McLaren Honda – Kampf gegen schweres Erbe

McLaren und Honda sind wieder vereint. Die Erwartungen sind hoch, die Probleme zahlreich. Langweilig wird Renndirektor Eric Boullier derzeit nicht.

ayrton_senna___gerhard_berger__mexico_1990__by_f1_history-d5fmvmfIn ihrer ersten Partnerschaft zwischen 1988 und 1992 hat McLaren-Honda vier Fahrertitel und vier Konstrukteurstitel geholt. Das Team konnte 44 Siege in 80 Rennen einfahren, davon 53 mit Pole Position. Ayrton Senna gewann den WM –Titel 1988, 1990 und 1991, sein Teamkollege Alain Prost 1989. Der Konstrukteurstitel 1991 war für Honda der sechste und sogleich bis heute der letzte Titel als Motorenhersteller in der Königsklasse des Motorsports. Diese Zahlen stellen die damalige Dominanz eindrucksvoll unter Beweis. Diese Tage sind jedoch Vergangenheit und das neue Projekt läuft noch nicht reibungslos.

Kein einfaches Unterfangen
Laut Renndirektor Eric Boullier hinkt McLaren 50% hinter ihrem Testplan hinterher. Zahlreiche Probleme mit der Elektronik, dem Motor und einer Dichtung an der MGU-K haben die beiden McLaren Piloten oft an der Box gehalten. Beim 1. Test in Jerez hat McLaren nur 79 Runden absolviert (am zweitwenigsten: Red Bull 166). In der 2. Testwoche in Barcelona kam man auf 124 Runden. Nicht sehr beeindruckend, wenn man sich die Zahlen der Konkurrenz ansieht. Ein Hoffnungsschimmer ist das Beispiel Red Bull vergangene Saison. Sie kamen auf nur 176 Runden und haben dennoch die Saison auf Platz zwei in der Konstrukteurswertung beendet und konnten dabei auch noch zwei Siege einfahren. Der Vergleich ist aber nicht ganz fair, da Honda keine anderen Teams mit Motoren ausstattet. 2014 gab es gleich vier Renault angetriebene Teams.

ron-dennis-alonso-mclarenAm 19. Dezember 2005 gab Alonso seinen Wechsel zu McLaren für 2007 bekannt. Sein McLaren Debüt gab er im Dezember 2006 in Jerez im MP4-21. Es sollte der Start einer ereignisreichen und desaströsen Saison für den Doppelweltmeister sein. Alonso‘s Verdienst soll bei 20 Millionen Pfund gelegen haben. Seinen ersten Sieg mit McLaren konnte er bereits im 2. Saisonrennen beim Großen Preis von Malaysia einfahren. Vor dem Ungarn GP konnte er drei Siege holen, lag aber bereits hinter seinem Rookie Teamkollegen Lewis Hamilton in der Fahrerwertung zurück. Alonso hat mit dem Briten nicht mehr gesprochen und Gerüchten zufolge wollte er das Team am Ende der Saison verlassen, 2 Jahre bevor sein laufender Vertrag geendet hätte. Alonso hielt im Qualifying Hamilton in der Boxengasse auf und verhinderte so, dass Hamilton noch eine schnelle Runde setzen konnte. Die Stewards sprachen eine 5 Plätze Rückversetzung Strafe aus, Alonso ging daher nur von P6 ins Rennen. Hamilton startete von Pole und gewann das Rennen. Frustriert von seinem Team veröffentliche der Spanier neues Beweismaterial zum „Spygate“ zwischen McLaren und Ferrari. Es handelte sich dabei um den E-Mail Verkehr zwischen Alonso und Testfahrer Pedro de la Rosa. Dabei ging es um vertrauliche Daten von Ferrari die sie vom McLaren Ingenieur Mike Coughlan via dem Ferrari Ingenieur Nigel Stepney erhalten haben. Die beiden Fahrer blieben von Strafen verschont, da sie das Beweismaterial offengelegt hatten. Währenddessen verlor McLaren alle WM Punkte und musste eine Strafzahlung in Höhe von 100 Millionen Dollar bezahlen. Fernando Alonso wurde Dritter in der Fahrerwertung, punktgleich mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und nur einen Punkt hinter Weltmeister Kimi Räikkönen, der die sich die WM Krone mit einem Sieg im letzten Rennen in Brasilien sicherte. McLaren und Alonso einigten sich daraufhin auf eine einvernehmliche Vertragsauflösung. Mit der Verpflichtung des zweifachen Weltmeisters Alonso ist Mclaren-Honda ein großer Coup gelungen. Das bedeutet für Boullier aber auch harte Arbeit, um den Spanier bei Laune zu halten, bis man ein Auto hat womit man um den Titel mitfahren kann. „Ich weiß, dass es eine Herausforderung wird, aber man muss es positiv sehen. Wir konnten den derzeit besten Fahrer der Welt verpflichten und wir haben Fernando aus seinem noch zwei Jahre laufenden Vertrag rausgeholt, was für mich viel bedeutet – Es bedeutet, er glaubt an das was wir aufgebaut haben.“

