Hamilton siegt im Asphalt-Schach

Lewis Hamilton hat ein packendes Strategie-Duell im Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko City gegen Sebastian Vettel und Valtteri Bottas für sich entscheiden können

Obwohl der Brite mehrfach die vom Team vorgegebene Reifentaktik kritisierte, erwies diese sich als fruchtbar, auch weil Hamilton es schaffte, den angeschlagenen Wagen mit abgefahrenen Reifen an der Spitze ins Ziel zu bringen. Damit holte der Titelverteidiger als erster Pilot seit Jackie Ickx 1970 von Platz 3 nach dem Qualifying aus den Rennsieg. „Wir wussten, dass es ein schwieriges Rennen für uns werden würde. Ich habe einige Schäden am Wagen, aber ich bin einfach cool geblieben. Dass ich den Titel hier nicht ein tüten konnte, ist mir egal. Ich liebe das Rennfahren und ich bin sehr dankbar, dass wir auch die beste Strategie hatten, um zu gewinnen“, strahlte Noch-Nicht-Champion Hamilton. Bottas konnte den WM-Kampf mit P3 im Rennen noch offenhalten. „Ich bin happy mit meiner Pace heute, wenn man bedenkt, dass die Jungs den Wagen über Nacht noch komplett zusammenbauen mussten. Ich fühle mich gut, habe das Selbstvertrauen, wer weiß, was noch kommt“, sagte der Finne.

Ferrari bringts nicht Heim

Eigentlich sprach alles für einen Sieg der Roten, denn nach der Strafzurückversetzung von Max Verstappen, ging es für Charles Leclerc und Sebastian Vettel aus Reihe 1 ins Rennen. Doch Leclerc hatte keine optimale Strategie und verlor dann über vier Sekunden bei einem absoluten Katastrophenstopp in den Boxen. Nach dem Wechsel versuchte er alles, um sich nochmals heranzukämpfen, aber es war zu spät. „Ich bin ziemlich enttäuscht, denn von P1 aus möchte man schon gewinnen. Als wir früh in die Box kamen, war alles sehr kompliziert.“ Vettel lag lange Zeit in Führung, verlängerte seinen ersten Stint nach Rücksprache mit dem Kommandostand. Aber dennoch reichte es nicht, um Hamilton zu überholen und so blieb es bei Rang 2, auch weil er den heranstürmenden Bottas hinter sich halten konnte. „Überraschenderweise sind die harten Reifen sehr gut gelaufen. Es war ein unglaublich intensives Rennen und Lewis hatte einfach bis zum Ende genug Grip. Wir hätten bei der Strategie vielleicht noch ein bisschen besser drauf sein können,“ so Vettel.

Bullen im Pech

Zuerst verlor Verstappen Samstagabend die Pole Position am Grünen Tisch, dann holte er sich in Runde 1 im Infight mit Bottas einen Platten und musste einmal um den ganzen Kurs schleichen. Danach kämpfte er sich aber eindrucksvoll zurück – zu mehr als P6 reichte es aber nicht mehr. Damit kam Max unmittelbar hinter seinem Teamkollegen Alex Albon ins Ziel. Der Thailänder war erneut gut unterwegs, allerdings zog er in entscheidenden Zweikämpfen immer zurück und verlor so mittelfristig den Kontakt zu den Top 4. „Wenn man ein Auto hat, das gut genug ist zu gewinnen, und dann auf den Plätzen 5 & 6 ins Ziel rollt, muss man sagen, alles ist schief gelaufen. Der Vorfall mit Max und Lewis war Racing mit dem unglücklicheren Ausgang für ihn. Es ist sehr schade, wenn man solche Chancen wegwirft“, so Red Bull Motorsportdirektor Helmut Marko, der seinem Team ja fünf Saisonsiege prognostiziert hat. Das ist nun auch rechnerisch nicht mehr möglich dieses Jahr.

Dauerbrenner Ricciardo

Ein beeindruckendes Rennen fuhr auch Renault-Pilot Daniel Ricciardo. Der Aussie war von P13 gestartet und setzte von Beginn an auf die harten Reifen. Dabei spulte Ricciardo sensationelle 50 Runden mit den weiß-markierten Gummis ab und robbte sich so bis in die Punkteränge nach vorne. Am Ende gab es P8 für ihn, der dennoch nicht ganz zufrieden war: „Es hat sehr viel Spass gemacht heute, aber es wäre schön gewesen, noch an Checo vorbeizukommen.“ Ricciardo lieferte sich ein rundenlanges Duell gegen Sergio Perez, das der Lokalmatador für sich entschied.

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