Geliebt und gefürchtet: Die Bosch Kurve

Als der Österreichring 1970 eröffnet wurde, war er lange Zeit die schnellste Strecke der Formel 1 und verfügte über mehrere Hochgeschwindigkeitskurven. Die herausstechendste davon war die alte Bosch-Kurve.

Austria_Bosch_Kurve_1Fun und Furcht

Die Bosch, das war Motorsport vom Feinsten, aber auch ein Ritt auf der Rasierklinge. „Die Bosch Kurve war immer etwas Besonderes. Du bist mit knapp 280 bis 300 Sachen auf sie zugeflogen und der Linksknick kam immer näher. Bei rund 260km/h musstest Du dann scharf anbremsen und dosiert einlenken, damit der Wagen ja nicht ausbricht. Tut er es, hast Du keine Chance mehr und krachst voll in die Leitplanken bzw. den Erdwall. Das kann mörderisch wehtun und ganz böse enden. Hast Du den Einlenkpunkt aber gut erwischt, dann flutscht Dein Wagen so richtig schön durch“, so der ehemalige Formel-1-GP-Sieger Joakim Bonnier.

Außerhalb der überhöhten Kurve lag ein rund vier Meter breiter Grasstreifen, dahinter die Leitschienen. Erst auf Initiative von Niki Lauda und einigen anderen Piloten wurden zumindest Fangzäune aufgestellt, deren Sicherungseffektivität allerdings aus heutiger Sicht sehr in Frage gestellt werden darf. Erschwert wurde die Einfahrt in die Bosch dadurch, dass die Valvoline Gerade genau vor der Abfallkante zur Kurve einen leichten Linkknick macht. „Hier musste man einen späten Einlenkpunkt treffen, damit man quasi für den Drift durch die folgende Rechtskurve ausholen konnte“, beschreibt Sir Jackie Stewart. Auf dieser Kuppe vor der Kante gab es praktisch keine Referenzpunkte, was im Laufe der Jahre zu zahlreichen Ausritten führte. „Du hast eigentlich blind eingelenkt, obwohl Du ja von oben nach unten gefahren bist und was sehen hättest sollen.“

Auch Lokalmatador Gerhard Berger war von der Bosch fasziniert: „Am härtesten war die Kurve Mitte der 1980er mit den Turbos zu fahren. Du bist auf der Geraden mit 1.400 PS dahingebrettert wie in einer Rakete und wusstest, dass am Ende die Bosch Kurve auf Dich wartet. Durch die Verzögerung des Turbos musstest Du die Kurve ganz genau erwischen. Wenn Du fünf oder zehn Meter zu spät dran warst, hat Dich die Power des Tuboladers einfach mal so im Kreis gedreht.“ Gerade beim überhöhten Kurvenausgang konnte das zu verhängnisvollen Unfällen führen. Aber die Bosch Kurve, ja der gesamte Österreichring faszinierte die Piloten. „Dieser Zwiespalt von Almwiesen-Idylle und Motorsport am Limit ist einmalig. Als Fahrer kannst Du Dich in der Ruhe der Wiesen und Wälder hier perfekt auf den Druck dieser Hochgeschwindigkeitspiste mit ihren brutalen Kurven wie der Tiroch und der Bosch vorbereiten“, sinnierte Rolf Stommelen. Der Deutsche, der 1970 mit einem Brabham Dritter in Zeltweg wurde, liebte den Österreichring und ging in der Umgebung auch immer wieder wandern.

 

  AUT Osterreichring 1988-1995Bosch ein Opfer des Umbaus

Bis 1987 fuhr die Formel 1 am Österreichring und die Bosch war Teil des schnellen, spektakulären Kurses, der den Piloten alles abverlangte. Nach dem doppelten Massencrash und dem mehrfachen Neustart hatte Bernie Ecclestone genug vom „Wald-und-Wiesen-Grand-Prix“ (O-Ton Niki Lauda) und verabschiedete sich für zehn Jahre vom Aichfeld. Nach dem Komplettumbau der Strecke durch Hermann Tilke zum A1-Ring wurde die 180° Bosch Kurve zerstört und durch die Gösser Kurve ersetzt. „Es ging bergab und die Stelle war rutschig. Beim Anbremsen gab es immer wenig Spielraum“ erinnert sich Alex Wurz an seine ersten Fahrten durch den neuen „Bier-Bogen“. Tilke ersetzte die Mutkurven durch enge Ecken und verkürzte die Strecke deutlich.

Nach der Veränderung des ursprünglichen Layouts verfügte der A1-Ring nicht mehr über die zahlreichen schnellen Bögen. 1997er Champion Jacques Villeneuve murrte bei ersten Testfahrten `96: „Als mein Vater hier fuhr, saß ich in der Bosch-Kurve auf der Tribüne und war beeindruckt: Was für eine Kurve! Und heute? Nur noch zweiter Gang.“ Die Bosch könnte man Dank der Überhöhung mit 160 km/h im dritten Gang durchfahren.

„Das machte irre viel Spaß. Auch den Ausgang solltest Du wieder optimal erwischen, weil Du den Speed in die Texaco mitnehmen musst. Also hieß es, bei der Werbetafel am Ausgang der Bosch muss Dein Fuß wieder voll auf dem Gas stehen, sonst hast Du es verpasst…“

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