Das Dilemma der Strategiegruppe – FIA kassiert 40 Millionen Dollar jährlich

Das Dilemma der Strategiegruppe – FIA kassiert 40 Millionen Dollar jährlich
In den letzten Monaten hört man oft von der Strategie-Gruppe und der F1 Kommission.

Heute beschäftigen wir uns mit den Fragen:
– Wie entstehen die Regeln in der Formel 1?
– Wieso eine Reglementrevolution unmöglich erscheint?
– Was die FIA mit der ganzen Sache zu tun?

Ende 2012 wurde eine neue Struktur für den Regelfindungsprozess beschlossen. Um das Reglement zu ändern muss nun folgende Prozedur eingehalten werden.
Reglementprozess

Schritt 1: F1 Strategiegruppe
In diesem Gremium werden Vorschläge für Änderungen diskutiert. Sie setzt sich aus drei Blöcken zusammen, die jeweils 6 Stimmen besitzen.
Strategiegruppe
Teams – Ferrari, Mercedes, Red Bull, McLaren und Williams haben einen Fixplatz. Der letzte Platz geht an das jeweils bestplatzierte Team außerhalb der gesetzten Fünf. In diesem Jahr ist dies Force India, im letzten Jahr war es Lotus. Die restlichen Teams gehen leer aus.
FIA – mit Präsident Jean Todt an der Spitze
Formula One Group (Rechteinhaber) – CEO Bernie Ecclestone

Strategiegruppe Teams
Insgesamt gibt es 18 Stimmen. Für einen Beschluss ist eine einfache Mehrheit erforderlich, also 10 Stimmen.

Schritt 2: F1 Kommission
Ist es ein Beschluss der Strategiegruppe zustande gekommen, geht es weiter zur F1 Kommission:
Die F1 Kommission kann keine eigene Vorschläge einreichen, sie kann nur über Vorschläge der Strategiegruppe abstimmen. Für einen Beschluss sind 70% der Stimmen erforderlich.

F1 Kommission

Schritt 3: Motorsportweltrat (WMSC)
Letzten Endes muss der Motorsportweltrat (WMSC) die Regeländerungen noch absegnen, was aber meistens nur reine Formsache ist.

Jean Todt verkauft Reglementhoheit der FIAJean Todt_FIA
Bernie Ecclestone hat gegenüber „Forbes“ enthüllt, dass sich die FIA für die Einführung der Strategiegruppe jährlich 40 Millionen Dollar bezahlen lässt. Ecclestone damals: „Sie haben die Rechte verkauft. Wir haben die Strategiegruppe jetzt. Wir zahlen ihnen dafür $ 40 Millionen jährlich“.

Die FIA kann das Geld gut gebrauchen, 2012 hat sie einen Verlust in Höhe von 3,4 Millonen Dollar gemacht. Zusätzlich hat die FIA einen 1% Anteil der F1 Muttergesellschaft Delta Topco erhalten. Dieser Anteil ist rund 120 Millionen Dollar wert. Überhaupt hat man das Gefühl, Jean Todt hält sich gerne aus dem F1 Geschäft heraus. Er konzentriert sich viel lieber auf das FIA Road Safety Programm.

Das Dilemma der Strategiegruppe
Alle Beteiligten wollen nur ihre eigenen Interessen durchsetzen und blockieren sich dadurch gegenseitig. Die Vorschläge zur Kostensenkung werden von den großen Teams abgelehnt, sie können daher gar nicht in der F1 Kommission zur Abstimmung gelangen.
Unter diesen Umständen wäre eine Reglementrevolution 2017 ein kleines Wunder, zu verschieden sind die Vorstellungen der Beteiligten.
Die kleinen Teams haben dabei gar nichts mitzureden, sie müssen darauf hoffen, dass die großen Teams in der Strategiegruppe auch ihre Interessen vertreten. Die Hoffnung wurde allerdings schon längst aufgegeben. Will man die Strategiegruppe vor 2020 wieder loswerden, bleibt wohl nur der Gang zur EU Kommission.

Verstößt die Einführung der Strategiegruppe gegen EU Wettbewerbsrecht?
1999 hatte die EU Kommission bereits schon einmal gegen die Formel 1 im Rahmen eines Kartellverfahrens ermittelt. In der abschließenden Pressemitteilung hielt sie fest:

„die Rolle der FIA auf die eines sportlichen Regulierungsorgans beschränkt wird, so dass keine Interessenskonflikte wirtschaftlicher Natur entstehen“
„Während dieser Zeit wird die eindeutige Trennung der kommerziellen von der sportregulatorischen Tätigkeit der FIA durch die Übertragung der wirtschaftlichen Beteiligungen der FIA an eine unabhängige Einrichtung gewährleistet. Diese unabhängige Einrichtung wird die Beteiligungen der FIA lediglich verwalten und nicht in die Vermarktung der Formel Eins eingreifen.“


Es könnten gleich mehrere Punkte für die EU Kommission relevant sein:
– die FIA hält einen 1% Anteil an der Delta Topco. Dazu bekommt man jährlich 40 Millionen Dollar von den Rechteinhabern. Damit könnte es wieder zu Interessenskonflikte kommen.
– Die eindeutige Trennung zwischen kommerziellen und sportregulatorischen Tätigkeiten kann nicht mehr gewährleistet werden. Die Rechteinhaber haben durch die Strategiegruppe eine zu große Einflussmöglichkeit auf das Reglement. Bestes Beispiel sind die doppelten Punkte in der vergangenen Saison.
– Ist es wettbewerbsrechtlich in Ordnung, dass fast nur ausgewählte Teams in der Strategiegruppe sitzen? Hier scheinen die Verträge wasserdicht zu sein, da die Anwälte von Ecclestone gute Arbeit geleistet haben.

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