Heimspiel mit Hoffnung

Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg hoffen bei ihrem Heim GP in Hockenheim auf eine Trendwende

Im letzten Jahr begrub Ferrari-Star Sebastian Vettel seinen Dienstwagen im Motodrom im Hockenheimer Kiesbett und somit auch seine WM-Chancen. Lewis Hamilton gewann das Rennen in Deutschland und auch das Momentum wieder zurück. An selber Stelle möchte nun der schwer unter Druck geratene Lokalheld Vettel 2019 endlich durchstarten. Eine Pole Position, eine schnellste Runde, zwei zweite und zwei dritte Plätze stehen für den Heppenheimer dieses Jahr bisher zu Buche. Eindeutig zu wenig für einen Titelanwärter. Teamkollege Charles Leclerc liegt nur mehr drei Zähler hinter Vettel, während WM-Leader Hamilton bei sieben Rennsiegen und exakt 100 Punkten Vorsprung auf den Ferrari-Mann hält.

Hockenheim war allerdings nicht wirklich ein gutes Pflaster für Vettel. Sein dritter Platz von 2010 ist tatsächlich seine beste Formel 1 Platzierung auf dem Kurs in Baden-Württemberg. Sein bisher einziger Sieg in der Königsklasse auf deutschem Boden kam 2013 am Nürburgring zustande. In der Formel BMW siegte Vettel 2004 viermal in vier Rennen in Hockenheim und auch in der Formel 3 Euroseries stand er hier einmal ganz oben am Stockerl.

Dass diese Saison nicht viel rund läuft, liegt für den vierfachen Champion vor allem daran, dass sein neuer Ferrari nicht zu seinem Fahrstil passt. „Ich spüre die Hinterachse nicht. Beim Einlenken habe ich kein Vertrauen ins Heck,“ so Vettel, der eine stabile Hinterachse braucht um schnell zu sein. Dieses Rutschen summiert sich von Runde zu Runde und kostet Zehntel. Der Umbau, den Ferrari am SF90 im Frühjahr vornahm, hat das Problem sogar noch verschlimmert. Die Situatuion erinnert stark an 2014, als Red Bull Star Vettel vom damals 24-jährigen Daniel Ricciardo entzaubert wurde. Diesmal ist der „Feind“ im eigenen Stall noch jünger: Leclerc ist 21 und wird immer stärker, je länger die Meisterschaft dauert.

„Sebastian muss wirklich aufpassen. Denn Charles wird sich freuen. Der gewinnt jetzt an Gewicht. Wenn ein Fahrer stärker und stärker wird, dann wird sich das Team irgendwann auf ihn konzentrieren“, warnt auch der Ex-Pilot und heutiger Sky-Experte Ralf Schumacher.

Scheideweg in Gelb-Schwarz

Weniger in der Kritik, aber doch auch unter Druck steht der zweite deutsche Pilot im Feld. Nico Hülkenberg war in den letzten beiden Jahren die klare Nummer 1 bei Renault (Teamkollegen 2017 Joylon Palmer, 2018 Carlos Sainz). Doch heuer läuft im Red Bull Abwanderer Daniel Ricciardo den Rang ab. Im Qualifying ist Ricciardo klar schneller (8:4 Duellstand) und auch in den Rennen hat der Aussie mittlerweile die Nase vorne (6:4). In der WM-Wertung hält Hülkenberg bei 17 Punkten, sein Stallgefährte bei 22.

Obwohl „Hülk“ sicher zu den sympathischsten und angenehmsten Zeitgenossen im Fahrerlager zählt, hängt auch langsam bei ihm der Haussegen schief. Trotz P10 war der Deutsche in Silverstone erbost. Ein besseres Resultat wurde vom eigenen Kommandostand vereitelt, denn Hülkenbergs Strategie-Input wurde schlichtweg ignoriert. „Ich verstehe einfach nicht, warum wir nicht früh stoppen konnten. Wir haben uns selbst das Rennen gekostet. Ich hatte echt Probleme! Ich habe keine Spielchen gespielt oder irgendeine Scheiße. Ihr müsst mir manchmal einfach glauben! Mir verdammt nochmal glauben!“, schimpfte Hülkenberg nach der Zieldurchfahrt im Funk. Einklang sieht anders aus….

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