FA Insider: Wie werde ich Formel-1-Pilot?

Viele Fans träumen davon, einmal in der Formel 1 zu fahren. Eine ganze Menge scheut keine Kosten und Mühen, um sich im Rennsport nach oben zu arbeiten. Am Ende gibt es aber nur 20 der begehrten Cockpits

Mit 350 Sachen um die Wette zu fahren, gegen die besten Piloten der Welt in PS-Monstern auf den spektakulärsten Strecken an den schillerndsten Orten anzutreten – ein Pilot in der Formel 1 zu sein. Diesen Wunsch würden sich viele Fans nur allzu gerne erfüllen. Aber wird man nun wirklich Formel-1-Rennfahrer? Harry Miltner – seit 20 Jahren mit HM Sports in er Formel 1 tätig – zeigt gemeinsam mit Viktor Lienhart – 10 Jahre lang mit 1st MILE Karrierestratege im Nachwuchssport – auf, welche Wege es als Fahrer auf den Motorsportgipfel gibt.

Schritt 1: Kartsport

Die Basics des Rennfahrens lernt man auch heute noch im Kart. Die kleinen Flitzer zeigen einem die Grundtechniken, lehren einen ein Fahrzeug so schnell wie möglich über einen Kurs zu bewegen, wie körperlich anstrengend Rennfahren ist, und wie viel psychischer Druck auf einen in Rad-an-Rad-Duellen auf einen zukommt. Formel-1-Weltmeister Max Verstappen saß schon mit vier Jahren im Kart und bestritt als siebenjähriger Knirps seine ersten Rennen.

Nationaler Kartsport: Es ist wichtig im heimischen Umfeld zu beginnen, damit sich die Kids sicher und wohlfühlen, und sich so voll und ganz auf das Erlernen der Grundlagen der Fahrtechnik (Rennlinie, Bremspunkte, etc.) konzentrieren können.

  • Die Hauptlast liegt bei den Eltern. Sie sind Teamchefs und Sponsoren in einem. Einen Driver Coach und einen Mechaniker braucht man aber auf alle Fälle auch
  • Alter* 5 bis 10 Jahre
  • Fahrerbezahlung: keine
  • Sponsoringchancen: praktisch bei Null
  • Saisonbudget**: rund 70.000 Euro

Internationale Kartserien: Sobald die Jungpiloten eine Meisterschaft im Ausland bestreiten, fahren sie in einem professionell geführten Team. Dort geht es dann schon um Skills wie Rennen lesen zu können, technisches Verständnis, Vor- und Nachbesprechungen mit dem Renningenieur, und oft auch erstes wirtschaftliches Know-How.

  • Die Eltern fungieren nun noch als Hauptsponsor, aber das Team ist professionell aufgestellt, hat einen Driver Coach und Mechaniker. Jetzt ist es aber Zeit für einen Fitnesstrainer, sowie einen Management-Berater, und einen persönlichen Presseverantwortlichen.
  • Alter: 10 bis 15 Jahre
  • Bezahlung für den Fahrer: keine
  • Sponsoringchance: sehr gering
  • Saisonbudget: rund 250.000 Euro

Schritt 2: Nachwuchs-Formel-Serien

Wer sich im Kart durchsetzen konnte, ist bereit für den nächsten Schritt: den Einstieg in eine der Junior-Formel-Serie. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sowohl fahrzeugtechnisch wie auch regional. Der heute übliche Weg ist in die Formel 4 zu gehen, aber man kann auch ein erstes Jahr in der Formel Ford oder der ProMazda Series absolvieren. Im Formelwagen wird dem Talent noch der Feinschliff gegeben, werden Siegeswille und realistische Selbsteinschätzung gefördert.

  • Das Geld der Eltern allein wird wohl nicht mehr reichen. Ein Manager muss sich um die Verträge mit dem Team, aber auch um weitere Sponsoren kümmert. Driver-Coach, Fitnesstrainer, sowie Medien-, Social-Media- und PR-Berater bleiben, vielleicht holt man noch einen Mentaltrainer ins Boot
  • Alter: 15 bis 17 Jahre
  • Bezahlung für den Fahrer: keine
  • Sponsoringchance: gering
  • Saisonbudget: rund 300.000 Euro

Schritt 3: Formel 3

Nachdem man sich in den Jugendserien die Basis für eine Formelkarriere erarbeitet hat, geht es nun in der Formel 3 darum, sich in die Notizblöcke der Teamchefs zu fahren. Mit 17 Jahren ist die Grundausbildung abgeschlossen und die Teams erwarten sich mehr als nur Talent.

