F1-Kosten: Ein- oder Dreiwagen-Teams eine Lösung?

Adrian Sutil_Sauber F1 Team_Sauber Motorsport AGDerzeit muss ein F1-Mittelfeldrennstall mit rund 120 Millionen US-Dollar pro Jahr planen. Rentieren sich Ein- oder Dreiwagenteams?

Was müssen für Konsequenzen aus dem Teamsterben vor dem USA-GP gezogen werden? In einem Brief an den Automobilweltverband FIA haben die Teams Force India, Marussia, Sauber und Caterham die durchschnittliche Kosten für ein F1-Mittelfeld aufgelistet. „Autosport“ lag das Schreiben ebenfalls vor und veröffentlichte die Kostenaufstellung, die natürlich von Team zu Team noch variiert. Viele Teams wie Marussia oder Caterham haben gar nicht so viel Geld (und verschulden sich deswegen auch), die Spitzenteams geben aber teilweise mehr als dreimal so viel Geld aus.

120 Millionen Dollar nötig

Unterm Strich belaufen sich die Kosten für die Mittelfeldteams auf rund 120 Millionen US-Dollar (also rund 95 Millionen Euro) pro Jahr. Wobei Fahrergehälter, Leasing-Kosten, Marketing und andere Bereiche noch gar nicht eingerechnet sind. Die Kalkulation setzt sich zusammen aus Fixkosten (Kosten unabhängig davon wie viel Boliden ein Rennstall einsetzt) und Kosten, die für den Einsatz eines Rennwagens entstehen.

Zu den Fixkosten gehören: Die Gehälter, die sich auch mit dem Einsatz eines dritten Bolidens kaum ändern dürften, weil die Teams schon jetzt mit der maximal erlaubten Personenzahl (60) zu den GP-Rennen reist. Auch im Werk dürfte kaum neues Personal eingestellt werden. Lediglich bei nur einem Wagen pro Rennstall könnten die Kosten von rund 20 Millionen Dollar geringfügig gedrückt werden. Auch die Stunden im Windkanal und am CFD-Computer für die technische (Weiter)Entwicklung würden gleich bleiben, weil auch hier die Stundenzahl vom Reglement her festgeschnurrt ist. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 18,5 Millionen US-Dollar. Für Neben- und Instandhaltungskosten werden zwei Millionen US-Dollar angegeben, andere Dienstleistungen schlagen mit 1,5 Millionen Dollar zu Buche, die IT mit drei Millionen.

Der Rest der Kosten ist tatsächlich abhängig davon, wie viele Boliden eingesetzt werden. Beispiel Antriebsstrang: 28 Millionen US-Dollar müssen die Teams dafür einplanen, bei nur einem Wagen pro Mannschaft wären es nur noch 14 Millionen, bei einem dritten Wagen deren 42 Millionen! Für das Getriebe und die Hydraulik wird nochmal fünf Millionen Dollar benötigt. Die Produktion eines Chassis verschlingt 20 Millionen US-Dollar, die Reise- und Transportkosten inklusive der Fracht deren 17 Millionen US-Dollar – auch hier würden sich pro Fahrzeug mehr oder weniger die Kosten etwas ändern. Pirelli verlangt für die Reifen pro Jahr 1,8 Millionen US-Dollar, die Benzin- und Schmiermittelhersteller – hier findet viel Forschung und Entwicklung statt – auch 1,5 Millionen Dollar, für die Elektronik fallen schließlich noch 1,95 Millionen US-Dollar an.

Scott_Dixon_2012_Detroit_2 21 Millionen Euro pro Auto

Addiert man die Fixkosten und die Kosten pro Fahrzeug, dann ergibt sich für den Einsatz von nur einem F1-Rennwagen immer noch rund 93 Millionen US-Dollar (74 Millionen Euro), für drei Wagen würden 147 Millionen US-Dollar (116 Millionen Euro) gebraucht werden. Der Unterschied zwischen einem Fahrzeug mehr oder weniger beträgt unterm Strich also etwa 27 Millionen US-Dollar (21 Millionen Euro).

