Schaulaufen in Interlagos

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat den nächsten WM-Titel bereits in der Tasche und könnte den Ausflug nach Brasilien genießen – er wird aber auf Sieg fahren

2016 war bislang das letzte Mal, dass die Piloten nach Interlagos kamen und der WM-Titel in der Fahrerwertung noch nicht vergeben war. Mit einem Sieg vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg schob sich damals Lewis Hamilton nochmals an den Deutschen heran und hielt so die Titelchance am Leben. Obwohl er auch beim Finale in Abu Dhabi gewann, ging es sich nicht aus.

Entschlossener Fighter

Diesmal hat der mittlerweile sechsfache Champion solche Sorgen nicht mehr. Der Brite kann völlig entspannt in die letzten beiden Läufe des Jahres in Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gehen, wird er aber nicht. Wer Hamilton kennt, weiß, dass der Mercedes Superstar nicht nur Glanz und Glamour liebt, sondern auch ein akribischer Arbeiter ist, der lange, intensive Gespräche mit seinem Teamchef Toto Wolff, seinem Renningenieur Peter Bonnington und den Mechanikern führt. Das bestätigt sogar Rosberg, ehemalige Erzfeind im eigenen Team: „Ich wusste, dass ich Lewis nur schlagen kann, wenn ich noch härter arbeite als er. Körperlich und technisch war das machbar. Aber er ist auch mental so unglaublich stark. 2016 saß ich jeden zweiten Tag mit meinem Mentaltrainer zusammen, um auch auf dieses Niveau zukommen.“ Am Ende hatte der Sohn des Weltmeisters von 1982, Keke Rosberg, um fünf Zähler die Nase vorne, nachdem er die Titelfights 2014 und 2015 verloren hatte.

Großes Können

„Lewis ist ein großartiger Fahrer. Er ist pfeilschnell, macht praktisch keine Fehler, und wenn, dann findet er wieder einen Weg, diesen auszubessern“, zollt Rosberg seinem jahrelangen Widersacher Respekt. Der F1-Champion von 2016 glaubt nicht, dass die aktuelle Garde an Toppiloten seinen seinerzeitigen WM-Rivalen ablösen kann. „Leute wie Max (Verstappen) oder Charles (Leclerc) sind hochtalentiert. Aber sie werden ihn nicht ablösen. Er wird selbst bestimmen, wann er genug hat. Was Lewis erreicht hat, ist schlichtweg unglaublich.“ Hamilton hält aktuell bei sechs WM-Titeln, 83 Rennsiegen (2. hinter Michael Schumacher mit 91) in 248 Rennen, 150 Podiumsplätzen (2. hinter Michael Schumacher mit 155), 87 Pole Positions (Rekord), und 46 schnellsten Runden (2. hinter Michael Schumacher mit 77). Bis auf den Rekord für die besten Rundenzeiten wird er wohl alle Rekorde brechen.

Liebe Interlagos

Auch wenn Hamilton den Großen Preis von Brasilien bisher „nur“ zweimal (2016 & 2018) für sich entscheiden konnte, so ist das Autodromo Carlos Pace eine Herzensangelegenheit für ihn. „Interlagos ist eine fantastische Strecke, sehr abwechslungsreich und aufregend. Für mich hat sie natürlich mit dem WM-Sieg 2008 eine ganz besondere Geschichte“, so der 34-Jährige. In der bisher knappsten Titelentscheidung in der F1 Historie, überholte Hamilton wenige Kurven vor dem Ziel im strömenden Regen den auf Slicks fahrenden Timo Glock und überquerte die Linie als Fünfter, wodurch er Rennsieger Felipe Massa um einen einzigen Zähler übertrumpfte. Aber wie gesagt, solche Gedanken muss er sich diesmal ja nicht machen…

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