protokoll, dass er Andretti in den Rennen, in denen er hinter ihm Zweiter wurde, nicht schlagen hätte können. Doch hatte Peterson am Jahresende nur 13 Zähler Rückstand, obwohl Andretti durch den Unfalltod des Schweden drei Rennen mehr bestritt. Peterson wurde zuvor in fast jedem Rennen Zweiter oder Dritter, Andretti siegte oder lag hinten, es hätte also reichen können…

Gilles Villeneuve 1979: Villeneuves Teamkollege Jody Scheckter war bereits in Star im Business. Der Südafrikaner wurde mit Tyrrell 1974 und 1976 WM-Dritter, 1977 mit Wolf Racing sogar sensationell Vizechampion. Ferrari war in dieser Saison die klare Nummer 1, denn Ligier fiel zu oft aus, und Williams kam erst aber Saisonmitte in Form. Obwohl die beiden Piloten der Roten gar nicht so oft gewannen, hamsterten sie ständig Punkte. Enzo Ferrari liebte den stürmischen Villeneuve, wusste aber, dass Scheckters Konstanz seinem Team den Titel eher sichern würde. Dass sich der unerfahrene Kanadier dann so gut schlagen würde, damit hatte der „Commendatore“ nicht gerechnet. Leider kam die Titelchance für Gilles nie wieder, denn 80 war der Ferrari eine Katastrophe, 81 schnell, aber ständig defekt, und 1982, als er endlich wieder Championship-Material war, kam der tödliche Unfall

Carlos Reutemann 1981: Reutemann war bereits dreimal mit unterlegenem Material WM-Dritter geworden, ehe er 1981 endlich einen Wagen hatte, mit dem er den Titel holen konnte. Doch der Argentinier und sein Stallgefährte Alan Jones waren sich spinnefeind und der Champion von 1980 tat beim Saisonfinale in Las Vegas einen Teufel, um seinem Teamkollegen zu helfen. Jones siegte überlegen, wogegen WM-Leader Reutemann von der Pole aus mit Getriebeproblemen durchgereicht wurde, und am Ende als Achter ins Ziel rollte. WM-Rivale Nelson Piquet genügte der fünfte Platz, um ihn noch abzufangen. Reutemann und Jones wechselten danach nie wieder ein Wort.

Didier Pironi & John Watson 1982: Pironi war ein ultraschneller und taktisch ausgebuffter Pilot. Nach Gilles Villeneuves Tod in Belgien konzentrierte man sich bei Ferrari komplett auf ihn und der Franzose dominierte die WM. Doch in Hockenheim verunfallte auch er brutal und fiel für den Rest der Saison aus. Dadurch erhielten Keke Rosberg, der später um drei Punkte – bei fünf mehr gefahrenen Rennen – den Titel holte, und Watson noch die WM-Chance. Aber der Nordire schied hintereinander in England, Frankreich und Deutschland aus und verspielte so seinen einzigen Schuss auf das Championat.

Eddie Irvine & Heinz-Harald Frentzen 1999: Durch den heftigen Crash von Michael Schumacher in Silverstone, lag der Titeldruck bei Ferrari plötzlich auf Eddie irvine, der im Anschluss eine großartige Saison fuhr, die ihm nur wenige zugetraut hätten. Allerdings waren Mika Häkkinen und McLaren-Mercedes letzlich einfach ein zu starkes Paket, und konnten die Deckel beim Saisonfinale in Japan zumachen. Sein wohl stärkstes Jahr zeigte auch Heinz-Harald Frentzen, der mit seinem Jordan bis drei Rennen vor Schluss auch noch eine realistische Titelchance hatte, diese dann aber mit dem Aus am Nürburgring begraben musste.

Felipe Massa 2008: An dieses Saisonfinale erinnert sich wohl jeder Formel 1 Fan noch – Stichwort „Is that Glock?“  Massa war klar über sich hinausgewachsen und lieferte Lewis Hamilton ein unglaubliches Duell über das ganze Jahr hinweg. Sogar beim letzten Rennen, dem Brasilien GP, machte er alles richtig, holte die Pole, die schnellste Runde, und den Rennsieg. Als er die Linie querte, war er sogar mathematische Weltmeister. Doch dann gelang es Hamilton noch auf den letzten Metern bei wechselhaften Wetterbedingungen an Timo Glock vorbeizuziehen und so den nötigen fünften Rang zu erreichen. Der Brite hatte dadurch einen mickrigen Zähler mehr, die brasilianischen Fans weinten mit Massa.

Mark Webber 2010: Der Aussie war bei Red Bull Racing eine großartige Meisterschaft gefahren und hatte vor dem Finale in Abu Dhabi die besten Chancen als WM-Leader auch Champion zu werden. Doch bei den „Bullen“ hatte man andere Pläne, setzte auf Jungstar Sebastian Vettel. Man richtete die Strategie komplett auf den Deutschen aus und dieser lieferte. „Super Seb“ raste zum Sieg und übernahm somit beim letzten Rennen erstmals die WM-Führung, holte so den Titel. Webber touchierte früh die Mauer, musste Reifen wechseln, und steckte danach im Verkehr fest. Wie er selbst später meinte, überließ ihn das Team sich selbst und er wurde am Schluss nur WM-Dritter.

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