Rindt-Buch: 400 Seiten über den Superstar

Heute jährt sich Jochen Rindts Todestag zum 50. Mal. Erich Glavitza hat ein revolutionäres Buch über seinen Freund veröffentlicht. Formelaustria hat mit ihm gesprochen 

Jochen Rindt wurde zwar in Mainz geboren, zog aber nach dem Verlust seiner Eltern zu Opa und Oma nach Graz, wo er aufwuchs. Er startete als Rennfahrer ausschließlich für Österreich und wurde 1970 Formel 1 Weltmeister. Allerdings erhielt er diesen Titel, bis heute als einziger Fahrer postum, denn er verunglückte beim Training zum Großen Preis von Italien in Monza tödlich.

Der Kapfenberger Erich Glavitza war Auto- und Motorradrennfahrer, Stuntman in den frühen James Bond-Filmen, doubelte u.a. die Crash-Szenen im Steve Mc Queen-Klassiker „Le Mans“, spielte Eishockey, war Sportschütze und Generalimporteur für eine Motorradfirma. Heute lebt er als Autor in Wien und hat ein neues Buch über seinen Schulkollegen und Freund Rindt herausgebracht.

Erich, der Todestag von Jochen Rindt jährt sich heuer zum 50. Mal. Wie sehr berührt Dich das?

Es berührt mich insofern, dass ich mich daran erinnere, wie viele junge Männer damals – im blühenden Alter tödlich verunfallten – und wir Rennfahrer, Journalisten eigentlich nur nickten – und hofften, dass es einen selbst nicht erwischt.

Wie lange haben sich Eure Lebenswege gekreuzt?

Wir trafen einander so zwischen 1952-53 – ich hatte, wie er, große Probleme in der Mittelschule (Pubertät etc.) und seine Großmutter versuchte ihn kurz mal im Gymnasium in Leoben zu „parken“ – ebenso meine Mutter. Bei der Vorstellung beim Klassenvorstand hatten wir einander das erste Mal getroffen. Aber nur kurz. Er ging dann wieder zurück nach Graz und ich nach Bruck. Dann trafen wir einander wieder 1964 beim 1000 km Rennen auf dem Nürburgring, als er mit Umberto Maglioli im Ferrari 250 LM vom Wiener Hofjuwelier Gotfried Köchert startete.

Hast Du Jochens Renn- und vor allem Formel 1 Karriere intensiv verfolgt?

Klar, er war Wahl-Steirer – ich Voll-Steirer und wir hatten da einen gewissen „Parallellauf“ – er hatte einen deutschen Vater und Steirer Mutter, ich Steirer Vater und deutsche Mutter. Darüber hatten wir öfters gelacht – ich war für ihn immer mit einem gewissen abfälligen Ton: „Gib eine Ruh, Kapfenberger“ … und hatte natürlich seine Rennkarriere mit großem Respekt verfolgt. Vor allem, dass er es den arroganten Wienern ständig „gezeigt“ hatte …

Dein neues Buch über Jochen ist im Großformat und hat unglaubliche 400 Seiten. Was erwartet den Leser?

In meinem Jochen Rindt Buch habe ich versucht seine ganze Entwicklung zum internationalen Profi zu analysieren – aber auch seine Fehler etc. wie seine „Weigerung“ sich mit Technik, etc. zu beschäftigen. Das war sicher in der 3 Liter Formel 1 ab 1966 bis 1968 sein Handicap. Bei Lotus ab 1969 – und vor allem 1970, in seinem Weltmeisterjahr war er in jeder Hinsicht gereift … aber auch sein Respekt gegenüber den Gefahren.

Im Titel nennst Du Rindt den „tiefgründigen Schnellfahrer“. Wie würdest Du Jochen als Mensch bezeichnen? Nach außen wirkte er immer cool, überlegt und lässig.

