Resta: „Wir haben enorme Fortschritte gemacht!“

Der VF-22 des Haas F1 Teams ist der erste Wagen der neuen Generation, der präsentiert wurde. Technikdirektor Simone Resta hat den Boliden im völlig neuen Designbüro des Teams in Maranello entwickelt und spricht mit uns über den VF-22

Der VF-22 wurde als erstes Auto der neuen Formel-1-Generation vorgestellt. Simone, was waren die größten Herausforderungen?

Bei diesem Auto gab es zwei wesentliche Challenges: Einerseits, die neuen Anforderungen an den Fahrwerksbau, denn mit den neuen FIA-Vorschriften wurde das Monocoque 2022 aus Sicherheitsgründen stark modifiziert. Die Festigkeitsanforderungen sind viel strenger, einige Bereiche sind um mehr als 150 Prozent stärker. Dies erforderte eine erhebliche Verstärkung gegenüber 2021 mit relevanten Auswirkungen auf das Gewicht. Umgekehrt ist das Gewicht des Autos auch durch andere Faktoren eine Herausforderung. In Bezug auf die Entwicklung eines neuen Autos ist es wahrscheinlich das komplexeste der letzten 20 Jahre.

Und die zweite?

Es war auch eine Herausforderung, ein so radikal anderes Auto zu entwickeln, da wir gleichzeitig intern neue Prozesse und Strukturen schaffen mussten, während das Team zusammengestellt wurde. Es ist schwer vorstellbar, mit einer völlig neuen Abteilung zu beginnen und mit der Leitung eines solchen Projekts beauftragt zu werden.

Doch nun steht der VF-22 vor uns. Wie beurteilst Du das Ergebnis?

Obwohl es enorm harte Arbeit war, kann ich nicht genug betonen, wie stolz ich auf das Team bin. Mit neuen Teammitgliedern, viele von Ferrari, und einer sehr engen Zusammenarbeit mit Dallara, haben wir jetzt ein vollwertiges Designbüro in Maranello. Wir haben meiner Meinung nach einen dramatischen Schritt nach vorne gemacht. Wir befinden uns aber noch in den frühen Stadien unserer Entwicklung und werden dieses Jahr noch stark wachsen.

Wie viel des VF-22 ist bei solch radikalen Regeländerungen noch eine Weiterentwicklung des letzten Jahres und wie viel ist Revolution?

Die größte Veränderung ist die Aerodynamik, und aus dieser Perspektive ist es eine komplette Revolution, weil die Vorschriften so unterschiedlich sind. Die Bremsen und die Bremsleitungen sind ebenfalls eine große Änderung. Keine Revolution an sich, aber ganz anders als in den Vorjahren. In Bezug auf das Auto selbst – außer dem Lenkrad, den Pedalen und dem Feuerlöscher –musste alles grundlegend geändert werden. In einigen Aspekten ist die Freiheit im Vergleich zu den Vorjahren eingeschränkt, aber der Teufel steckt im Detail, daher vermute ich, dass wir bei allen Autos einen großen Unterschied in der Leistung sehen werden.

War Dein Fokus schon letztes Jahr voll und ganz auf 2022?

Am Anfang der Saison habe ich viel Zeit damit verbracht, so schnell wie möglich mit dem Team und den Arbeiten auf den neuesten Stand zu kommen, aber dann habe ich mich so früh wie möglich von dem, was auf der Strecke passiert, abgekapselt. Das betraf sowohl meine Arbeit mit Ayao Komatsu (Director of Engineering), aber auch mit dem Aerodynamik-Team und dem Konstruktionsbüro. Wir haben versucht, die Arbeit am VF-21 auf ein Minimum zu reduzieren.

Wie war die Kooperation mit Ferrari bei der Entwicklung des VF-22?

Haas arbeitet seit 2016 mit Ferrari zusammen, und in diesen Jahren hat sich die Zusammenarbeit Schritt für Schritt entwickelt, und wir tun unser Bestes, um darauf aufzubauen und die Effizienz der Zusammenarbeit weiter zu verbessern. Ferrari liefert mehrere Komponenten an uns, obwohl sich der Lieferkreis in diesem Jahr aufgrund der neuen Komponentenklassifizierungsverordnung geändert hat. Ich bin schon lange bei Ferrari, daher kenne ich das Team gut und das hat geholfen. Ich freue mich über das Endergebnis.

Auch wenn das Auto erst sein Debüt auf der Strecke geben muss, welche Erkenntnisse konntest Du schon gewinnen?

Die Herausforderungen rund um das Gewicht des Autos wurden aus verschiedenen Aspekten deutlich. Wir haben jedoch Woche für Woche eine progressive Verbesserung in Bezug auf die erwartete Leistung gesehen, daher glaube ich, dass es Potenzial und Möglichkeiten gibt, das Auto während der gesamten Saison weiterzuentwickeln, und ich gehe davon aus, dass alle Teams ihre Autos während dieser Saison erheblich weiterentwickeln werden.

Was sind Deine Erwartungen für die Weltmeisterschaft 2022?

Aktuell bin ich einfach stolz auf mein Team und auf die Arbeit, die wir geleistet haben. Ich denke, wir haben alles getan, was möglich war. Das bedeutet nicht unbedingt, dass wir alle unsere Ziele erreichen werden, aber ich bin realistisch. Ich denke, dass es in dieser Saison Fortschritte geben wird, wenn alles gut läuft.

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