Wasser marsch! Fährt die Formel 1 bald mit Wasserstoff?

Möglicherweise könnten wir ab 2025 Formel 1 Autos mit Wasserstoff-Motoren sehen. Formelaustria hat sich den aktuellen Stand angesehen

Die Formel 1 wird langfristig nicht mehr mit Verbrennungsmotoren fahren. Aktuell arbeitet man – grob gesprochen – mit einer Kombination aus Verbrenner und Elektropower aus kinetischer Rückgewinnung. Der nächste Schritt wird ein Aggregat betrieben mit nachhaltigem Kraftstoff. Vollelektrisch ist ausgeschlossen, denn die Formel E verfügt über einen Langzeit-Exklusivitätsvertrag. Vor diesem Hintergrund scheint eine andere Technologie als Option zu erwachsen, die zwar noch nicht ausgereift ist, sich aber rasant entwickelt – Wasserstoff. In einer Wasserstoffbrennstoffzelle wird der Wasserstoff zu einem positiven Wasserstoffion und einem Elektron oxidiert – und der Ausstoß von Elektronen erzeugt den Strom für den Antriebsmotor. Die Elektronen reagieren dann mit Sauerstoff, um Wasser zu erzeugen. Das einzige Nebenprodukt des Autos ist also Wasser.

BWT vorne dabei

BWT und Forze Delft kombinieren Motorsport und saubere nachhaltige Technologie mit Wasserstoff als alternativem Kraftstoff. Die Mission ist emissionsfreie Mobilität anzustreben und die Industrie zum Einsatz der Wasserstofftechnologie zu inspirieren. Seit über zwei Jahrzehnten investiert BWT mit seiner Tochtergesellschaft Fumatech BWT in den Bereich der Brennstoffzellenmembrantechnologie und hat eine enge Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Delft aufgenommen, um die Entwicklung der Wasserstoffmobilität zu unterstützen. Forze ist ein Team von 50 Studenten, das sich in Delft auf wasserstoffelektrische Rennen spezialisiert hat. Das Team wurde 2007 gegründet und begann zunächst mit der Entwicklung und dem Bau von Go-Karts mit einem Wasserstoff-Antrieb. 2012 bauten sie den ersten Wasserstoff-Rennwagen in voller Größe. Der Forze VII nahm an der Supercar Challenge 2017 und 2018 teil und war der erste wasserstoffelektrische Rennwagen, der jemals in einem offiziellen Rennen gegen benzinbetriebene Autos startete. Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2018 debütierte der Forze VIII.

Red Bull in LeMans

Red Bull Advanced Technologies arbeitet an der Entwicklung des Fahrwerkskonzepts für einen wasserstoffbetriebenen LeMans-Sportwagen. Gemeinsam mit dem französischen Rennwagenbauer ORECA designt man das H24-Konzept, das darauf abzielt, bei den 24 Stunden von Le Man 2024 eine Wasserstoffklasse von Autos zu fahren. Das H24-Fahrzeugkonzept erreicht in seiner ersten Stufe ein GT3-Leistungsniveau, d.h. 550 kW (ca. 730 PS) bei 17.000 U/min und eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h beträgt ca. 3,4 Sekunden. Der Motor wird direkt ohne Schalten, Kuppeln und Differential angetrieben. Zu Beginn soll ein voller Tank das Auto 45 Minuten lang versorgen. Auch Mercedes CEO Ola Kallenius hält Wasserstoffmotoren, „für eine dieser Technologien für eine CO2-neutrale Zukunft, an der wir arbeiten.“ Mercedes-Miteigentümer INEOS ist als Chemieunternehmen Marktführer in der Wasserstoffproduktion. „Wie relevant es auf längere Sicht für die Formel 1 sein wird, weiß ich nicht, aber wenn man sich die Wasserstoffwirtschaft bei INEOS ansieht, sind wir wahrscheinlich der größte Wasserstoffproduzent in Europa,“ so CEO Jim Ratcliffe.

Eigene Rennserie

Vor kurzem wurde sogar eine brandneue umweltfreundliche Rennserie mit Wasserstoffantrieb vorgestellt, die emissionsfreie Autos und ein „revolutionäres Bremssystem“ umfasst. Die HYRAZE League wird „umweltproduzierten“ Wasserstoff als Kraftstoff für ihre 800 PS starken Rennwagen nützen und zwei Elektromotoren mit zwei Wasserstoffbrennstoffzellen einsetzen. Zusammen mit HWA wurde die Serie in Zusammenarbeit mit Schaeffler und den Organisationen ADAC, DEKRA, DMSB und der World Esports Association (WESA) gelauncht. Obwohl die Technologie erst F1-Leistungsniveau garantieren muss, scheint auch F1-CEO Stefano Domenicali nicht abgeneigt: „Ich denke, die Formel 1 hat eine große Zukunft, um zu zeigen, dass es in der Automobilwelt nicht nur Elektrifizierung gibt. Der Fehler, der in der Vergangenheit gemacht wurde, bestand darin, nur Technologie an die Spitze der Priorität zu setzen. und nicht die Kosten.“ Derzeit ist Wasserstoff nicht die Antwort für die F1, aber noch bevor die nächste Generation der F1-Hybridmotoren Anfang 2025 auf die Strecke kommen, könnte Le Mans 2024 uns einen Einblick in die längerfristige Zukunft des Sports geben.