Norbert Haug: „Von Mercedes kommt bestimmt noch etwas“

Sonntagabend war Ex-Mercedes Motorsportchef Norbert Haug im „AvD Motor & Sport Magazin“ auf SPORT1 zu Gast und äußerte sich zur Lage von Mercedes, dem WM-Titelkampf, sowie zu den deutschen Piloten Sebastian Vettel und Mick Schumacher

Norbert Haug über…

… die Vertragsverlängerung von Lewis Hamilton: „Wer Lewis kennt, weiß, dass er jedes Jahr Weltmeister werden will. Ich glaube nicht, dass man da jetzt klein beigeben wird. Es wird einiges vorangehen. Seine Vertragsverlängerung zu dem Zeitpunkt jetzt gibt Stabilität und ist ein sehr gutes Signal, dass man weiter um den Titel kämpfen will. Das ist ein Statement und eine positive Kampfansage, die dem Sport guttut.“

… die aktuelle Dominanz von Red Bull: „Ich dachte eigentlich, dass beim zweiten Spielberg-Wochenende ein kleiner Konter von Mercedes kommt. Aber der Abstand war eher größer. Red Bull hat noch einmal einen Sprung gemacht. Der Überlegene fährt nur so schnell, wie er muss. Das sah fast so aus, als könnten Red Bull und Max Verstappen noch nachlegen, wenn nötig.“

… das Duell mit Mercedes: „Für die Zukunft kann man interpretieren: Es muss schon ein Upgrade kommen, aber damit rechne ich. Mercedes wird schon nachlegen, aber man muss kräftig in die Hände spucken. Siege wie diese in Spielberg stärken bei Red Bull das Selbstvertrauen. Die sind in einem unheimlich guten Flow und werden schwerer zu schlagen sein als in der Vergangenheit.“

… die Situation zwischen Vettel und Alonso im Qualifying: „Die Track-Limits sind gefährlich, das Rausdrängen im Kiesbett ist noch gefährlicher, aber am gefährlichsten sind diese Sachen. Das wird mit Tränen enden, wenn man keine Regularien findet. Qualifyings werden seit 100 Jahren gefahren. Es ist eingerissen, dass man dieses ‚Go Slow‘ praktiziert. Da müssen Vorschriften her. Hätte Alonso Vettel getroffen, kann das ganz übel ausgehen. Dem muss man sich widmen. Das ist kein Spaß. Dieser Unsitte, diesem Bummelzug, mit der Begründung, die Strecke wird ganz am Ende besser, muss man sich widmen. Sonst geht es irgendwann schief. Alles was mit hoher Unfallgefahr zusammenhängt, muss man dringend angehen.“

… Mick Schumacher: „Er macht das Mögliche möglich. Er macht wenig Fehler. Ich kann nichts an dem aussetzen, was er bisher gezeigt hat. Er hat das mit am wenigsten konkurrenzfähige Auto im Feld. Dann ist es deine Aufgabe, deinen Teamkollegen im Griff zu haben. Und das hat er. Mick ist auf Kurs und muss das fortsetzen, was er jetzt macht. Dann geht es voran. Er ist eindeutig in der richtigen Richtung unterwegs.“

… die Strafe gegen Norris: „Wenn der zu Überholende von seiner Ideallinie abgeht, dann macht er die Tür für die nächste Kurve auf. Wenn er da Platz lässt, wird er überholt. Das muss bei einem solchen Urteil berücksichtigt werden. Also wäre es richtig gewesen, hier keine Strafe zu geben. Mit dieser Entscheidung kann niemand glücklich sein.“

… Nachhaltigkeit im Motorsport: „Der Motorsport war immer ein technischer Wegbereiter. Die E-Fuel-Entwicklung im Renntempo voranzutreiben, dafür ist der Motorsport ideal. Man kann Vorreiter sein. Insgesamt ist man auf einem sehr nachhaltigen Weg. Man muss die Gesamtbilanz sehen und darf nicht nur einseitig denken. Es fahren 20 Rennautos, aber 200 Millionen Autos fahren in der Zeit nicht, weil sie Fernsehen schauen. Eine Formel-1-Saison verbraucht, im ganzen Jahr so viel Treibstoff wie ein Flug nach Japan. Ich bin sehr für Balance und Klimaneutralität. Aber man muss sehen, wo der Startpunkt ist. Und da kann sich die Rennerei durchaus sehen lassen, ist aber weiterhin steigerungsfähig.“

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