Die „Coolness“ war eher nach außen gespielt. Er hatte offen gesagt, dass er dem Lotus-Rennwagen nicht traute und daraus resultierte auch sein Misstrauen gegenüber Colin Chapman, der gewohnt war, dass ihm seine Rennfahrer nicht nur nicht widersprechen, sondern „ihm Untertan“ waren. Chapman hatte in Jim Clark einen Fahrer, der ihm so gut wie nie widersprochen hatte – dann der schreckliche Clark-Unfall und mit Jochen hatte er plötzlich einen ebenso hochtalentierten Nummer 1 Fahrer, mit dem er aber überhaupt nicht konnte. Nach dem großen „Flügel-Streit“ waren sich die beiden meist großräumig aus dem Weg gegangen und Jochen bezeichnete Chapman in aller Öffentlichkeit als „Sturschädel“. Die Coolness und Lässigkeit waren in den Sechzigern ein typisches Prädikat für alle Vierziger Jahrgänge – da war es eben Mode wie ein Mick Jagger aufzutreten …

Die Motorsport-Fans diskutieren oft, ob der in Mainz geborene Rindt gar kein Österreicher, sondern eigentlich ein deutscher Champion war. Wie sah er sich selbst?

Jochen ist Nationendebatten stets aus dem Weg gegangen und hat es mit „des is ma wurscht“ abgetan. Er fühlte sich mit seinen englischen Freunden immer sehr wohl – und die Wiener Freunderlwirtschaft ist ihm stets auf die Nerven gegangen. Da wurde er sehr schnell ungeduldig

Du relativierst in Deinem Buch auch einige Mythen um das Sportidol. Welche Rolle spielte z.B. der Franzose Ed Hugus beim Le Mans Sieg Rindts 1965?

Naja, die Sache mit Ed Hugus hat mir dann ein französischer Journalist, der sich sehr mit der ganzen Le Mans-Geschichte und deren Aufarbeitung und Recherche aller Hintergründe, bestätigt.

Viele Bilder im Buch stammen aus dem Archiv von Jochens Halbbruder Uwe Eisleben. Wie war deren Verhältnis? Kennst Du Eisleben gut?

Ich habe Uwe Eisleben im Zuge meiner Arbeit für das Rindt-Buch kennengelernt und war eigentlich überrascht, wie gegensätzlich diese Brüder oder Halbbrüder eigentlich waren. Uwe ist ein hochintelligenter und sehr sensibler Mann, der Abenteuer wie Autorennen großräumig umgangen ist. Er hatte für die schnelle Fahrerei und die fragilen Konstruktionen eines Rennwagens wenig bis kein Verständnis. Die beiden hatte bis zum tragischen Tod Jochens ein sehr enges Verhältnis – Jochen hatte immer ein bissl zu Uwe „hinaufgeschaut“.

Jochen hatte auch ein gutes Händchen fürs Business. Seine Motorsport-Shows waren sehr populär. Hätte er später vielleicht ein guter Formel 1 Boss oder ein Schauspieler werden können?

Schauspieler war Jochen überhaupt nicht. Er trug sein Herz auf der Zunge – und auch seine Ungeduld. Er war zumeist, in Wahrheit sehr mürrisch und hatte für subtile Momente der Einkehr wenig bis null Verständnis.

Du selbst warst auch im Filmbusiness, u.a. als Stuntman im Le Mans Klassiker oder in den frühen James Bond Filmen. Welcher Bond ist Dein Lieblingsfilm?

Mein bevorzugter 007-Film war „Dr. No“ mit Ursula Andress. Die hätte ich gerne mal getroffen und hätte sie beim Heurigen bei Zithermusik „weich“ gemacht…

Sehr viele Fans wissen heute noch genau, wo sie, als sie von Jochens Crash am 5. September 1970 erfahren haben, waren und was sie taten. Weißt Du es noch?

Ja klar, ich weiß das noch genau – ich war mit meiner französischen Freundin Catherine an dem Samstag mit dem Motorrad in Le Mans ins „Solar Village“ gefahren und wollte in unser kleines Restaurant dort auf einen Kaffee gehen, als Steve McQueen über den Platz kam und sagte „Hi, Eric, Jochen ……“ Ein schlimmer Moment.

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