  • Der Manager muss gemeinsam mit den Eltern das Budget aufstellen, mit dem Fahrer das Team auswählen, dazu braucht es einen Driver-Coach, einen Fitnesstrainer, einen Mentaltrainer, einen Medien-, Social-Media- und PR-Berater.
  • Alter: 17 bis 19 Jahre
  • Bezahlung für den Fahrer: keine
  • Sponsoringchance: mittel
  • Saisonbudget: mindestens 700.000 Euro

Schritt 4: Formel 2, Super Formula oder IndyCar

Der letzte Schritt, bevor man tatsächlich Formel-1-Fahrer werden kann, ist fast immer der Gang über die Formel 2. Einige Piloten beweisen sich auch in der US-amerikanischen Indy-Serie – aber selten.

  • Das Management muss das Budget aufstellen, mit dem Fahrer das Team auswählen, dazu braucht es einen Driver-Coach, einen Fitnesstrainer, einen Mentaltrainer, einen Medien-, Social-Media- und PR-Berater.
  • Alter: 17 bis 21 Jahre
  • Bezahlung für den Fahrer: keine (außer im Juniorprogramm eines Herstellers)
  • Sponsoringchance: gut
  • Saisonbudget: ab 1,3 Million Euro

Umweg GT-Sport oder Langstrecke

Wer sich die Formel 2 nicht leisten kann, aber alle fahrerischen Qualitäten dafür aufweist, kann versuchen, es über den Umweg in einer guten GT-Serie oder über die Langstrecken-Weltmeisterschaft ein Formel-1-Team auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht begeistert man auch einen Hersteller, der einen dann in sein Juniorprogramm aufnimmt und fördert.

  • Der Manager muss gemeinsam mit den Eltern das Budget aufstellen, mit dem Fahrer das Team auswählen, dazu braucht es einen Driver-Coach, einen Fitnesstrainer, einen Mentaltrainer, einen Medien-, Social-Media- und PR-Berater.
  • Alter: 17 bis 20 Jahre
  • Bezahlung für den Fahrer: keine (außer im Juniorprogramm eines Herstellers)
  • Sponsoringchance: gut
  • Saisonbudget: mindestens 300.000 Euro

Schritt 5: Formel-1-Fahrer

Wer sich in der Formel 2 oder ähnlichem beweist und über genügend finanzielle Backing verfügt, könnte tatsächlich Formel-1-Fahrer werden – allerdings wird man wahrscheinlich in einigen Serien mehr als nur eine Saison absolvieren müssen. Zuerst wird man vom Formel-1-Team zu privaten Testfahrten eingeladen. Kann man auch dort überzeugen und hat gleichzeitig durch die erfolgreiche Teilnahme an einer anderen hochrangigen Rennserie genügend Punkte für die so genannte Superlizenz, könnte einen das Formel-1-Team bei den Young-Driver-Tests am Saisonende starten lassen. Absolviert man auch diese zur vollen Zufriedenheit, winkt einem wohl der Einsatz bei einem freien Training an einem Grand-Prix-Wochenende im Rahmen eines Vertrags als Entwicklungs- und Simulatorfahrer des Teams. Als solcher arbeitet man ein, zwei Jahre intensiv mit dem Team, lernt die Abläufe kennen, und startet vielleicht sogar als Ersatzpilot. Erst dann ist man bereit für das ganze große Abenteuer – Stammfahrer in der Formel 1. Bei all diesen Überlegungen darf man nicht vergessen, dass gerade in der Formel 1, aber auch schon in den Formeln 2 & 3 „Politik“ eine große Rolle spielt. Wenn der politische Wille nicht da ist, einen Piloten zu nehmen, hilft meist nicht einmal das finanzielle Backing, ungeachtet des Talents.

 

* Die Altersangaben sind Richtwerte

** Die Saisonbudgets beinhalten keine Kosten für Testfahrten, Fitnesstraining, Fahrercoaches, PR-Leute, et cetera.

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