„Es war offentsichtlich ein Scherz“

Lewis Hamilton-Nico Rosberg_Mercedes AMG Petronas_Foto Mercedes AMGDie Fragen der Journalisten an Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Daniel Ricciardo…

 

Frage (Paolo Ianieri – La Gazzetto dello Sport) Eine Frage an Nico und Lewis: Wir haben gehört, dass die Situation zwischen euch beiden sehr angespannt ist. Niki Lauda meinte, ihr wolltet nicht miteinander sprechen. Werdet ihr miteinander eine Pizza essen, die Probleme ansprechen und versuchen, die Situation wieder zu normalisieren ?

NR: Es ist schon okay. Wir haben immer Gespräche und Diskussionen, so auch dieses Wochenende. Es ist ein Vorteil, dass wir uns schon sehr lange kennen. Lewis ?

LH: Ich habe hier nicht wirklich etwas hinzuzufügen.

FR: (Oana Popiou – F1 Zone) Eine Frage an Lewis: Niki Lauda meinte, du hast in Barcelona einen Motoren-Modus verwendet, den du nicht verwenden solltest. Du musstest dich dann bei Nico entschuldigen. Glaubst du, dass du mit demselben Modus heute gewinnen hättest können ?

LH: Nein, heute verwendeten wir alle Modi. Beim letzten Rennen hatte der Motorenmodus keine wirkliche Auswirkung auf den Ausgang des Rennens. Uns wurde gesagt, in einem bestimmten Modus zu bleiben. Nico machte das in Bahrain und ich in Barcelona. In diesem Rennen steckten wir in einem Modus fest, der auf unsere Strategie abgestimmt war.

NR: Ich weiß nicht, was Niki erzählte aber es ist nicht ungewöhnlich, zusammen die Motorenmodi zu wechseln. Das ist völlig normal.

FR: (Dan Knutson – Auto Action and National Speedsport News) Lewis, gegenüber der BBC sagtest du gestern, dass du die Situation mit Nico so wie Senna behandeln würdest. Wie meintest du das ?

LH: Ich weiß es nicht mehr. Es war offensichtlich ein Scherz.

FR: (Michael Schmidt – Auto Motor und Sport) Du sagtest im Boxenfunk, dass du ein Problem mit deinem Auge hast. Was ist hier passiert ?

LH: Ich hatte so etwas noch nie. Ich wollte sicher sein, dass mein Visier total geschlossen ist, aber es kam immer wieder ein bisschen Wind herein. Ich schloss zu Nico auf und auf einmal brannte mein Auge durch etwas Schmutz. Ich musste quasi mit einem Auge fahren, bekanntlich kein einfaches Unterfangen. In den langsamen Kurven versuchte ich, das Visier zu öffnen und den Dreck rauszukriegen. Gott sei Dank sah ich fünf Runden vor Schluss wieder klar, sodass ich vor Daniel bleiben konnte.

FR: ( Ian Parkes – Press Association) Lewis, für uns war es offensichtlich, dass du durch den gestrigen Zwischenfall im Qualifying beleidigt warst. Wie denkst du nun darüber ? Hast du im Duell mit Nico sozusagen die Handschuhe ausgezogen ? Fühlst du dich vom Team auch genug unterstützt ?

LH: Es ist generell ein erbitterter Kampf zwischen Lewis und mir und er wird sich über die ganze Saison hinziehen. Nico hatte keinen einzigen Knacks bisher, ich aber den Ausfall im ersten Rennen in Melbourne. Ich konzentriere mich einfach darauf, alles bestmöglich zu machen und sehe auch, dass wir beide vom Team großartige Unterstützung erhalten. Die Boxencrew ist manchmal in einer sehr heiklen Situation und hat eben den Job, sich um uns beide zu kümmern.

FR: (Graham Harris – Motorsport Monday) Nico, du wurdest angehalten, langsamer zu fahren und Sprit zu sparen. Wie heikel war deine Situation ?

NR: Die Treibstoffsituation war recht kritisch und brachte mich dazu, etwas langsamer zu fahren. Lewis war ganz knapp hinter mir, ich musste meinen Fahrstil komplett umstellen und gleichzeitig versuchen, ihn hinter mir halten zu können. Das Team hat die Situation aber sehr gut in den Griff bekommen und ab einem gewissen Punkt im Rennen war dieses Problem beseitigt.

FR: (Jussi Jäkälä – YLE) Nico, vor 31 Jahren hat Keke hier gewonnen, du nun schon zum zweiten Mal. Wer ist in diesem Moment stolzer ? Du oder dein Vater ?

NR: Das weiß ich nicht. Mein Vater ist heute sicher stolz auf mich und ich freue mich darüber sehr. Meine Freunde sind sicher auch begeistert. Ich finde es einfach schön, dass ich eben das Rennen in meiner Wahlheimat gewinnen konnte.

