FIA Präsident Jean Todt hat seinerzeit ehemalige Piloten als zusätzliche Rennstewards bei den Grands Prix dabei zu sein, um die Sicht der Fahrer besser in die Entscheidungsfindung bei Strafen einbringen zu können. Formelaustria hat mit einem von ihnen, Ex-Formel-1-Fahrer Derek Daly gesprochen
Derek, wie bist Du Race Steward geworden?
Ich wollte unserem Sport erhalten bleiben und fragte Charlie (Whiting), ob er etwas hätte, wo ich helfen könnte. Wenig später war ich ein Race Steward. Charlie war mein Rennmechaniker bei meinem Formel 1 Debüt für Hesketh in Silverstone 1978.
Gibt es ein FIA Training bzw. ein Regelbuch oder sagen die einfach, “gut, dann leg mal los”?
Die FIA stellt eine schriftliche Guideline mit der Beschreibung Deiner Aufgaben und dem aktuell, immer wieder upgedateten, Regelwerk. Am Donnerstag vor einem Rennen sind immer die Steward Meetings an der Strecke, wo wir das Wochenende und was von jedem Steward erwartet wird besprechen. Wir fahren um den Kurs und machen uns mit Streckenänderungen, Neuerungen, etc. vertraut. Als Driver Steward darf ich die Jungs in einem dieser coolen Mercedes Pace Cars rumkutschieren (lacht). Wir sind dann bei allen offiziellen Fahrer- und Teamchef Meetings dabei.
Klingt umfangreich….
Ja, und ab kommender Saison gibt es auch noch zweitägige Schulungen an einer europäischen Rennstrecke für die Driver Stewards als Vorbereitung.
Bei wie vielen Rennen warst Du bisher im Einsatz?
Ich glaube sieben oder acht. Am interessantesten war Baku. Um eine Altstadt aus dem 12. Jahrhundert eine Rennstrecke zu bauen ist einfach irre.
Bekommen die Driver Stewards eigentlich ein Honorar?
Nein. Wir bekommen zwar unsere Spesen gedeckt, aber alle von uns machen das aus Liebe zu unserem Sport. Es ist ein kleiner Teil, den wir zurückgeben können.
Du arbeitest ja mit anderen Stewards zusammen. Wie laufen die Entscheidungsprozesse ab?
Der Driver Steward ist dazu da die vermutliche Sicht des Fahrers bei einem Vergehen widerzugeben. Der Chef Steward spricht die Strafe aus, möchte aber verstehen, wie ein Fahrer eine Situation gesehen haben könnte. Als Driver Steward müssen wir nicht das Regelbuch auswendig kennen, sondern wir sollen unsere Einschätzung als ehemalige Piloten einbringen, warum etwas geschehen ist, wer beschuldigt werden sollte und wer nicht.
Was ist Dir lieber? Ein hektisches Rennen mit vielen Vorfällen oder ein gemütlicher Lauf?
Ein gemütliches Rennen, denn am besten ist immer, wenn die Fahrer die Fights fair auf der Strecke austragen können. Wir sollten ihnen ein wenig Spielraum geben, damit sie nicht Angst haben müssen, dass alles gleich bestraft wird. Sie sind Gladiatoren der Moderne und verdienen keine Kindergartenbestrafung.
Ist es als Ex-Pilot leichter die Jungs in den Cockpits zu verstehen als ein normaler Steward?
Auf alle Fälle. Die anderen Stewards kennen die Regeln, die Strafen, usw. perfekt. Aber so wissen nicht wie es ist, wenn man im Cockpit sitzt und in Sekundenbruchteilen entscheiden muss. Das ist kein Vorwurf, sondern einfach ein Faktum. Sie können nicht verstehen, warum ein Fahrer diese oder jene Entscheidung getroffen hat. Ich bin überzeugt, dass alle Piloten froh sind, dass es nun uns alte Hasen zusätzlich als Driver Stewards gibt.
Was war bislang deine härteste Entscheidung?
Ich hatte glücklicherweise bislang immer nur eindeutige Fälle. Aber generell kann man sagen, dass egal welche Entscheidung man trifft, es immer ein Gegenargument geben wird. Daniil Kvyat war heuer in Kanada zum Beispiel verärgert, dass er die falsche Strafe bekam, weil er die Aufwärmrunde nicht fahren konnte. Wir änderten das, aber er schimpfte dennoch wie ein Rohrspatz. Das war aber aus der Emotion heraus und ich habe vollstes Verständnis. Aber am Ende hatte er einen Fehler gemacht und erhielt eine korrekte Bestrafung.
Kannst Du Dich an noch einen spannenden Vorfall erinnern?
2015 musste Kimi (Räikkönen) in Russland erklären, wieso er Bottas (Valtteri) in der letzten Runde von der Strecke gerammt hatte. Es war ein sehr interessanter „Vortrag“ seinerseits mit Händen und Füßen. (Maurizio) Arrivabene war auch dabei und wurde ziemlich sauer. Es ist immer besser Fahrer und Teamchef getrennt zu befragen.
Welche Strafen würdest einführen, wenn Du könntest?
Gar keine. Ich würde einige weglassen. Es gibt derzeit viel zu viele Strafen. Allerdings gibt es die, weil die Teams und Fahrer uns darum gebeten haben. Und wenn wir sie aussprechen, jammern sie (lacht).
Viele Leute haben einen permanenten Driver Steward gefordert. Wie siehst Du das?
Ich denke, das wäre eine gute Idee, jemand offener, der den Fahrern ermöglicht Rennen zu fahren. Die Fahrer und Teams sollten aufhören sich gegenseitig anzuschwärzen. Und je weniger Strafen ausgesprochen würden, desto besser. Lasst uns einfach Rennfahren!
Derek Daly fuhr zwischen 1978 und 1982 in der Formel 1. Als Britischer Formel 3 Meister und Dritter der Europäischen Formel 2 stieg er zunächst bei Hesketh, dem Ex-Team von James Hunt, ein. Er fuhr auch für Ensign, March, Theodore, machte aber vor allem mit guten Leistungen im unterlegenen Tyrrell auf sich aufmerksam. Sir Frank Williams holte ihn 1982 unter der Saison als Ersatz für Carlos Reutemann, der aus dem Nichts zurücktrat. Der Ire fuhr eine gute Restsaison und kam in 12 Rennen siebenmal in die Top 7. Allerdings wurde er durch das neue Motorenprogramm mit Honda für die kommende Saison durch Routinier Jacques Laffite ersetzt. Daly wechselte über den großen Teich in die Champ Car Series und gewann auch zweimal die 12 Stunden von Sebring. Sein Sohn Conor Daly fährt heute in der IndyCar Series.
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