Corinnas Corner – Ungarn GP

Formelaustria Markenbotschafterin Corinna Kamper spricht über die McLaren Teamorder, Verstappens kurze Zündschnur, Leclercs Schadensbegrenzung, und vieles mehr

Es ist schon einige Jahre her, dass eine Teamleistung so dominant und gleichzeitig so dramatisch war. Der Große Preis von Ungarn 2024 wird zweifellos in Erinnerung bleiben. McLaren feierte einen brillanten Doppelsieg – zuletzt erreichten sie das in Monza 2021. Besonders hervorzuheben ist Oscar Piastris erster Grand Prix Triumph. Doch hinter diesem Erfolg verbarg sich eine seltsame Show: Teamkollege Lando Norris wurde gebeten, Piastri zwei Runden vor der Zielflagge vorbeizulassen.

McLaren hat in den letzten Rennen eine Reihe starker Leistungen gezeigt. Es besteht kein Zweifel, dass sie derzeit das stärkste Auto auf der Strecke haben. Ob sie das Maximum aus ihrem schnellen Fahrzeug herausholen, sei es in Bezug auf Strategie oder Teamperformance, bleibt jedoch umstritten. Norris hatte einen Undercut gegen Piastri vollzogen, um Hamilton abzudecken und die Doppelführung zu sichern. Ich verstehe die Gründe hinter dieser Entscheidung, besonders im Kontext der letzten Rennen, in denen man einige gute Ergebnisse verschenkte. McLaren hätte in Kanada und Österreich gewinnen können und auch in Silverstone war ein Sieg möglich.

Zak Browns Team musste ein gutes Ergebnis einfahren und den Lauf schlechter Entscheidungen durchbrechen. Daher entschied man sich für eine konservative Herangehensweise. Hamilton rückte auf Norris auf und hätte eine Gefahr für P2, vielleicht sogar den Rennsieg sein können. Rückblickend war es aber wohl nicht notwendig, so stark gegen Hamilton zu verteidigen. Es war ihnen wichtiger, das Ergebnis sicherzustellen, als zu entscheiden, welcher ihrer Piloten gewinnt.

Es ist leicht, im Nachhinein über das Rennen zu urteilen und zu spekulieren, welche Entscheidungen besser gewesen wären. Überholen ist auf dem Hungaroring nicht einfach, und die lange DRS-Zone führte nicht zu den gewohnten Platzwechseln. Man könnte argumentieren, dass Piastri früher hereingeholt werden hätte sollen. Reifenmanagement und Strategie spielten ebenfalls eine große Rolle. Landos Ingenieur wurde zunehmend frustrierter, als er versuchte, seinen Schützling zum Tausch zu bewegen. Der Teamleader funkte, Piastri solle einfach aufholen. Zwei Runden vor Rennende ließ er ihn schließlich durch.

Hätte das Team anders entscheiden sollen? Es geht um Meisterschaftspunkte für Norris, der 189 Punkte hinter Max Verstappen (265) rangiert. Kann McLaren weiterhin so viele Punkte sammeln, oder wird Red Bull weiterhin Fehler machen, damit Norris die Lücke schließen kann? Andererseits ist es auch wichtig, die Teamstimmung aufrechtzuerhalten. Da das Team Norris zuerst reinholte, war der Tausch nur fair gegenüber Piastri.

Auch in der „Bullenfamilie“ war das Wochenende sehr spannend. Viele Fahrer waren mit der Strategie unzufrieden, wohl am meisten Verstappen. Er war schon nach dem Duell in Turn 1 genervt, wo er weit gehen und „seinen“ Platz zurückgeben musste. Und er merkte, dass er nicht die Geschwindigkeit der McLaren hatte. Hamilton rückte näher, es wurde heißer im Auto, und der Rennverlauf verstärkte seinen Frust. Die Strategie von Red Bull, den ersten Stint so lange wie möglich zu fahren, passte ihm nicht, und er beanspruchte durch seinen Ärger die Reifen zu sehr. Verstappen verhielt sich am Funk und in den Interviews danach dem Team gegenüber unfair. Der Druck lastet auf ihm, da er und Red Bull nicht mehr so dominieren, er hatte wenig geschlafen, und die Sommerpause steht kurz bevor. Sein Ingenieur nannte ihn sogar kindisch, was selten vorkommt.

Auf der anderen Seite der Garage lief es für Checo Perez ebenfalls nicht besser. Er crashte erneut im Q1, zum vierten Mal in den letzten sechs Rennen, konnte sich dann noch bis auf Platz sieben vorarbeiten. Trotz ordentlicher Leistung im Rennen, bleibt das Qualifying seine Schwachstelle. Sollte Red Bull einen Ersatz für Perez suchen, wäre Liam Lawson eine mögliche Option. Auch Tsunoda hätte eine Chance verdient, obwohl Christian Horner dagegen ist. Ricciardo würde ebenfalls gerne wieder bei Red Bull einsteigen, aber ob er besser wäre als Perez, bleibt fraglich. Bis Ende der Saison bleibt Perez wahrscheinlich im Team, mangels besserer Alternativen. Quer durch das Feld waren viele Fahrer am Sonntag frustriert. Alonso war verärgert über die Teamorder bei Aston Martin, Ricciardo genervt von seinem kurzfristigen Boxenstopp, Albon von der im Rennen zweimal gewechselten Strategie.

Charles Leclerc fuhr ein gutes Rennen, doch Ferrari steckt im Niemandsland fest. Leclerc lieferte sich einen guten Kampf mit Hamilton und Verstappen. Probleme mit den Updates sind der Hauptgrund für Ferraris schwache Leistung, während McLaren und Mercedes Fortschritte machten. Ferraris Strategie war jedoch auf den Punkt und Leclerc holte das Beste aus dem Auto heraus.

Aufgrund der Streckencharakteristik, die Red Bull entgegenkommt, könnte man am kommenden Wochenende in Spa-Francorchamps wieder stärkere Bullen sehen. McLaren wird dranbleiben, Ferrari kann nur mithalten, wenn sie ihr Bouncing-Problem lösen. Mercedes bleibt eine Wundertüte.

Ungarn bot viele dramatische und emotionale Momente, die zeigen, wie wichtig Teamstrategie und -entscheidungen im Rennsport sind. McLaren hat bewiesen, dass sie jetzt zur Spitze gehören, aber es bleibt abzuwarten, ob sie weiterhin auf diesem Niveau bleiben können. Red Bull und Ferrari müssen ihre Strategie und Performance verbessern.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Corinna

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