In der IndyCar fahren kleinere Teams mit nur einem Fahrzeug. Ob ein solches Modell auch in der Formel-1 funktionieren würde, ist schwer zu beantworten. Mit Osella, Coloni und Life gab es 1990 letztmals drei Einwagen-Teams, seither sind die F1-Teams verpflichtet, zwei Wagen an den Start zu bringen. Der Unterschied zur IndyCar: In der Formel-1 sind die Fixkosten durch die Entwicklung der einzelnen F1-Boliden viel höher. Die Einsatzkosten sind vergleichsweise gering, der Unterschied mit 21 Millionen Euro dennoch nicht zu verachten – weil Teams wie Marussia und Caterham auch nie ein solches Budget zur Verfügung haben, wie oben berechnet. Die Entlastung dieser Teams wäre also sicherlich gegeben.

Gleichzeitig könnten es sich die Topteams locker leisten, einen dritten F1-Flitzer an den Start zu bringen. Die Frage ist nur: Wieso sollten sie freiwillig mehr Geld ausgeben, ohne dass die Punkte, die durch den dritten Wagen erzielt werden, auch in der Konstrukteurs-WM angerechnet und somit gewinnbringend sind? Sollten manche Teams zum Einsatz eines dritten Fahrzeugs gezwungen werden (so sieht es das Reglement bei weniger als 20 Autos vor), stellt sich also die Frage, ob sie auch die rund 21 Millionen Euro Mehrkosten (bei den Spitzenteams könnten es sogar noch mehr sein) auch selbst tragen müssten.

Fair wäre es, denn die CCB-Teams (Constructor Championship Bonus) Red Bull, Ferrari und McLaren streichen Jahr für Jahr auch die Bonus-Gelder ein, die den anderen Rennställen fehlen. Kommen sie also Jahr für Jahr in den Genuss der Vorteile, so könnten sie 2015 auch mit den Nachteilen ihrer Stellung konfrontiert werden. Es war nicht zuletzt die Blockade-Haltung von solchen Teams gegenüber Sparmaßnahmen oder Budgetbegrenzungs-Regeln, die auch zur aktuellen Miesere geführt haben.

ivan_capelli__belgium_1987__by_f1_history-d5d19efMercedes fast kostenneutral?

Beispiel Mercedes: Die Budget-Bilanz von 2013 wurde inzwischen bei den Behörden vorgelegt. Daraus geht hervor, dass Mercedes für das Chassis 231 Millionen Euro, für den Motor nochmal 152 Millionen Euro ausgibt – doch durch die Preisgelder und den Sponsoren kommt fast alles wieder rein. Der Daimler-Konzern muss nur 60 Millionen Euro beisteuern, das Ziel ist sogar ein vollkommen kostenneutrales F1-Engagement! Die Sponsoren sind an Mercedes auch viel mehr interessiert, als an Mittelfeldteams: Allein vom ersten Saisonrennen 2014 bis zur Sommerpause im Juli hat Mercedes und die Sponsoren durch TV-Präsenz einen Werbegegenwert von 1,2 Milliarden Euro eingefahren! Durch die Formel-1 lassen sich noch immer irrsinnig viele Gelder umsetzen. Das zeigt auch die F1-Bilanz 2013: 1,38 Milliarden Euro wurden eingenommen, was einen Gewinn für die Anteilseigner von 424 Millionen Euro betrifft. Würden diese Gelder gerechter verteilt werden, würden auch Teams wie Marussia und Caterham überleben können.

 

Die letzten 10 Einwagen-Teams

1987 Leyton House (Ivan Capelli)

1988 Rial (Andrea de Cesaris)

1988 Scuderia Italia (Alex Caffi)

1988 AGS (Philippe Streiff)

1988 Coloni (Gabriele Tarquini)

1988 Osella (Nicola Larini)

1989 EuroBrun (Gregor Foitek/Oscar Larrauri)

1990 Osella (Olivier Grouillard)

1990 Coloni (Betrand Gachot)

1990 Life (Gary Brabham/Bruno Giacomelli)

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