Andretti: „Michael war nicht der Grund für die erste Absage!“

Im Gespräch mit PlanetF1 und Formelaustria.at spricht Mario Andretti über seine Rolle bei Cadillac F1, das Ausscheiden seines Sohnes Michael, und seine lange, erfolgreiche Karriere

Mario, Du bist nun Projektleiter bei Cadillac F1. Hattest Du nie vor Teambesitzer zu werden?

Das war nie wirklich auf meinem Plan. Vieles begann damit, dass Michael Teambesitzer wurde. Er tritt nun ein wenig zurück. Als ich eingeladen wurde, weiterhin beim Cadillac-Team zu bleiben und ein Mitspracherecht bei den Fahrern und all dem zu haben, habe ich festgestellt, wie mich das interessiert, mehr als alles andere.

Gab es ein Formel 1 Team, mit dem Du am liebsten zusammengearbeitet hast?

Als wir bei Lotus anfingen zu gewinnen, lief es rund, weil wir etwas gefunden hatten. Und wann immer man anfängt, Ergebnisse zu erzielen, bekommt man Schwung. Dieser Schwung scheint abstrakt, aber in allen Sportarten scheint man sich, sobald man dieses Niveau erreicht hat, mit nichts weniger zufrieden zu geben; jeder arbeitet einfach ein bisschen härter. Ich habe mich auch bei Ferrari sehr wohl gefühlt, weil ich wusste, dass sie die Ausrüstung hatten, um Ergebnisse zu erzielen.

Apropos wohlfühlen – ist es für Dich nicht bittersüß, dass Dein Sohn Michael nun doch nicht dabei ist?

Absolut. Er hat die Sache begonnen, hat sie mit viel Einsatz, Energie und Arbeit vorangetrieben. Aber bei uns wird immer mit ihm gefeiert. Ich garantiere, dass es letztendlich nicht nur um Michael ging. Es ist eine Menge passiert, aber es ist passiert. Es hat vielleicht den Anschein erweckt, als wäre das der entscheidende Faktor gewesen, aber das war er nicht.

Warum denkst Du, hat Cadillac die Zulassung zur Formel 1 bekommen, Andretti nicht?

Ich weiß nicht, ob es etwas gibt, was die Sache plötzlich zum Erfolg geführt hat. Es schien einige persönliche Dinge zu geben, die ich immer noch nicht verstehe. Wir können bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag analysieren, aber es gab so viele Dinge, die nicht klar waren. Aber Tatsache ist, dass diesmal alles zusammenpasste und wir sind nun mit dabei!

Der Einstieg mit einem US-Team ist sicher der bedeutendste Moment Deiner Karriere hinter der Mauer. Was war der prägendste während Deiner aktiven Zeit?

Der bedeutsamste Moment war natürlich, 1978 die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Allerdings geschah dies unter schrecklichen Umständen, weil mein Teamkollege Ronnie Peterson ums Leben kam.

….. kurz nach dem Start des Italien GP in Monza….

Ja. Ich bin in Italien geboren und aufgewachsen und habe mit 14 das erste Formel-1-Rennen in Monza gesehen. Dort wurden meine Liebe und Leidenschaft geweckt. Mein Idol damals war der amtierende Weltmeister Alberto Ascari. Wie es das Schicksal wollte, habe ich genau dort in Monza den Weltmeistertitel gewonnen, aber auch meinen Freund verloren.

Gemeinsam mit Ronnie hast Du den siegbringenden Lotus 79 entwickelt.

Colin Chapman hat ihn entwickelt und gebaut. Ronnie und ich waren verrückt genug, ihn zu fahren. Aber Wagen war einmalig. Seine Schürzen, die den Ground Effect brachten, verwandelten ihn in eine Rakete. Und jedes Mal, wenn Du als Erster über die Ziellinie gefahren bist, stand schon Colin da und warf seine Mütze in die Luft. Man konnte vom Cockpit sehen, dass er die gleiche Aufregung erlebte, wie wir im Wagen.

Colin Chapman war ein absoluter Star seiner Zeit. Du bist aber auch gegen F1 Legenden gefahren. Welche-Fahrer hast Du während Deiner Karriere am meisten bewundert?

Eigentlich jeden um mich herum. Die Niki Laudas, die James Hunts und andere. Man hatte immer das Gefühl, dass es da draußen jemanden gab, der besser war als man selbst, und man lernte immer etwas. Du hast Dich manchmal gefragt – Was in aller Welt machen die, was ich nicht mache? –  Ich bin einmal Alan Jones in Watkins Glen gefolgt und habe mir gesagt: ‚Verdammt, das mache ich nicht! Ich mache es ganz anders!‘ Und als ich es auf seine Art probierte, war es besser. So lernt man. Ich hatte das Glück, mit den Besten mitzufahren.

Was hat Dich zu einem so guten Rennfahrer gemacht, dass Du Titel holen konntest?

Verlangen. Einfach pures Verlangen und Liebe für das, was ich tue. Ich meine, was der Sport für mich getan hat, hätte ich mir nie erträumen können. Ich könnte mir nicht vorstellen, in meinem Leben etwas anderes zu tun und auch nur ein Zehntel der Befriedigung zu haben, die ich aus dem Sport ziehe.

Zurück zur Gegenwart – welche Auswirkungen wird der Einstieg von Cadillac in die Formel 1 auf die USA haben?

Da es in den Vereinigten Staaten drei Formel-1-Rennen gibt – mehr als irgendwo anders in dieser Serie – ist ein vollwertiges amerikanisches Team mit einem amerikanischen Fahrer etwas, das die Fans noch mehr dazu bringen sollte, der Meisterschaft zu folgen – und vor allem das Team, „ihr“ Team anzufeuern.

Was hältst Du von Cadillacs Plänen, sich auch in der Formel 2 und Formel 3 zu engagieren, um amerikanische Talente zu fördern?

Wie Michael immer sagte, war ihm das Karriereleitersystem immer sehr wichtig. Er selbst hat das als Teamchef genutzt, um Fahrer an die Spitze zu bringen. Das hat er in der IndyCar mit der Indy NXT getan. Also, warum sollten wir das nicht auch mit der F3 und F2 für unser F1 Team tun? Dies wird eine Gelegenheit für einige junge Talente aus den USA sein, sich in dieser Mannschaft zu engagieren.

 

Das Interview führten Elizabeth Blackstock und Harry Miltner

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