30-mal Samba in der Formel 1

Felipe Nasr_WilliamsF1_Foto Glenn Dunbar-WilliamsF1Felipe Nasr wird in Melbourne 2015 der 30. brasilianische F1-Pilot. Unter seinen Vorgängern waren Helden wie Ayrton Senna, Nelson Piquet und Emerson Fittipaldi

Brasilien ist aus der Formel-1 nicht mehr wegzudenken, weder aus dem F1-Kalender, noch was brasilianische GP-Stars betrifft. Das war aber nicht immer so: Als Emerson Fittipaldi Ende der 60er Jahre den Weg nach Europa wagte, wurde er ob seines für die Briten seltsamen Namens belächelt. Ein Rennfahrer aus Brasilien war damals ein Exot. Das Lachen verging seinen Konkurrenten aber, als er erst britischer F3-Meister wurde und schließlich 1970 als Ersatz des tödlichen verunglückten Jochen Rindts ein Lotus-F1-Cockpit bekam.

Es dauerte nur zwei Jahre, bis Emerson 1972 als bis dato jüngster Fahrer den WM-Titel eroberte. Auch nach seinem Wechsel zu McLaren wurde er ’74 ein zweites Mal Weltmeister. Danach gab es in der Formel-1 nichts mehr Zählbares, weil er mit seinem Bruder Wilson – der ebenfalls ein paar Grand Prix bestritt – einen eigenen Rennstall gründete. Die beiden Fittipaldi-Brüder entwickelten schon in der brasilianischen Lokalrennszene vor ihrer großen internationaler Karriere eigene Formel-Vee-Rennwagen und wollten es nun auch in der Formel-1 wissen. Das Team war sogar in São Paulo niedergelassen, Konstrukteur war Richard Divila. Beim Heimrennen 1978 wurde Emerson Fittipaldi im Fittipaldi Ford Zweiter – mehr war nicht drin.

emerson_fittipaldiFittipaldi bricht den Bann

Fittipaldi löste mit seinen F1-Erfolgen aber einen F1-Boom in Brasilien aus. Im Schatten Fittipaldis reiften herausragende F1-Stars wie Nelson Piquet und Ayrton Senna heran. Gleiches vollbrachte Fittipaldi anschließend auch, als er von 1984 bis ’96 in der IndyCar fuhr, zwei Mal das Indy-500 gewann und 1989 mit einem Penske Chevrolet Meister wurde. Auch heute sind mit Fahrern wie Hélio Castroneves und Tony Kanaan noch brasilianische Publikumslieblinge IndyCar-Routiniers.

Dabei war Emerson Fittipaldi gar nicht der erste Pilot bei F1-WM-Rennen. Diese Ehre wurde Chico Landi zuteil, der 1951 mit einem privaten Ferrari beim Italien-GP antrat. Landi fuhr schon in den 30er und 40er Jahren gegen die europäischen Stars und war nach seiner aktiven Karriere im Aufbau des brasilianischen Rennsports maßgeblich beteiligt. Es war also auch er, der die Grundlage für Fittipaldis Aufstieg legte. Landi selbst war nicht besonders wohlhabend, aber er tat sich mit Eitel Cantoni aus Uruguay zusammen, gründete die Rennsportgemeinschaft Escuderia Bandeirantes und setzte so gekaufte F1-Boliden bei WM-Rennen ein. Neben ihm fuhr auch Gino Bianco 1952 beispielsweise einen Maserati für diesen Rennstall. Der dritte F1-Brasilianer vor Fittipaldi war Fritz D’Orey, dessen Großvater ein Deutscher und die Eltern Portugiesen waren. Er begann in Südamerika bei lokalen Rennen, unter anderem mit dem Ferrari, mit dem Landi 1951 den Italien-GP bestritt!

28848_516776305001462_990079574_nDrei Champions bislang

Drei F1-Weltmeister brachte Brasilien bisher hervor – und was für welche! Nach Emerson Fittipaldi kamen Nelson Piquet und Ayrton Senna, beides Legenden auf ihre Art. Piquet wurde drei Mal F1-Weltmeister, sein Ruf ist aber nicht halb so gut wie seine Erfolgsliste. Piquet war ein Lebemann mit vielen Frauen und vielen Partys – aber nur wenigen Freunden im F1-Zirkus. Dazu trug auch sein Verhalten bei. Gegen Senna wetterte er, weil er als Landsmann dem Piquet immer mehr die Butter vom Brot nahm.

Noch bekannter ist die Rivalität zwischen Nelson Piquet und Nigel Mansell. Beide fuhren 1986 und ‘87 zusammen bei Williams um die WM. 1986 nahmen sie sich so viele Punkte gegenseitig weg, dass sich mit Alain Prost am Ende ein Dritter über die WM-Krone freute. 1987 setzte sich Piquet gegen Mansell durch – allerdings auch mit allerhand Tricks und unschönen Worten abseits der Piste. Das kam bei den britischen Rennfans natürlich nicht gut an – und die britischen Rennfans waren damals noch in der Überzahl und machten nun ordentlich Stimmung gegen Piquet.

Was bleibt von Piquet sonst noch hängen? Piquet war 1983 im Brabham-BMW der erste Turbo-Weltmeister, seine Schlägerei mit Eliseo Salazar nach dem Crash beim Überrunden in Hockenheim, 1991 war er Teamkollege des aufstrebenden deutschen Stars Michael Schumacher, der später Rekordweltmeister wurde – und sein Sohn Nelson Piquet II versuchte sich auch in der Formel-1 und erlangte mit dem Crashskandal von Singapur 2008 hohen Bekanntheitsgrad, als er zugunsten der Strategie von Teamkollege Fernando Alonso absichtlich verunfallen musste.

Ayrton-Senna-film-007Senna für viele ein Idol

Ayrton Senna ist noch heute für junge Nachwuchsfahrer ein Idol und Vorbild. Drei Mal wurde auch er Weltmeister, immer mit McLaren, zunächst auch im knallharten Duell mit Alain Prost. Die Auseinandersetzung der beiden Teamkollegen ist bis heute legendär, sie endete mit zwei Kollisionen in Japan und mit einem harschen Streit zwischen Senna und FIA-Präsident Jean-Marie Balestre, in Folge dessen er sogar an Rücktritt dachte.

2014 jährte sich der Todestag von Ayrton Senna am 1. Mai zum 20. Mal. 1994 beim Imola-GP wurde er bis heute zum letzten Fahrer, der in einem F1-Rennen sein Leben lassen musste. Sein Tod beschrieb sein langjähriger Teamkollege Gerhard Berger mit den Worten „Es war als würde die Sonne vom Himmel fallen.“ Sennas Unfall stellte die Formel-1 auf den Kopf, Sicherheitsbestrebungen wurden mit aller Schärfe vorangetrieben.

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