Explosionsgefahr in Abu Dhabi

Nach dem unnötigen Ferrari-internen Crash in Brasilien droht beim Saisonfinale im arabischen Emirat der nächste Eklat

„Ich bin über den Vorfall sehr verärgert. Auch wenn jeder von ihnen sehr gut ist, sollten die Fahrer nie vergessen, dass sie Ferrari-Piloten sind. Das einzige, was zählt, ist Teamgeist, denn Ferrari muss gewinnen“, polterte Präsident Johan Elkann und stellte seinen hochbezahlten Stars, Sebastian Vettel und Charles Leclerc, die Rute ins Fenster. Vettel hatte Leclerc in einem Rad-an-Rad Duell beim Grand Prix in Interlagos abgeschossen und so für das Doppelaus der Roten in Brasilien gesorgt. Umso bitterer war der Ausfall als das Duo klar auf Podiumskurs unterwegs war. Selbstredend hatte Teamchef Mattia Binotto die Streithähne nach dem Rennen umgehend zu sich zitiert und im TV Interview verlautbart, dass „beide Fahrer ihr Bedauern für das ausgebliebene Teamergebnis zum Ausdruck bringen müssen“. Auch wenn die Piloten reuig vor die Mikros schlichen, konnte der Schaden nicht behoben werden und die Schuldfrage wohl auch nicht. „Ich dachte eigentlich schon, ich wäre vorbei. Und dann sind wir zusammengekommen. Ich hatte nicht viel Platz rechts neben ihm“, meinte Vettel. Dagegen beschrieb Leclerc die Situation so: „Er hat es auf der Außenseite versucht, wo wenig Platz war. Aber ich habe ihm den Platz gelassen. Am Ende der Geraden drückte er mich ein wenig auf die Innenseite. Wir waren sehr eng beisammen und alles passierte sehr schnell.“

Krach vorprogrammiert

Dementsprechend ist die Frage ist nicht ob, sondern wann, es zum nächsten Eklat kommt. Im Qualifying in Italien, am Start in Russland oder nun im Rennen in Brasilien – viel zu oft überschattete die teaminterne Rivalität zwischen zwei herausragenden Fahrern, die einander spinnefeind sind, das Ergebnis für Ferrari. „Es ist uns nicht gelungen, neun Pole Positions in ebenso viele Siege umzumünzen,“ hält Elkann fest. Gerade dreimal stand ein Ferrari-Pilot heuer ganz oben am Stockerl. Natürlich lag das auch manchmal an krassen strategischen Fehlern des Kommandostandes, doch auch an Binotto und Co. nagt die unterkühlte Stimmung des Fahrerduos. Ob Binottos angekündigte klärende Gespräche gar nicht stattgefunden haben oder deren Ergebnisse von den Fahrern schlichtweg ignoriert werden, bleibt offen. In jedem Fall ist das Resultat dasselbe.

Nummer 2 gesucht

Beide sind aggressiv, enorm ehrgeizig, hochtalentiert und beide wollen mit den Roten Weltmeister werden – um jeden Preis wie es nun scheint. Zwei Topfahrer tatsächlich gleichberechtigt zu behandeln – und nicht wie Mercedes nur wenn man ohnehin alles dominiert – ist die Wunschvorstellung der Fans und Medien, aber auch ein gewagtes Unterfangen für jedes Team. Sobald die Piloten nämlich nicht nur gleichberechtigt, sondern auch gleich gut sind, wird es unweigerlich Stunk geben. Wir alle erinnern uns an Ayrton Senna und Alain Prost, Fernando Alonso und Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Mark Webber oder Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Diese Regel gilt aber auch für kleinere Teams. Keiner hat vergessen wie viel Kleinholz Sergio Perez und Esteban Ocon bei Force India produziert haben. Binotto steht also für 2020 vor einer gravierenden Entscheidung. Denn er muss wohl einen Piloten zum „Wasserträger“ degradieren, will er eine weitere Saison ohne Titel und mit vielen Zwischenfällen vermeiden. Leclerc wurde als „die Zukunft Ferraris“ präsentiert und wird sich wohl nicht beugen. Allerdings darf man das von einem vierfachen Weltmeister Vettel auch nicht erwarten….

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