Der stille Champion

nico-and-kekeWie sein Vater vor drei Jahrzehnten, sicherte sich Nico Rosberg 2016 den Formel 1 Weltmeistertitel, schockte dann aber alle mit seinem sofortigen Rücktritt

Als Weltmeister Nico Rosberg anlässlich der FIA Prize Giving Gala in Wien der versammelten Weltpresse seinen Rücktritt aus der Königsklasse bekanntgab, trauten viele ihren Augenh und Ohren nicht. Nach 25 Jahren im Rennsport möchte sich der frischgebackene Champion nun seiner Familie widmen und hängt den Helm an den Nagel.

Motorsport von der Wiege an

Als der raubeinige, aber pfeilschnelle Lebemann Keke Rosberg für Sir Frank Willams 1982 Formel 1 Weltmeister wurde, war Sohn Nico noch nicht einmal geplant. Doch als der drei Jahre später geborene Junior alt genug war, saß er sofort im Go-Kart und zeigte dieselbe Leidenschaft hinter dem Lenker wie sein alter Herr. Vater Keke gab dem Knirps alles weiter, tumblr_inline_nkbg5koooq1razg08was er übers Rennfahrern wusste, verbrachte zig Stunden auf der Kartingbahn mit Nico. Doch zum „Gelingen“ steuerte Mutter Gesine noch Höflichkeit, Weltgewandtheit, Zugänglichkeit und weitere wichtige Charaktereigenschaften bei, die aus dem Junior eine salonfähige 2.0-Version des Seniors machte. Nun sind sie das zweite Vater-Sohn-Duo nach Graham und Damon Hill, das Formel-1-Champion ist.

Viel Talent und wichtige Titel

Nach fünf Jahren im Kartsport, stieg der junge Deutsche in die Formel BMW ein, gewann die deutsche Meisterschaft 2002. Von dort ging es die F3 Euroseries, wo er in Spanien 2004 den Titel holte und 2005 auf Anhieb GP2 Champion wurde. 2006 trat Rosberg für Williams erstmals in der Formel 1 an, kam auf Anhieb in die Punkteränge und drehte die schnellste Runde. Immer wieder gelangen ihm mit dem unterlegenen Williams Podiumsplätze und als Mercedes sich 2010 zum Wiedereinstieg in die Formel 1 entschloss, holte man Rosberg neben Rückkehrer Michael Schumacher ins Team. „Das war schon ein Schock als ich hörte, wen sie da neben mich ins Auto setzen“, gibt Nico heute zu.

formula-1Große Erfolge in Silber

Nach zwei harten Lehrjahren gelang Nico 2012 in China sein erster Grand Prix Sieg, auch der erste für die Silberpfeile der neuen Ära. 2013 folgten zwei weitere Triumphe, ehe Mercedes ab 2014 der dominierende Rennstall wurde. Rosberg duellierte sich drei komplette Saisonen auf allerhöchstem Niveau mit Lewis Hamilton. Zweimal war er unterlegen, doch 2016 reichte es. In einem höchst dramatischen Finale in Abu Dhabi krönte sich Rosberg völlig verdient mit einer perfekten Fahrt zum dritten deutschen F1 Champion. „Ich habe alles getan, was ich konnte. Nico hat einen großartigen Job gemacht“ gratulierte Hamilton fair. „Ich bin so froh, dass es jetzt vorbei ist. Lewis zu schlagen, ist unglaublich schwer“ vergoss Nico Freudentränen.

nico-rosberg-niki-lauda-2016-chinese-gp-mercedes_3450279Überraschender Abgang

„Nico war heuer so gut wie noch nie. Bissig, angriffig, aber auch abgeklärt und mit kühlem Kopf. Als er wusste, dass er es mit zweiten Plätzen nachhause bringen kann, hat er das souverän gemacht“, erklärt Sky Sport Experte und Ex-Formel 1 Fahrer Marc Surer. Rosberg gewann neunmal in den ersten 17 Rennen, zog mit dieser Machtdemonstration dem bisherigen König Lewis Hamilton den Zahn. Aber nun hatte er sich seinen Kindheitstraum erfüllt, sah er seine Mission erfüllt. Daher wählte der dritte deutsche Formel-1-Weltmeister nach Rekordchampion Michael Schumacher und Sebastian Vettel statt der Titelverteidigung die Frühpension. „Aber ich möchte der Formel 1 in einer anderen Form erhalten bleiben. Sie ist und bleibt mein Sport“ sagt der Champion. Wenig Freude hatte Niki Lauda, der nun vor Weihnachten einen Nachfolger aus dem Hut zaubern muss.

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