Die ewig brennende Frage nach dem Besten

George Russell sprang beim Sakhir Grand Prix für den COVID-19 geplagten Lewis Hamilton ein und zeigte auf, was im aktuell besten Formel 1 Rennwagen alles möglich ist. Ist Hamilton, der Jahr für Jahr Rekorde sprengt, doch nicht der Beste aller Zeiten?

Frägt man den siebenfachen Formel 1 Weltmeister Lewis Hamilton selbst, kommt wie aus der Pistole geschossen der Name „Ayrton Senna“. Lewis wuchs als Supertalent stehts mit dem Gedanken auf, es seinem Idol Senna gleich zu tun, und Formel 1 Weltmeister zu werden. Dass er dabei sein Vorbild nicht nur überflügeln, sondern auch gleich den Rekord von Michael Schumacher einstellen würde, „war niemals ein Gedanke. Diese sieben Titel schienen so weit weg. Und als ich 2008 meinen ersten eigenen WM-Titel geholt hatte, war ich schon überglücklich.“ Hamiltoni ist zweifelsohne einer der größten Piloten, die dieser Sport jemals hervorgebracht hat. Es ist nicht nur die Anzahl der Rennsiege oder der WM Titel, sondern auch die Art und Weise wie er phasenweise das Geschehen dominiert. Das erinnert absolut an Senna. Und auch an Schumacher. Und für diejenigen, die alt genug sind, wohl auch an Alain Prost, Jim Clark oder gar Juan Manuel Fangio. Aber wer ist nun dieser vielzitierte „GOAT“, dieser „Greatest of All Time“? Und woran misst man ihn? An WM-Titeln? An Rennsiegen? An eingefahrenen Punkten? Am Schnitt von Rennen zu Siegen? An seinen Gegnern?

Was braucht der GOAT?

Oft genug schimpfen die Hamilton-Gegner, er würde nur gewinnen, weil er im besten Wagen sitzt und dieser komplett überlegen sei. Der Brite saß bestimmt bei vielen Siegen im Topauto, aber erstens nicht immer, und zweitens muss man sich auch das erarbeiten. Denn kein Team baut einen grandiosen Wagen und setzt dann irgendjemand rein. Nein, man holt sich den bestmöglichen Piloten. Und dieser Pilot ist einer, der nicht nur auf eine runde pfeilschnell ist, sondern einer, der Rennen gewinnen kann. Einer, der hart und akribisch arbeitet. Einer, der topfit und immer einsatzbereit ist. Einer, der hohes technisches Know-How für die Arbeit mit den Ingenieueren mitbringt. Einer, der weiß, wie man diesen Wagen auch perfekt abstimmt. Einer, der unter Druck noch immer das Optimum bringen kann. Einer, der diesen Wagen noch weiterentwickeln, noch besser machen kann. Und einer, der das Team auch abseits der Rennstrecke sehr gut vertreten kann.

Ein Topfahrer muss immer liefern

Alle Piloten in der Formel 1 sind großartige Rennfahrer. Aber nicht alle Piloten vereinen diese Vielzahl an Qualitäten in sich. Kimi Räikkönen hasst PR Termine, Gilles Villeneuve wollte ein Auto nicht abstimmen, sondern nur damit schnell fahren, Juan Pablo Montoya hatte es nicht so mit der Fitness, usw. Nur die absolut Besten weisen die meisten der oben genannten Charakteristika auf. Leute wie Jim Clark, Jackie Stewart, Emerson Fittipaldi, Niki Lauda oder auch Senna, Prost, Schumacher, und Hamilton. Solche Leute bekommen dann auch irgendwann die Chance im Topauto zu sitzen. Und dann müssen sie Farbe bekennen, müssen liefern. Geliefert hat auch George Russell. Der Youngster hat viele Fans überrascht, aber für Insider war sein Auftritt keine Sensation. Der Williams Stammfahrer hat einiges an Mercedes-Erfahrung von Testfahrten und Simulatorarbeit. Er wird von Silberpfeile-Boss Toto Wolff gemanagt und kannte die Mercedes-Welt schon vorher. Dass er aber in einem zu engen Cockpit mit einem zu kleinen Sitz vom ersten Outing an auf Augenhöhe mit dem zuletzt schwer angeschlagenen Valtteri Bottas sein und dann auf den Rennsieg zusteuern würde, hat die Erwartungen sich übertroffen.

Der Wagen ist Teil des Pakets

Aber Russsell ist ein Supertalent. Er wird von fast allen Insidern als zukünftiger Weltmeister gesehen. Und das nicht erst seit Sakhir, sondern schon zu seinen GP3 und Formel 2 Zeiten. Daher ist es falsch zu glauben, dass sich jeder Affe, wie Niki Lauda zu sagen pflegte, in den Mercedes setzen und damit den Grand Prix gewinnen kann. Es ist ebenso falsch zu glauben, dass Lewis Hamilton ein „schlechterer Weltmeister“ oder gar ein „unwürdiger Champion“ sei, weil er so manchen Titel im besten Auto geholt hat. Das haben fast alle Weltmeister der Königsklasse, angefangen von Fangio über Lauda, Prost, Nigel Mansell, Senna, Schumacher oder auch Sebastian Vettel. (So mancher Nummer 1 Pilot ließ sich dann auch noch verschiedene Klauseln in seinem Vertrag gegen den Teamkollegen fixieren, um quasi am „grünen Tisch“ intern abgesichert zu sein.) Vettels Red Bull war dermaßen überlegen, dass Bernie Ecclestone und die FIA sogar eine Änderung des Regulativs vorantrieben. Schumis Ferrari oder der McLaren von Senna und Prost degradierten die Konkurrenz zu reinen Statisten um den Grid aufzufüllen. Und keiner dieser Wagen war ohne das Zutun der Topfahrer so gut. Sie hatten und haben sowohl enormen Anteil an der Entwicklung und holen auf der Strecke auch immer das Maximum heraus.

Die Antwort auf die Frage, wer nun der GOAT der Formel 1, also der beste Fahrer aller Zeiten ist, muss schlichtweg unbeantwortet bleiben.

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