Titelverteidiger Lewis Hamilton geht trotz der zahlreichen Regeländerungen wieder als Favorit in die neue Formel 1 Saison. Doch die Überlegenheit der Silberpfeile könnte zu Ende gehen
Wieder einmal hat die FIA versucht mit einigen Regeländerungen (siehe Box) die Machtverhältnisse in der Königsklasse über den Winter zu ändern. Und wieder einmal stapelt Mercedes Teamchef Toto Wolff tief: „Wenn man sich die Wintertestfahrten ansieht, scheinen wir 2-3 Zehntel hinter Ferrari zu liegen. Aber wir waren schon im Vorjahr von der reinen Performance her mehrmals hinter ihnen und haben am Ende dennoch gewonnen.“ Der Österreicher erwartet daher von seinen Leuten, dass wir den Dingen auf den Grund gehen und unsere noch vorhandenen Schwächen ausmerzen. Es besteht aber kein Anlass dazu übermäßig zu riskieren oder in Panik zu verfallen. Ich habe die besten Leute um mich und wir müssen daher einfach so konstruktiv vorgehen wie immer. Man gewinnt nicht einfach mal so fünfmal in Serie die Meisterschaft. Wir wissen schon, was wir tun.“ Naturgemäß etwas weniger gelassen sieht Champion Lewis Hamilton die Situation: „Ich denke, es könnte unter Umständen eine halbe Sekunde Rückstand auf Ferrari sein. Letztes Jahr war es nicht annähernd so viel. Aber natürlich haben wir eine große Gruppe von Leuten, die darauf hinarbeiten, die Weltmeisterschaft zu gewinnen“, so der Brite.
Der fünfte Anlauf
Sebastian Vettel wünscht sich nichts sehnlicher als endlich mit Ferrari Weltmeister zu werden. Viermal setzte er sich mit Red Bull Racing die Krone auf. Doch viel von dem Glanz ist abgebröckelt. Als Ferrari-Star konnte der Heppenheimer zwar einige Highlights setzen, aber der Titelgewinn wollte einfach noch nicht gelingen. Nach den WM-Rängen 3 und 4 in den Saisonen 2015 & 2016, gab es in den letzten beiden Jahren zumindest die Vizemeisterschaft, was allerdings auch dem Umstand geschuldet war, dass Mercedes‘ Rosberg-Nachfolger Valtteri Bottas nicht auf demselben Niveau unterwegs ist wie Nico es war. 2018 schien es als hätten die Roten den besten Wagen gebaut und lange wirkte Vettel wie der kommende Champion, doch diesmal erlaubte sich der Deutsche selbst zu viele Fehler. Doch die Testfahrten verliefen für Ferrari mehr als positiv und die Roten gelten zumindest zu Saisonbeginn als Favoriten. Ferrari Teamchef Mattia Binotto warnt aber, „es wäre falsch zu denken, dass wir schneller als Mercedes sind. Wir fahren möglicherweise mit unterschiedlichen Spritmengen und absolvieren andere Testprogramme.“ Der 49-Jährige weiter: „Testfahrten sind in erster Linie dazu da um zu sehen, wo wir mit unseren Aufgaben stehen. Wir schauen auf uns und überprüfen, ob der Wagen unsere Erwartungen erfüllt. Wer wirklich wie schnell ist, sehen wir erst in Melbourne.“
Verleiht auch Honda Flügel?
Schnell zu sein, glaubt Red Bull Motorsportdirektor Helmut Marko. Nachdem der Ruhm der vier WM-Titel verflogen war, scheute er nicht davor zurück, den Renault-Motor bei jeder erdenklichen Gelegenheit für den Rückfall der Renndosen verantwortlich zu machen. Nun ist man die Franzosen endlich los geworden, und Marko schwärmt von der Zusammenarbeit mit Honda. Der 75-Jährige sieht sein Team „2-3 Zehntel hinter Ferrari und ungefähr gleich viel vor Mercedes. Man wird erst in Australien die ganze Wahrheit sehen. Aber wir sind optimistisch, dass wir heuer wieder aus eigener Kraft Rennen gewinnen können und nicht nur, weil die anderen patzen.“ Was auf alle Fälle anders wird als noch in den letzten Jahren ist, dass die Bullen mit Max Verstappen eine klare Nummer 1 haben, was Marko auch indirekt unterstreicht. „Die Tests haben bestätigt, dass (Pierre) Gasly noch nicht auf Max‘ Niveau ist, mit ihm nicht mithalten kann. Aber das haben wir auch nicht erwartet.“ Marko erhofft sich 2019 „vier bis fünf Siege“. Nachdem er Gasly wohl keinen zutraut, würde Verstappen mit fünf GP-Erfolgen laut Markos Rechnung wohl sogar um den WM-Titel mitfighten.
