Die meisten Menschen werden den Namen John Booth automatisch mit dem Attentäter von Präsident Abraham Lincoln von 1865 verbinden – Motorsport-Fans jedoch sofort mit dem Marussia F1 Teamchef
Der 59-Jährige aus Rotherham ist ein sehr geselliger Typ. Wenn man ihn kennt und am Marussia Motorhome bei einem Grand Prix vorbeispaziert, stehen die Chancen gut, dass er einen auf ein Plauscherl hereinwinkt, als wäre man bei einer Formel Junior Veranstaltung. Booth hat es durch harte Arbeit und Leidenschaft und nicht durch Politik in die Formel 1 geschafft. „Racing ist nicht mehr so, wie es früher war. Die geschäftliche Seite der Formel 1 nimmt den Großteil meiner Zeit ein. Aber ich liebe meine Job noch immer“, gab er zu. Bevor er in den Rennsport einstieg, war John Pilot. „Ich verließ die Schule mit 15 und begann zu fliegen. Ich wollte Berufspilot werden, aber dann stieg ich doch ins Familienunternehmen im Lebensmittelhandel ein. Bis ich mein erstes Rennauto zu sehen bekam natürlich“, lacht er. Das war 1977 beim Sechs-Stunden-Rennen in Silverstone, wo er sofort von den Formel-Ford-Autos fasziniert war. „Als ich sah, wie Jim Walsh, der zu dieser Zeit alles gewann, mit einigen irischen Konkurrenten zu viert in die Woodcote einbog, war ich süchtig. Ich kaufte mir einen Hawke DL19 und fuhr Rennen. Natürlich hatten wir keine Ahnung, was wir da taten.“ Der etablierte Fahrer John Village aus Sheffield wurde sein Mentor und bald begann Booth regelmäßig zu siegen. Doch für ihn war „Rennfahren zwar ernst, aber immer nur Vergnügen. Ich habe nie wirklich weiter vorausgedacht, als bis zum nächsten Rennen.“ 1988 hängte er den Helm an den Nagel und managte Villages Team.
Nur zwei Jahre später gründete er Manor Motorsport. Der britische Rennstall hat bis heute 19 Meistertitel in der Formel Renault, der F3 Euroserie, usw. geholt und ist aus dem Rennsport nicht mehr wegzudenken. Im Laufe der Jahre ist aus dem ehemaligen Metzger ein professioneller Teamchef und Geschäftsmann geworden, der unter anderem Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton das Rennfahren lehrte. „Kimi fuhr viel zu lange Kart, weil er nicht das Geld für eine andere Serie hatte.“ Booth brachte den Finnen in die Formel Renault, wo er 2000 in der britischen Meisterschaft alles in Grund und Boden fuhr. „Die Formel Renault war die perfekte Verbindung von Autos mit Slicks und Flügeln. Kimi war ein Naturtalent und brauchte nur drei Tests um das Maximum herauszuholen. Danach schien er eigentlich ein wenig gelangweilt, denn es war keine Herausforderung für ihn.“ Während Booth geplant hatte mit dem „Iceman“ in die F3 aufzusteigen, baten ihn seine Agenten Dave und Steve Robertson, ein Referenzschreiben an Peter Sauber aufzusetzen. „Ich war mir sicher, dass er noch nie von mir gehört hatte und ihn meine Meinung nicht interessieren würde. Aber ich schrieb den Brief und der Rest ist Geschichte.“ Gerade als er seinen Starfahrer verloren hatte, brachte ihm ein Zufall einen neuen Rohdiamanten – Lewis Hamilton. „Mein Geschäftspartner David Matthews betreibt ein Hotel in St. Barts und McLaren Teilhaber Mansour Ojjeh war dort auf Urlaub. Kurz gesagt, Mansour besorgte uns einen Termin mit Martin Whitmarsh von McLaren und als Lewis bereit war für unsere Autos, rief Martin an.“ Hamilton war zwei Jahre bei Manor, dominierte 2003 die britische Formel Renault, und gewann wichtige Erfahrungen in der F3 ein Jahr später.
