Es war einmal in Amerika…

   Gene Haas Formula One Press Conference2016 wird das erste US-Team seit mehr als 25 Jahren am F1-Grid stehen. Ja, es hat bereits ein Haas-Team in der Formel 1 gegeben. Aber nein, es hatte nichts mit Gene Haas, Gründer und Präsident von Haas F1 zu tun.

Seit jungen Jahren liebte der in Ohio geborene Gene Haas alles an Autos und Mechanik. Gene bekam seinen ersten Job in einer Maschinenhalle im Alter von 14 und blieb seiner Leidenschaft auch während der High School und am College treu. Später schloss er sein Studium an der California State University in Rechnungswesen und Finanzen ab. 1978 gründete er Proturn Technik in Sun Valley und entwickelte einen voll programmierbaren 5C Spanner – das branchenweit erste Gerät, das automatisch Teile durch das Drücken von nur einer Taste genau zur Bearbeitung neu positionieren konnte – mit dem er die Produktivität in seinem Geschäft steigern wollte. Gene erweiterte Proturn zu Haas Automation und baute seine Produktlinie aus. Schnell wurde er zum Branchenführer im 4- und 5-Achsen Teile positionieren. Im Laufe der Jahre wuchs Haas Automation stetig und zog schließlich in die 100.000 m2 Fabrik in Oxnard. Heute ist Haas Automation der größte Werkzeugmaschinenhersteller in den USA und die Produkte werden weltweit in über 80 Ländern verkauft. Big Player wie Caterpillar, Chrysler, Ford, General Motors, John Deere und Rockwell Automation sind alle Haas Kunden.

322525_1280x720Rennsport Experte

Haas ist aber nicht nur ein Engineering-Experte, er hat auch viel Motorsport-Erfahrung. 2002 erwarb Gene vom renommierten Hendrick Motorsports eine Fabrik und gründete sein erstes NASCAR-Team, Haas CNC Racing. In der folgenden Saison fuhr das Team erstmals alle Rennen. Ende 2008 kämpfte sein Rennstall noch immer und Haas überzeugte den zweifachen NASCAR-Champion Tony Stewart gemeinsame Sache zu machen. Stewart-Haas Racing stand im Januar 2009 mit zwei Wagen am Start und Stewart gewann in Pocono, Daytona, Watkins Glen, Kansas und das All-Star-Rennen, womit er 6. der Gesamtwertung wurde, während Teamkollege Ryan Newman P9 erreichte. Zwei Jahre später gelang es Stewart eine Wild Card für den Chase, das Meisterschafts-Play Off einzufahren, und er triumphierte in der Folge im Sprint Cup, indem er fünf der 10 Chase-Rennen für sich entschied. Das Team fährt aktuell in der Sprint Cup Series mit Stewart, Kevin Harvick, Danica Patrick und Kurt Busch. Haas betreibt auch ein Camping World Truck Series-Team mit Cole Custer. Durch Custers Sieg in New Hampshire im September 2014, trat Haas dem exklusiven Club der Besitzer bei, die in allen drei nationalen Serien gewonnen haben und in dem sich bislang nur Rick Hendrick, Richard Childress und Jack Roush befanden, bei.

3efea6c809f74bcda54b42b7789df3fdTony Stewart wird Ende 2016 aus der NASCAR in den Ruhestand gehen und durch Clint Bowyer ersetzt. Auf die Frage, was er von NASCAR für sein F1 Projekt gelernt hat, sagte Haas: „Es sind die Menschen mit denen man arbeitet. Wenn man die richtigen Partner hat, kann man alles erreichen. Zudem muss man sich für jedes Projekt genug Zeit nehmen. Ich denke, das größte Problem für die neuen Teams (HRT, Marussia und Caterham) war, so schnell in die Startaufstellung zu kommen. Wir wollen sicherstellen, dass wir bevor die Autos kommen das Chassis komplett montiert, die richtigen Ersatzteile, die richtige Boxenausstattung, die richtige Logistik, und die richtigen Container haben. Seien wir realistisch – die ersten fünf Jahre geht’s für uns nur ums Überleben. Wenn wir ein Rennen in fünf Jahren gewinnen, wäre das ein großer Erfolg.“

beatrice_lola_thl1_hart_big_83694Top vorbereitet

Das 1980er-Team wurde von Carl Haas, der in keiner Weise mit Gene verwandet ist, und dem ehemaligen McLaren-Geschäftsführer Teddy Mayer, der Emerson Fittipaldi und James Hunt zu ihren Titeln geführt hatte, ins Laufen gebracht. Das Projekt wurde 1985 und 86 von Beatrice Foods finanziert und der 1980er F1 Weltmeister Alan Jones aus dem Ruhestand geholt um zu fahren. 1986 beschloss Beatrice die Mittel aus dem F1-Projekt abzuziehen, womit das Aus für das Team kam. Gene Haas hingegen hat sein Formel 1 Projekt minutiös geplant. „Als wir anfingen, hatten wir einen Plan, und der war, die besten Leute, die wir bekommen konnten anzuheuern und alles von Kannapolis aus zu machen. Aber sobald wir tiefer in die Materie eindrangen, umso deutlicher wurde, dass wir ohne irgendeine Art von Technologie-Partner keine Chance haben würden. Also waren wir zunächst ziemlich ignorant“, erklärt Haas. Bereits Ende 2013, hatte Haas sein Interesse bei der FIA bekannt gegeben und nur vier Monate eine Lizenz in der Tasche. Das Team hat seinen Hauptsitz in Kannapolis, North Carolina, nur 50 Kilometer außerhalb von Charlotte, dem Herz des amerikanischen Motorsports, aufgeschlagen. In einem nächsten Schritt erwarb Haas die alte Marussia F1 Fabrik in Banbury als europäische Basis.

1291426145716855980Als Technologiepartner konnte man Ferrari gewinnen. „Es ist eine Ehre, dass Ferrari uns helfen wird, und wir nehmen jede Hilfe, die sie uns geben können. Dallara wird uns auch helfen, in der Projektierung und dem Bau des Chassis.“ Haas holte sich den ehemaligen technischen Direktor von Jaguar F1 und Red Bull Racing, Günther Steiner, als neuen Teamchef an Bord. Dank des finanziellen Backgrounds kann Haas es sich leisten, ohne den offensichtlichen Pay-Driver auszukommen. Stattdessen hat er mit Romain Grosjean einen Piloten angeheuert, der das Team auf der Strecke anführen und voranbringen soll. Das zweite Cockpit ging an Ferrari-Testfahrer Esteban Gutiérrez, dessen Gehälter zumindest teilweise aus Maranello bezahlt werden. „Ich denke, Fahrer sind sich sehr der Tatsache bewusst, dass wenn sie den falschen Ort wählen, sie ihre Karriere abschreiben können. Daher wollten wir zwei Jungs, die voll und ganz von unserem Projekt überzeugt sind.“ Der Shakedown für den ersten F1 Boliden von Gene Haas ist für Dezember 2015 geplant. „Es wird fantastisch. Es ist wie wenn man wieder 20 ist und alles neu ist.“

Posted in ,

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar abgeben zu können.