Wenige Tage nachdem er seinen Vater bei einem Flugzeugabsturz verloren hatte, holte sich Gerhard Berger in Hockenheim Pole-Position, Schnellste Runde und Sieg
Es war eines der denkwürdigsten Rennwochenende der Formel 1: Gerhard Berger holte in Hockenheim trotz dramatischer Umstände seinen zehnten – und letzten – Grand-Prix-Sieg. Wenige Tage zuvor war sein Vater bei einem Flugzeugabsturz zu Tode gekommen und er selbst hatte wegen einer Kieferhöhlenentzündung drei Rennen aussetzen müssen. Sein Platz im Benetton-Team war von Landsmann Alexander Wurz übernommen worden und Bergers Rückkehr von Teamchef Flavio Briatore nicht wirklich gewollt.
Vom Krankenbett zum Rennsieg
„Hockenheim war einer meiner besten Siege. Mein privates Umfeld war zu dieser Zeit für mich wahnsinnig schwierig. Ich war davor im Krankenhaus mit einer Kieferhöhleninfektion, war noch nicht fit, wurde auch beim Team kritisch gesehen, weil die Saison nicht optimal gelaufen ist. Dann habe ich auch noch meinen Vater verloren. In Hockenheim hat eigentlich niemand Verständnis gehabt, warum ich hier bin“, erinnert sich Berger. „Das Auto war kein Siegerauto. Alle Zeichen standen gegen mich. Aber irgendwie hat sich das auf meinen Kopf ausgewirkt. Ich war in diesem „jetzt erst recht“ Modus.“
Die Schlange Briatore
Schon lange vor dem Deutschland Grand Prix war das Klima im Team aber unrund. Erstmals fühlte sich der Starpilot nicht wohl in einem Rennstall. „Das war das erste Team, in dem ich mich nicht wohlgefühlt habe. Alle waren nett zu mir, aber irgendwie war das nicht mein Team.“ Besonders Teamboss Briatore hatte Berger zuerst mit seiner schillernden Art angelockt und ihn später fallen lassen. „Ich wollte in Kanada schon fahren, wollte Antibiotika nehmen. Aber Flavio hatte hinter meinem Rücken mit dem Doktor geredet. Es war dann besser, dass ich die OP hatte, aber die Vorgehensweise hat mir nicht gefallen.“ Während der Tiroler operiert wurde, sorgte Landsmann Alex Wurz für Furore. „Das war für mich aber in diesem Moment kein Problem, denn der Alex war unser Testfahrer und ich war im Krankenhaus. Das war eine logische Entscheidung. Aber wie es weiterging, war nicht OK. Die Leute hatten mich abgeschrieben. ‚Der war jetzt im Krankenhaus, sein Vater ist gerade abgestürzt, der sollte einmal Testfahrten machen‘Es war irgendwie eine seltsame Stimmung.“
In Gedanken beim Vater
Vor dem Rennwochenende in Deutschland kündigte Berger auf einer Pressekonferenz an, 1998 nicht mehr für Benetton zu fahren. „Es war schon auf Benetton bezogen, aber die Gedanken ans Karriereende waren absolut präsent.“ Und dann kam Hockenheim. Berger zeigte schon lange nicht mehr bei ihm gesehene Aggressivität, Entschlossenheit und unglaublichen Speed. „Es ist alles wie am Schnürchen gelaufen. Ich habe in jeder Runde meinen Kopf gesagt, dass ich es der Welt beweisen will. Es war mir eigentlich alles wurscht. Ich habe mir gesagt, ich will dieses Rennen gewinnen.“ Erst am Stockerl fiel die ganze Last ab. „Ich weiß noch, dass ich am Weg zum Podium ziemlich gerührt war. Ich stand auf dem Podium und habe überlegt: Wie gibt es das eigentlich? Es gibt vielleicht doch irgendwo einen lieben Gott oder irgendjemanden, der Regie führt. Denn es lag nicht am Auto, das überlegen war. Die Situation war scheiße, die körperlichen Voraussetzungen waren scheiße – und dann gewinne ich alles. Ich habe am Podest ständig an meinen Vater gedacht.“
BREAKING NEWS: Williams in Barcelona nicht bei Tests!
Atlassian Williams F1 Team wird aufgrund unvorhergesehener Umstände nicht am Preseason Test in Barcelona teilnehmen!
Audi F1 Team launcht eigene Akademie
Das Audi Revolut F1 Team hat den Launch seines Fahrerentwicklungsprogramms bekanntgegeben.