Mitte 2009 suchte das Team um einen Platz in der Formel 1 für die kommende Saison als Manor Grand Prix an. Allerdings wurde der Name geändert, als Milliardär Richard Branson Anteile erwarb und auf Virgin Racing bestand. Zu der Zeit, prahlte Virgin Chef Branson „dies wird der Rennteam mit dem kleinsten Budget in der Formel 1 werden. Geld ist nicht alles.“ Er hatte nicht ganz recht mit dem Budget, denn da gibt es immer noch Caterham, aber mit der Prämisse über Geld lag er völlig daneben, denn in der Formel 1 ist Geld (fast) alles. Als Branson das Interesse verlor, übernahm der russische Sportwagenhersteller Marussia, aber Booth blieb für den Bereich Operations zuständig. Und trotz seines Fokus auf F1, unterhielt Manor weiterhin ein Junior-Team, nach dem Ausstieg aus der F3-Euroserie nun in der für 2010 neuen GP3 Serie. „Mein Herz hat immer für die britische F3 Meisterschaft geschlagen. Denn die F3 Vorschriften sind in vielem fast identisch mit der F1. Aber es gibt viel mehr Freiheiten in der F3 und als Team oder Ingenieur kannst Du eine Menge zum Ausgang des Rennens beitragen. Aber GP3 ist heute der Standard, auch Du selbst nicht viel tun kannst, falls Du keine zwei Topfahrer hast.“ Das Marussia Virgin GP3 Team von Pete Silwinski wurde 2011 Meisterschaftsdritter, einmal 4. Und zweimal 5. Heuer hat Dean Stoneman bereits drei Rennsiege eingefahren.
2014 ist die fünfte Saison für die „neuen“ Teams, und während Caterham noch immer auf den ersten Punkt wartet, machte Supertalent Jules Bianchi Booths Traum in den WM-Punkten zu landen diese Saison in Monaco wahr. „Ich denke, wir haben uns operativ Jahr für Jahr verbessert. Wir sehen nun wie ein richtiges F1-Team aus und arbeiten auch wie eines. Jules (Bianchi) und Max (Chilton) halten zu können, war eine äußerst wertvolle „Bekannte“ für diese Saison, die voll von Unbekannten ist. Obwohl die Positionen während des Jahres nicht so anders im Vergleich zum Vorjahr waren, waren wir vom Speed viel näher an der Spitze dran“, sagte Booth. Und die Zahlen geben ihm Recht. Während Marussia 2012 von den etablierten Teams in Q1 2,03 Sekunden im Durchschnitt weg war, wurde der Abstand 2013 auf 0,92 Sekunden verringert. Diese Saison sind es gar nur 0,34 Sekunden. Aber natürlich war Bianchis neunter Platz im monegassischen Fürstentum Booths F1 Highlight bisher. „Wir waren über dieses Ergebnis überglücklich. Es war eine fantastische Belohnung für all die harte Arbeit und Entschlossenheit, in den vergangenen vier Saisonen.“ Dank dieser beiden Punkte, liegt Marussia noch vor Sauber und Caterham in der Konstrukteurs-WM und hat bereits eine Hand an Bernie Ecclestones „Punkte Geld Topf“. Allerdings ist Racer Booth bereit für mehr: „Wir verbesserten unser Auto stetig über die Sommerpause und haben ein wenig mehr auf Sauber aufgeholt. Die Zuverlässigkeitsprobleme der anderen Teams (Lotus) spielen uns natürlich auch in die Hände.“
Der 25-jährige Franzose Bianchi, der das Aushängeschild der Ferrari Junior Akademie ist, beeindruckt seit seinem Debüt für die Nachzügler. „Es ist offensichtlich, dass wir mit Jules und seiner Arbeit sehr zufrieden sind. Daher ist es nur logisch, dass wir ihn auch 2015 halten wollen, aber wenn Ferrari ihn braucht, ist es sehr klar, dass er zu ihnen gehört“, macht Booth keine Umschweife. Das aus Banbury stammende Team „gehört jetzt zur Ferrari-Familie und unsere Beziehung ist sehr gut.“ Während die Ferrari Partnerschaft gut läuft, kam es jüngst zur Trennung zwischen dem Rennteam und dem russischen Supersportwagen-Hersteller. Marussia-Präsident Nikolai Fomenko hat die Produktion eingestellt, entließ alle Straßenauto Ingenieure und begann mit dem Verkauf der Unternehmensanteile. Statt Marussia Motors gehört der Rennstall nun der neuen Firma Marussia Communications Limited. Aber Booth hat angedeutet, er sei nicht ganz sicher, was die Zukunft für Marussia bringen wird. „Ich kann nicht über Garantien der Investoren für das Jahr 2015 und darüber hinaus sprechen. Das sind natürlich Interna. Aber wir haben allen Grund, an uns selbst und eine positive Zukunft zu glauben.“
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