Ist Williams Racing am Ende?

Die Williams Piloten George Russell und Robert Kubica lagen in den ersten Trainings der neuen Saison vier Sekunden hinter der Spitze und satte zwei Sekunden hinter Platz 18

„Wir werden nie ein Satelliten Team eines Automobil-Herstellers werden“, sagte Claire Williams in der Netflix Doku. Zu sehr hatte man anscheinend unter der Regentschaft von BMW gelitten. Fakt ist aber, dass Williams nun mehr weder in A-Team, als einer der Big Player wie Mercedes, Ferrari oder Red Bull ist, noch ein B-Team, sprich „Versuchkaninchen“ der Hersteller. Williams, einst Weltmeisterteam und Dominator, hängt in der Luft, oder vielmehr am seidenen Faden. Im Vorjahr Letzter der Punktewertung, heuer zu spät zu den Tests, zu langsam auf der Strecke, und mit einer Weiterentwicklung der 2018er Gurke anstatt eines neuen Wagens. Was in Gottes Namen geht in Claire vor?

Böser Absturz

Während Racing Force, aka Force India, als Mercedes Partner, in neue Höhen aufstieg, stürzte Williams in fast gleicher Form ab, nachdem man immer weniger Know-How von Mercedes übernahm, wieder auf eigenen Beinen stehen wollte. Schaut man sich den 2019er Grid an, so hat man von zehn Teams drei Hersteller (Mercedes, Ferrari und Renault), zwei Rennställe mit steinreichen Gönnern (Red Bull & McLaren), sowie deren Satellitenteams (Racing Point, Haas, Alfa Romeo und Toro Rosso). Und dann bleibt noch Williams, an dem Sir Frank seit 1977 immer noch die Mehrheit hält. Bewundernswert und eine Ausnahmeleistung, aber etwas mehr Offenheit würde dem Team wohl nicht schaden. Die finanzielle Last, die Williams trägt, ist enorm. Und man baut auch die meisten Teile heute noch selbst. Die großen Drei, gegen die Williams früher um Titel und Siege fuhr, bekommen alle aus Bonuszahlungen, die das Saisonbudget von Sir Franks Stall übersteigen. Zum Glück ist Paddy Lowe von Bord, der noch nie ein Mann der ersten Reihe war, sondern immer ein guter Zulieferer eines großen Anführers. Aber der Abgang kam viel zu spät und Veränderungen sind nun wieder viel schwieriger. Wahrscheinlich kann man die WM-Saison bis zum Europaauftakt schon wieder vergessen. Einziger Pluspunkt – schlimmer geht’s nimmer!

Umdenken muss her

Solange Patrick Head als Sparring Partner von Sir Frank da war, gab es immer einen außerfamilären Gegenpol. Später war dies Toto Wolff. Leider, für Williams, folgte der dem Geld und ging zu Mercedes. Was Williams braucht, ist wieder eine Mischung aus dem ihm eigenen Racing Spirit und einem professionellen Teammanager. Und man muss sich in Grove entscheiden, ob man ein A-Team, also Hersteller, bleiben und damit wohl untergehen will, oder ob man akzeptiert, dass sich der Sport geändert hat – unabhängig davon, ob diese Entwicklung nun gut oder schlecht ist – und wird zum B-Team, also werksunterstützt, das sich aber aufgrund seiner enormen Erfahrung rasch von anderen Rennställen gleicher Gattung abheben könnte.

 

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