FR: (Paolo Ranieri – La Gazzetto dello Sport) Nico, du meintest, dass du das Momentum von Lewis brechen musstest, da er eine Siegesserie hinlegte. Ist der heutige Sieg bisher dein wichtigster ? Und Daniel, glaubst du, dass Red Bull schon die Geschwindigkeit hat, Mercedes in Montreal zu fordern ?

NR: Ob es der wichtigste war, kann ich nicht sagen. Der Sieg war zumindest sehr wichtig. Lewis hatte einfach das Momentum bezüglich der Resultate auf seiner Seite und das musste ich ändern. Der Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft ist sehr eng und wird dies auch bis Saisonende bleiben.

DR: Wir haben nun bei diesem Rennen zu Mercedes aufgeschlossen, allerdings liegt uns der Kurs auch sehr. Der Kurs in Montreal ist auch ein Straßenkurs, begünstigt uns mit den langen Geraden aber nicht gerade. Ich weiß noch nicht, ob wir Mercedes dort wirklich fordern können. Ich muss eben noch geduldig sein.

FR: (Livio Oricchio – Universo Online) Daniel, als Fahrer musst du an dich und dein Team glauben. Hast du jemals erwartet, dass du Sebastian Vettel so deutlich in Qualifying und Rennen schlagen kannst ?

DR: Ich hatte keine wirkliche Vorstellung, wie ich mich im Qualifying und Rennen schlagen würde. Ich weiß nur, ich habe einiges an Talent und auch schon Erfahrung als Formel 1-Fahrer. Ich fühle natürlich, dass ich vorankomme und auch dazulerne. Ob ich während der ganzen Saison vor Sebastian platziert bleibe, weiß ich wirklich nicht. Er hat ja das Rennfahren nicht verlernt.

FR: (Ian Parkes – Press Association) Nico, wurdest du richtig zitiert als du meintest, dass Lewis unter schwierigen Umständen brechen könnte. War das dieses Wochenende so und bist du ein Typ, der sehr schwierige Situationen problemlos meistert ?

NR: Also was ich sagte, ist weit von deiner Version entfernt. Ich würde so etwas nie sagen. Ich kenne Lewis schon sehr lange und er war immer stark. Ich habe auch nie erwartet, dass ich ihn mental brechen kann. Es bleibt einfach ein harter Kampf zwischen uns beiden.

LH: Sehe ich wirklich gebrochen aus ? So ein Unfug.

FR (Ralf Bach – Sport Bild) Lewis, du hast gegenüber der BBC diese Sachen wie Boot, Jets etc erwähnt. Und wie einfach du dagegen aufgewachsen bist. Oder nicht ?

LH: Ich wurde gefragt, wer siegeshungriger ist. Jeder Fahrer wird antworten, dass er den Sieg am meisten will und bei mir liegt der Grund eben in meiner unterschiedlichen Herkunft. Ich wollte immer in Monaco wohnen. Ich war es gewohnt, mit dem Jet der Rosbergs mitzufliegen, zu Nicos Haus zu gehen, auf sein Boot zu kommen. Mein Antrieb ist, genau dasselbe zu erreichen. Mein Vater inspirierte mich dazu.

FR: (Livio Oricchio – Universo Online) Lewis, hättest du mit einem normalen Boxenstopp Nico überholen können ?

LH: Das ist nun irrelevant. Da unser Start gleich gut war, bestand nur mehr die Möglichkeit, ihn durch einen Boxenstopp zu überholen. Das war durch die Safety Car-Phase hinfällig.

FR (Gloria Scola – El Mundo) Das Rennen ist nun vorbei und für mich stellt sich die Frage: Was gibt euch Rennfahren? Ist es Freiheit, Adrenalin ?

NR: Als Erstes sind wir hier um die Leute zu unterhalten und ein Spektakel zu bieten. Speziell in Monaco ist es so, da die Leute von ihren Häusern, ihren Booten aus zusehen können und rundherum einiges veranstaltet wird. Unser Sport hat weltweit den höchsten Stellenwert und wird am meisten als Spaß empfunden. Durch die Straßen von Monaco zu fahren, am Limit um den Sieg zu kämpfen ist etwas ganz Besonderes.

LH: Ich lebe einfach meinen Traum, ich wollte schon als Kind Rennfahrer werden.

DR: Freiheit ist für mich definitiv ein Thema. Schon als Kind war es ein besonderes Gefühl, dass nur ich die Kontrolle über mein Go-Kart hatte und selbst entschied, wie schnell ich fahren konnte. Wenn man den ganzen Medienrummel und den Formel 1-Zirkus insgesamt betrachtet, ist es natürlich ein tolles Gefühl, dabei zu sein. Freiheit gepaart mit einer Portion Adrenalin.

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