Seit 2011 ist der italienische Reifenhersteller Pirelli wieder exklusiver F1-Lieferant. Motorsport-Direktor Paul Hembrey hat seither ein Achterbahn-Leben hinter sich
Der Grand Prix von Kanada 2010 veränderte sowohl die Richtung der Formel 1 als auch das Leben von Paul Hembrey. Reifenlieferant Bridgestone lieferte haltbare Gummis, zu mäßig spannenden Ein-Stop-Rennen führten. Doch an diesem Sonntag in Montreal triumphierte Lewis Hamilton in einem Grand Prix mit zahlreichen Boxenstopps. Die Action war zurück und die Zuschauer waren begeistert. So beschlossen Bernie Ecclestone & Co., es sei Zeit für einen Wechsel. Doch mit ihrer Philosophie zu brechen, zog sich Bridgestone zurück. Pirelli, das bereits in den Jahren 1950-1958, 1981-1986 und 1989-1991 in der Königsklassen engagiert war, kehrte zu Beginn des Jahres 2011 zurück und eine intensive Zeit für Pirelli Motorsport-Direktor Hembery folgte. „Wir wurden gebeten es ein bisschen anders zu machen und wir sagten zu. Es war ziemlich mutig in vielerlei Hinsicht, aber wir wollten einen anderen Ansatz.“
Ein klassischer Engländer
Geboren in Yeovil, war Hembreys erster Job in der Reifenindustrie in der Forschung und Entwicklung. Später wechselte er in die kommerzielle Rolle und von Pirelli 1992 eingestellt. Hembery war der CEO von Pirelli Asien-Pazifik, ehe er die Kontrolle über das Engagement des Unternehmens in der Rallye-Weltmeisterschaft im Jahr 2008 übernahm, und schließlich für den Einstieg der Italiener in die Formel 1 verantwortlich wurde. Auch wenn er heute ein Top-Mann des Reifenbusiness ist, hat er seine Wurzeln in Somerset, der Heimat des Glastonbury Festivals und des Cheddar Cheese, nicht vergessen. „Ich wurde in Cleeve geboren und bin alt genug, mich daran zu erinnern, als Bristol City noch in der Premier League spielte und Teams wie Liverpool schlug. Ich versuche noch immer, so viele Spiele wie möglich im Ashton Gate zu besuchen, aber meine F1 Verpflichtungen bedeuten viel Reisen“. Sein Hauptstützpunkt ist jetzt Mailand, aber er besitzt auch ein Ferienhaus in Cheltenham. „Das Leben als Bristol City Fan war immer frustrierend und ich frage mich manchmal, warum ich mir das antue. Aber wenn ich dann meine Freunde wiedersehe, ist es so wie früher.“ Der geschiedene Vater von drei Kindern räumt ein, dass sich sein Leben völlig verändert hat als er Ecclestone überzeugte, Pirelli wieder in die Formel aufzunehmen. „Wir haben lange als Lieferant von Reifen für alle großen Automobilhersteller auf der ganzen Welt gegolten. Aber in der Formel 1 zu sein hat unsere Position in der Branche und unseren Ruf nochmals gepusht. Für mich bedeutete es eine komplette Veränderung des Lebensstils.“
Pirelli fasste in den ersten Saisonen mächtig Kritik aus. Mercedes-Fahrer Michael Schumacher war der Erste, der die Italiener öffentlich kritisierte, dass Reifenmanagement nicht dem Wesen des Sports entsprach. „In der Formel 1 gibt es Epochen und immer andere Herausforderungen. Zu Beginn des Jahrtausends wurde alles ausgereizt: Motoren, Reifen, usw. Im Jahr 2003 wurden die meisten Rundenrekorde aufgestellt. Und heute geht es um Effizienz“, kontert Hembrey. Vor der Saison 2013 hatte er davor gewarnt, dass „die Reifen sich viel schneller aufheizen werden. Die Fahrer werden viel aggressiver in die Kurven gehen, so dass sie die Mischung starkem Druck aussetzen.“ Und er behielt Recht, denn beim British Grand Prix 2013 flogen Sergio Pérez, Fernando Alonso, Lewis Hamilton, Esteban Gutierrez, Jean Eric Vergne und Felipe Massa die Reifen um die Ohren. Die Piloten bezeichneten die Vorfälle als inakzeptabel. „Wir mussten schnell verstehen, woran es lag und reagieren. Montagmorgen, als wir die Reifen im Labor hatten, war uns einiges klarer. Wir mussten Wunder wirken, denn wir hatten das nächste Rennen vor der Brust. Die neuen Reifen aus der Türkei zu bekommen, sie zu verschiffen und zu liefern kostete uns ca. 1 Million Euro.“
Endlich Besserung
Auch vor der Saison 2014 gab es Probleme, hatte u.a. Nico Rosberg bei den Presason-Tests einen bösen Reifenplatzer. Adrian Sutil bezeichnete die Regenreifen als „die schlechtesten, die ich je gefahren bin.“ Aber Hembery blieb so ruhig wie möglich, zumindest nach außen hin. „Es gab eine Menge von Faktoren und wir werden weiterhin Änderungen machen, um sie mit der FIA zu überwachen.“ Der Pirelli-Motorsportchef schickte sein Team Tag und Nacht zum Testen. Während des zwei-Tage-Tests in Bahrain rückte der italienische Reifenhersteller mit nicht weniger als 250 Reifen am Sakhir Circuit an und testete sechs neue Verbindungen und acht spezielle Konstruktionen. „Die Möglichkeit mit den aktuellen Autos zu testen, ist etwas, das wir immer haben wollten. In den vergangenen Saisonen waren wir immer im kalten Barcelona und war bis nach China war nicht klar, wie die Reifen wirklich arbeiten. Die Teams waren in der Lage in diesen vier Tagen in Bahrain dank der erhöhten Laufzeit und optimaler Wetterbedingungen mehr über die Reifen zu lernen, als in all den Tagen in Jerez zuvor.“ Aufgrund der vielen Regeländerungen vor dieser Saison entschied sich der italienische Reifenhersteller für einen konservativen Weg, aber Hembery betont, dass das Unternehmen bei Bedarf Änderungen vornehmen kann. „Trotz der Regeländerungen haben wir weniger Wheelspin als erwartet. Zu Beginn des Jahres rutschen die Fahrzeuge noch sehr und das machte sie langsam. Sie brachten viel Energie in die Reifen und erhöhten so den Abrieb. Jetzt sind die Abbauwerte deutlich niederer und die Autos stabiler. Sie haben noch wenig Grip im Vergleich zum Vorjahr, wo sie wesentlich mehr Abtrieb produzierten.“
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