Dennis_Boullier2Erwartungshaltung senken
Die Aufgabe des Franzosen wird nicht einfacher, wenn man den Masterplan seines Bosses in Betracht zieht. „Wir wollen die Lücke zu Mercedes schließen, sie haben letztes Jahr eine beeindruckende Leistung gezeigt. Daher müssen wir hervorragende Arbeit abliefern.“, sagte Ron Dennis, als das Team mit Sitz in Woking die neue Partnerschaft mit den japanischen Motoren-Gurus bekanntgab. Der 41 jährige verlor keine Zeit die Aussagen von Dennis abzuschwächen, in dem er die Erwartungshaltung drückte: „Wir müssen zuerst gemeinsam als ein Team arbeiten. Trotz der Probleme ist Boullier überzeigt, dass die beiden Unternehmen bereits zusammengewachsen sind. „Kulturelle Unterschiede wurden von Tag eins an angegangen und wir haben nun eine gute Kommunikation zwischen Sakura, Woking und Milton Keynes. McLaren weiß über jede Prozedur und jeden Prozess Bescheid, das ist sehr hilfreich für Honda und umgekehrt. Wir profitieren von den großen Ressourcen von Honda, wir werden erfolgreich sein.“ Auf das alte F1 Sprichwort angesprochen „Um zu gewinnen, musst du zuerst das Rennen beenden“, glaubt der frühere Lotus Teamchef, dass es bis zum Europaauftakt dauern würde bis man konkurrenzfähig ist. „Wir werden nicht soweit sein, als wir das gerne gewollt hätten. Wir haben aber die meisten Probleme behoben. Die Zuverlässigkeit bereitet uns noch Sorgen und ich bin mir nicht sicher wie lange wir dafür brauchen. Ich hoffe aber nur ein paar Rennen. Wir sollten zum Europaauftakt konkurrenzfähig sein.“ Der sogenannte „Europaauftakt“ findet im Mai statt, wenn die Formel 1 in Spanien Halt macht. Das erste von insgesamt acht Rennen auf dem europäischen Kontinent. Für den Saisonauftakt in Australien würde Boullier schon zufrieden sein, wenn beide Autos die Zielflagge sehen. „Das würde ein wichtiger Schritt sein für diese neue Technologie, wenn sie solange hält. Später wird die Performance kommen. Wir haben mit Honda an jedem Teil des Autos gearbeitet, um die ultimative Performance zu erreichen. Deshalb wissen wir, dass wir ein gutes Auto haben. Jetzt müssen wir sicherstellen, dass das Auto läuft und wird das Auto weiterentwickeln können. Von dem Punkt an werden wir erfolgreich sein“.

boullier8-1389264561Der Kampf um die Zukunft
Erfolg zu haben ist nicht nur der Schlüssel für Mclaren, auch für Boullier. Sollten die Ziele von Ron Dennis nicht erreicht werden, könnten Boullier’s Tage schon bald gezählt sein. Dennis hat Mclaren in den 1980er übernommen und seitdem das britische Team zum zweit erfolgreichste Team der Geschichte gemacht. Er hat nicht weniger als sieben von acht Konstrukteurstitel und 157 von 182 Grand Prix Siege geholt. Für Dennis bedeutet der zweite Platz „der erste Platz der Verlierer“. 2010 hat Renault einen Mehrheitsanteil an Genii Capital, eine Investmentfirma mit Sitz in Luxembourg, verkauft. Boullier wurde als neuer Teamchef installiert, er ersetzte Bob Bell, der seinen alten Posten als Technischer Direktor wieder übernahm. Robert Kubica fuhr drei Podestplätze ein, davon ein zweiter Platz beim Saisonauftakt in Australien. Im letzten Rennen hielt sein Teamkollege Vitaly Petrov den angreifenden Fernando Alonso hinter sich und entschied somit die Weltmeisterschaft zu Gunsten von Sebastian Vettel, einem Renault befeuerten Auto. Am Ende der Saison kündigte Lotus eine Partnerschaft mit Renault F1 an, wodurch der britische Automobilhersteller Titel-Sponsor des Teams wurde. Genii Capital blieb Eigentümer des Teams, der vorige Eigentümer Renault fungierte nur mehr als Motorenhersteller. Das neue Lotus Renault GP Team startete in die Saison mit 2 Podestplätzen. (Petrov 3. in Australien, Heidfeld 3. in Malaysia). Danach ließ die Performance aber stark nach und Boullier stand vor seiner Kündigung. Diese konnte er jedoch noch abwenden, durch starke Auftritte des Teams bei den Testfahrten und die Verpflichtung von Kimi Räikkönen. Der „Iceman“ beeindruckte mit starken Leistungen und fuhr für das Team den ersten GP Sieg unter der neuen Teamführung in Abu Dhabi ein. Sein Teamkollege und Boullier Schützling Romain Grosjean war auch schnell, oft aber zu wild auf der Strecke unterwegs. Er wurde später gesperrt für die Verursachung mehrerer Unfälle. 2013 gewann Räikkönen den Saisonauftakt in Australien und auch Grosjean zeigte sich stark verbessert, was Boullier eine weitere großartige Saison bescherte. Seine Arbeit beeindruckte Dennis, welcher den Lotus Teamchef später zu McLaren lotste. Bereits vor seinem Wechsel war Boullier klar, dass es eine große Herausforderung wird, da seinem neuen Arbeitgeber eine große Umstrukturierung bevorstand. 2014 war ein klassisches Übergangsjahr. Der ehemalige Hauptsponsor Vodafone verließ das Team, der Motorenvertrag mit Mercedes kam zu einem Ende und das Team konnte nur ein Doppelpodium in Melbourne als Erfolg verbuchen. Dennis stärkte Boullier ungewöhnlicher weise den Rücken, im Wissen alles blickt nach vorne auf die Wiedervereinigung mit Honda 2015. Jetzt will der CEO aber Fortschritte sehen, massive Fortschritte und zwar schnell. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte es zum Europaauftakt eng werden für Boullier…

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