FA Kolumne: Ferrari braucht F1, F1 Mercedes nicht

Erwartungsgemäß haben die Bosse von Ferrari und Mercedes bereits gegen die vernünftigen Änderungsvorschläge von Liberty Media revoltiert. Doch sollten beide sich nicht verpokern!

Eine Budgetgrenze, weniger Bonuszahlungen für die Topteams, vereinfachte Motoren und weniger technische Spielereien schmecken den beiden Seriendominatoren gar nicht. „Wenn aus dem Sport eine Art Supermarkt werden soll, dann interessiert mich das überhaupt nicht“, polterte Sergio Marchionne. „Es ist Quatsch zu denken, dass verschiedene Sieger in jedem Rennen mehr Attraktivität bringen. In der Formel 1 geht es um Wettbewerb. Die Entwicklung der Autos ist ein Grundpfeiler“, stieß Niki Lauda ins selbe Horn.

Doch anscheinend haben die beiden Herren in ihrer egozentrischen Weltansicht übersehen, dass sich die Formel 1 nicht um sie beide dreht. „Teams kommen, Hersteller kommen, und manche gehen wieder. Aber die Formel 1 bleibt“, hat Ex-F1-Zampano Bernie Ecclestone einmal gesagt. Und er hat damit Recht.

Auch Ferrari braucht die Formel 1

Ferrari ist seit Beginn der Königsklasse dabei und ein Ausstieg der Italiener wäre sicherlich eine mittlere Katastrophe. Aber der wie ein angriffiger Hund kläffende Marchionne sollte  sich die Frage stellen, ob Ferrari nicht auch die Formel 1 braucht? Ferrari verkauft Luxussportwagen. Die Hauptzielgruppe sind kaufkräftige Privatiers, in letzter Zeit vordringlich aus Arabien und Ostasien. In beiden Regionen ist die Formel 1 hoch angesehen und medial exzellent vertreten.

In welchen Rennserien können die Jungs aus Maranello ihre roten Göttinnen denn sonst noch wirksam präsentieren? In anderen Formelserien fahren sie nicht. In der LMS fahren sie nur im GT Bereich, der kaum im TV ist und der Topmanager auch nicht wirklich interessiert. Die Ferrari Challenge ist zwar Werbung in eigener Sache, die dortige Zielgruppe aber Fans, die sich nie einen roten Renner leisten werden können, oder pensionierte Manager, die selbst im ProAm Bereich mitfahren. Ferrari braucht die Formel 1 ebenso wie die Formel 1 Ferrari. Daher heißt das Motto für Marchionne, durchatmen, entspannen und konstruktiv mitarbeiten.

Hersteller sind austauschbar

Anders ist die Situation bei Mercedes. Die Silberpfeile fahren seit der Reglementänderung 2014 fast alles in Grund und Boden. Das gefällt den Herren Zetsche, Lauda und Co. natürlich. Das freut auch die Stakeholder. Aber eigentlich schadet es dem Sport, denn egal wer nun für Dominanz sorgt, einen Einheitsbrei will kein Fan sehen – mit Ausnahme derer, die genau dieses Team unterstützen. Aber wenn Mercedes wieder aussteigen würde, schadet das der Königsklasse? Nicht wirklich. Nach dem tragischen Unfall von 1955 waren die Deutschen über Dekaden nicht dabei, haben höchstens mal ein wenig unterstützt. Wem haben sie gefehlt? Waren die Rennen daher weniger spanennd? Die Meisterschaften weniger interessant? Nein.

Bugatti, Lotus, BMW, Honda, Toyota, Jaguar, Lamborghini, Peugeot, Lancia, Maserati, Matra oder Porsche waren alle schon in der Königsklasse aktiv. Und keiner von ihnen ist mehr an Bord. Dennoch ist die Formel 1 weiterhin gut unterwegs, sind genügend großartige Teams dabei, die für tolle Rennaction sorgen. Natürlich würden wir uns den einen oder anderen Automobilhersteller wieder zurückwünschen, aber wir würden uns auch andere Dinge, wie eine Rückkehr von bestimmten Strecken wünschen.

Liberty’s Weg ist richtig

Die Ansätze, die Liberty Media vorgestellt hat – und man sollte nicht vergessen, dass diese von planlosen Amerikanern kommen, sondern federführend von Ross Brawn, dessen Formel 1 Kompetenz wohl niemand ernsthaft in Frage stellt – sind absolut vernünftig und längst überfällig. Mehr Ausgeglichenheit im Fahrerfeld, mehr Abwechslung an der Spitze, engere Rennen und mehr Fights, vielleicht neue Teams – das wollen die Fans.

Und, werte Herren Marchionne, Lauda und Co. – sie sollten nicht vergessen, am Ende sind die Fans – und somit potenziellen Autokäufer – die wichtigsten. Weil wenn keiner zusieht, können Sie 1000e Runden im Kreis fahren….

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