Jenson Button ist nicht nur der Weltmeister von 2009, sondern auch heute noch einer der beliebtesten Gesichter im Formel 1 Paddock. Formelaustria hat mit ihm über die abgelaufene Saison, die Änderungen 2022, seine Karriere und vieles mehr gesprochen
Jenson, kurz vor Saisonende warst Du überzeugt, dass Lewis Hamilton den Titel holen würde.
Ja, war ich. Lewis‘ Leistungen in den letzten Rennen waren enorm. Auch sein Auto hat großartig funktioniert. Und es wäre wohl sein größter Titel geworden, da er einen echten, harten Kampf mit Max (Verstappen) hatte. Natürlich war es auch 2008 schon eng, aber gegen Max anzutreten ist sicher noch spezieller.
Aber dann ist Max Verstappen Weltmeister geworden….
Ehrlich gesagt, tue ich mir immer noch schwer, die ganzen Regeln und Entscheidungen in Abu Dhabi zu verstehen. Aber Max und Lewis sind zwei der besten Jungs in der Formel 1, wohl auch zwei der besten, die je einen Rennwagen gefahren sind. Jeder von ihnen hatte den Titel verdient. Max lernt sehr schnell und er hat gemerkt, dass Lewis seit Silverstone viel aggressiver war. Daher hat auch er auf der Strecke noch härter gekämpft, ging bis ans Limit und manchmal darüber. Aber Max ist kein schmutziger Fahrer ist, ganz bestimmt nicht.
George Russell ersetzt Valtteri Bottas, der zu Alfa Romeo geht. Wie siehst Du seinen Wechsel?
Es ist immer seltsam, wenn man von einem Top-Team zu einem kleineren Rennstall wechselt. Aber Valtteri hat nun einen langfristigen Vertrag, ich glaube sogar zum ersten Mal. Das gibt eine gewisse Sicherheit, auch wenn es ein harter Schlag ist, nicht mehr bei Mercedes zu sein. Er muss jetzt fokussiert bleiben, das Team um sich herum aufbauen, und hoffen, dass sie die Gelder und Manpower haben, um voranzukommen.
Welchen Rat würdest Du George in seinem ersten Jahr bei Mercedes geben?
Ich glaube nicht, dass er wirklich meinen Rat braucht. Die Hauptsache ist, dass er einfach selbst bleibt. George hat den Kopf immer am richtigen Fleck und er ist ein toller Mensch. Er hat enorm viel natürliches Talent, aber er arbeitet auch hart. Er sollte einfach versuchen nicht jemand zu sein, der er nicht ist.
Kommende Saison werden zahlreiche Regeländerungen greifen. Wie werden sich diese auf den Sport auswirken?
Hoffentlich verändern sie ihn zum Besseren. Die Rennen sollten noch besser werden, das Feld sollte durch die veränderte Aerodynamik näher zusammenrücken. Durch den Ground-Effekt sollte es für das nachfolgende Auto weniger Dirty Air geben.
Werden wir also auch neue Teams im Titelkampf sehen?
Ich denke immer noch, dass die Top-Teams an der Spitze bleiben werden, aber vielleicht kommen Ferrari und McLaren noch ein Stück näher. Darauf hoffen wir alle. Denn vier Teams, die um die Meisterschaft kämpfen, sind natürlich noch cooler, auch wenn die Saison 2021 schon absolut klasse war.
Du bist gemeinsam mit einigen Weltmeistern im Team gefahren. Wie war zum Beispiel Fernando Alonso?
Fernando ist ein gerissener alter Fuchs. Er wusste immer schon genau, was er tun musste, um zu gewinnen. Er hat den Speed, aber er verstand auch die Strategie und er wusste, was er mit den Ingenieuren tun musste, um sie auf seine Seite zu bringen.
Und Lewis Hamilton?
Lewis war immer unkompliziert, superschnell und konnte wirklich alles fahren, wo man ihn reinsetzte. Aber ich denke, der Lewis von heute ist ganz anders als jener damals. Er hat nun auch die Erfahrung. Damals fuhr er einfach jede Runde Vollgas. Heute weiß er, was er tun muss, um das Beste aus dem Auto von A nach B herauszuholen.
Und wie würdest Du Dich als Rennfahrer beschreiben?
Für mich war es immer wichtig, ein Team hinter mir zu haben. Ich bin keiner, der einfach in ein Auto springt. Wenn es nicht zu meinem Stil passt, dann funktioniert es für mich einfach nicht. Ich brauche ein Auto, das man um mich herum entwickelt hat und ein Team, das mich unterstützt, um den Wagen in meine Richtung zu entwickeln.
Wer war Dein großes Vorbild?
Alain Prost. 1999 habe ich Alain zum ersten Mal getroffen und er hat mir die Möglichkeit gegeben, einen richtigen Test in einem Formel-1-Auto zu machen. Er war damals mein Held. Er hatte vier Weltmeistertitel in der Formel 1 gewonnen und ich mochte seine Fahrweise sehr. Das war für mich der Stil, den ich hatte – zu versuchen, so rund und präzise wie möglich zu sein. Er hat wahrscheinlich den größten Unterschied in meiner Karriere gemacht.
Wenn Du etwas an Deiner Karriere ändern könnten, was wäre das?
Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber wahrscheinlich wäre ich noch länger in der Formel 1 geblieben. Zum Glück sagten mir alle Freunde, dass ich 2014 noch ein Jahr anhängen soll, als ich schon in Rente gehen wollte. Das habe ich dann noch öfter gemacht und habe mich erst 2016 in den Ruhestand verabschiedet. Ich bekam einige Anrufe, nach einem Jahr Pause nochmals zurückzukommen. Ich hätte es wahrscheinlich versuchen sollen, aber ich habe mich dagegen entschieden.
Du bist inzwischen selbst Teamchef (in der Extreme E). Wie geht es Dir damit?
Ich bin deutlich nervöser als bei Rennen, die ich selbst gefahren bin! Das liegt daran, dass ich es nicht selbst in der Hand habe. Wenn man Rennen fährt, ist man selbst am Drücker, aber als Teambesitzer ist es ganz anders. Das Adrenalin, wow! Mein Herz schlägt vor dem Start wie verrückt. Aber ich liebe diese Erfahrung!
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