Ferrari schlägt sich selbst

Die Roten kamen als klare Favoriten nach Singapur. Doch nach verpatzter Quali, zeigten sie auch im Rennen nicht die nötige Pace. Ein fehlerfreier Lewis Hamilton staubte den Sieg ab

Mit einem weltmeisterlichen Qualifying hatte Lewis Hamilton die Basis für seinen siebten Saisonsieg gelegt. Im Rennen selbst blieb der vierfache Weltmeister fehlerlos und gewann sicher vor Max Verstappen und Sebastian Vettel. „Es war ein hartes Rennen. Der Start war super, wir haben als Team einen Superjob gemacht. Max hat mir wirklich das Leben schwer gemacht“, so Hamilton. Den größten Schreckmoment erlebte der Brite bei der Überrundung der sich balgenden Romain Grosjean und Sergey Sirotkin. „Es war etwas unglücklich mit dem Verkehr, dass die über gesamte Runde vor uns kämpften. Dadurch konnte Max aufschließen und ich habe einen Moment geschluckt.“ Glücklich war natürlich auch Teamchef Toto Wolff: „Es ein bisschen ein Schachspiel, aber wir haben diesmal nicht so gelitten, wie sonst. Am Ende ging sich alles gut aus. Aber die WM ist noch weit offen.“

Bullen mit Podium

Verstappen hielt im ersten Stint immer mit Hamilton und Vettel mit, brannte nach dem Stopp des Deutschen einige Runden in Qualifying-Speed in den Asphalt, und schlüpfte beim eigenen Wechsel der Gummis am Ferrari vorbei. „Gar nicht schlecht, oder. Nein, im Ernst. Unsere Strategie war großartig. Wir schauten immer auf uns, hatten unseren Plan und der ist perfekt aufgegangen. Vettel in der Box zu überholen, war ganz wichtig“ strahlte der Zweitplatzierte. „Wir wussten, dass wenn Max seinen Speed halten würde, könnten wir an Seb vorbeiziehen. Dieser Plan hat dann wunderbar geklappt“, freute sich Red Bull Motorsport Direktor Helmut Marko. Weniger gut lief es für Teamkollege Daniel Ricciardo – bislang in Singapur immer am Stockerl. Denn dem Aussie fehlte vor allem zu Rennbeginn die nötige Pace. Hinten raus war „Disco Dan“ enorm schnell, konnte aber nicht mehr zum Überholen ansetzen.

Ferrari verspekuliert sich

Obwohl Vettel mit einer aggressiven ersten Runde auf Platz 2 vorkam und in Schlagdistanz zum führenden Hamilton lag, holte ihn die Ferrari Box früh herein. Womöglich wollte man den Briten mit einem Undercut aus der Ruhe bringen, doch der Poker ging nicht auf. Hamilton hielt sich knapp vor dem Deutschen und wenig später wurde der WM-Anwärter auch noch von der besseren Strategie Red Bull Racings geschlagen, und Max Verstappen zog ebenfalls an ihm vorbei. „Wir waren am Ende des Tages nicht schnell genug. Wir haben aggressiv begonnen, aber unsere Reifenwahl ist nicht aufgegangen. In der heutigen Form hatten wir keine Chance, wir haben sicher nicht alles rausholen können“, so Vettel. Der Heppenheimer liegt nun bereits 40 Zähler hinter Hamilton in der WM-Gesamtwertung und seine Titelchancen schwinden bei sechs noch zu fahrenden Rennen deutlich.

Ami im Anflug?

Rund geht es bei den Bullen aber auch abseits der Strecke, denn man sucht krampfhaft nach Piloten für das Schwesterteam Toro Rosso. Pierre Gasly wird zu Red Bull Racing aufrücken und dort dem scheidenden Daniel Ricciardo nachfolgen. Dieses Cockpit soll angeblich der letzte Saison noch in Ungnade gefallene Daniil Kvyat erhalten. Auch Brendon Hartley wird seinen Sitz bei STR wohl räumen müssen. Nachdem es zunächst hieß, Ex-Red Bull Junior Sebastien Buemi könnte ein Comeback in der Formel 1 geben, könnte es nun – auch dank Liberty Media – zu einer Überraschung kommen. Die amerikanischen Vermarkter wünschen sich nämlich einen Landsmann in der Königsklasse und der Coup könnte gelingen. Red Bull überlegt den Indy 500 Sieger von 2016 und Ex-Marussia-Pilot Alexander Rossi zu holen.

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