Gibt’s eine gelbe Gefahr?
Auch wenn Renault Ende der 1970er sogar Erfinder der Formel-1-Turbos war, so konnten die Franzosen in der neuen Turbo-Ära (seit 2014) nie in die Top 3 vordringen. Seit 2016 ist man wieder mit einem eigenständigen Team in der Königsklasse am Grid. Bisher stehen die beiden 5. Plätze von Carlos Sainz jr. in Aserbaidschan und Nico Hülkenberg in Deutschland 2018 als beste Resultate zu Buche. Weit weg vom artikulierten Anspruch des Autoriesen. Allerdings hat man in Paris für ein eigenes Team auch bisher weit zu wenig Geld in die Hand genommen, hat die Sache nur halbherzig betrieben. Mit der Verpflichtung von Toppilot Daniel Ricciardo an der Seite von Hülkenberg hat man für die heurige Saison ein Zeichen gesetzt. Die Frage stellt sich, inwieweit der zweimalige WM-Dritte und siebenfache Grand Prix Sieger in die Entwicklung des neuen Boliden einbringen konnte? „Das Mindestziel muss sein “Best of the Rest” hinter den drei großen Teams zu werden und den Abstand auf die drei zu verkürzen”, weiß Teamchef Cyril Abiteboul. “Ich denke, dass sich vor allem die Philosophie innerhalb des Teams verändern wird. Ich werde Teil dieses gesamten Prozesses sein. Es ist kein Geheimnis, dass Renault die letzten Jahre immer Rückstände auf die Aggregate von Mercedes und Ferrari wettzumachen versuchte. Das wird auch weiterhin die Herausforderung bleiben, aber ich werde alles dafür tun, dass wir das schaffen”, so Ricciardo, der mit den Tests zufrieden war. „Es ist alles recht gut verlaufen. Wir haben eine ordentliche Zahl an Runden problemlos abgespult, aber natürlich liegt noch Arbeit vor uns. Die größeren Schritte werden erst in den nächsten Wochen kommen.“
Überraschung im Mittelfeld?
„Das Mittelfeld ist so eng beisammen wie noch nie“, klingt nach einer abgedroschenen Worthülse und zwei Euro fürs Phrasenschwein. Dennoch könnte diese Aussage treffender nicht sein. Haas F1, Racing Point, Alfa Romeo, McLaren, Toro Rosso scheinen alle auf Augenhöhe zu liegen. Lediglich das renommierte Williams Team hinkt noch etwas hinterher. Besonders überrascht hat Jungspund Alexander Albon im Toro Rosso. Der Thailänder wurde im Vorjahr Dritter der Formel 2 und von Red Bull ins Formel 1 „Schwesterteam“ befördert. Der 22-Jährige war eigentlich bereits für die Formel E genannt, bekam dann aber last minute als letzter verfügbarer Red Bull Junior den Sitz neben Danil Kvyat. Umso stärker ist seine Leistung bei den Testfahrten einzuschätzen. Ebenfalls „gut aufgestellt und besser vorbereitet“, sieht McLaren Pilot Sainz sein Team. Der Spanier glaubt an eine Trendwende beim Traditionsrennstall im Jahr 1 nach Fernando Alonso. Viele Fans hoffen vor allem auf eine Überraschung durch Kimi Räikkönen und sein neues Alfa Romeo Team. Der „Iceman“ wurde von Ferrari ja frühpensioniert und zum kleinen Bruder, dem ehemaligen Sauber-Team, abgeschoben. Der wortkarge, aber hochsympathische Finne sieht das aber überhaupt nicht so. „Es mag zwar ein kleineres Team sein, aber auch hier wird hochprofessionell gearbeitet. Wir haben uns gut vorbereitet, aber sind noch ganz dort, wo wir sein wollen. Es wird im Mittelfeld darauf ankommen, wer seinen Wagen über die Saison hinweg am meisten verbessern kann.“
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