In einer Woche startet die Formel 1 nicht nur in eine neue Saison, sondern gleich in eine neue Ära. Doch nach den Testfahrten in Barcelona und Bahrain scheint noch Vieles offen
Weltmeister Max Verstappen knallte am letzten Tag in Sakhir mit seinem Red Bull eine absolute Topzeit auf den Asphalt, beschwichtigt aber, dass „noch kein Team wirklich die Karten aufgedeckt hat.“ Dennoch war der kurze, aber beeindruckende letzte Stint des Niederländers am Bahrain International Circuit durchaus ein Vorbote, was man bei den „Bullen“ in der Garage stehen hat. „Mein Ziel war nicht der Schnellste des Tages zu sein, sondern die verschiedenen Reifenmischungen zu probieren und besser zu verstehen. Das Auto fühlte sich aber gut an und wir haben unser geplantes Programm abgespult, was immer positiv ist. Die neuen Teile haben auch gut funktioniert,“ resümierte Verstappen recht abgeklärt. Bestes Indiz dafür, dass der RB18 gut unterwegs ist, sind die ebenfalls sehr guten Rundenzeiten von der Nummer 2 des Teams, dem Mexikaner Sergio Perez.
Silber revolutionär, aber auch schnell?
Mercedes sorgte bei den Tests im Wüstenstaat vor allem mit seinen seit Barcelona vollkommen runderneuerten Seitenkästen für Aufsehen. Die neuen Silberpfeile verzichten, im Gegensatz zu den Konzepten der anderen Teams, weitestgehend auf ausladende Pods. Dadurch ist der W13 optisch wesentlich windschlüpfriger, allerdings könnten die extrem schmalen Lufteinlässe für Überhitzungen am Motor sorgen bzw. eine nötige Überarbeitung am Unterboden zu stärkerem „Hoppeln“ des Wagens auf den Geraden führen. Daher überraschte Lewis Hamiltons Analyse nicht. „Unser Auto hat Potenzial, um uns dorthin zu bringen, wo wir sein wollen. Aber wir müssen noch lernen, alles herauszuholen, müssen noch einige Hürden überwinden. Im Moment glaube ich nicht, dass wir von Anfang an um den Sieg kämpfen werden. Ich denke, wir haben dieses Mal viel größere Herausforderungen und es wird ein bisschen länger dauern. Von dem, was mir gesagt wurde, müssen wir eine beträchtliche Menge Speed finden.“
Rot konstant stark, Papaya mit Problemen
Wie ein Schweizer Uhrwerk spulten die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz ihre Runden ab und waren dabei immer schnell. Der neue F1-75 scheint ein guter Wurf zu sein, denn anders als die meisten Teams, hatten die Italiener praktisch keine technischen Probleme. „Wir gehen gut vorbereitet ins erste Rennen. Bisher fühle ich mich wohler, wenn mehr Benzin im Auto ist. Auch die Reifen sind anders und wir müssen sie besser verstehen, weil sie immer noch sehr abbauen,“ so Sainz. „Wir haben in Bezug auf die Zuverlässigkeit sehr gut abgeschnitten, haben in den sechs Tagen keine rote Flagge verursacht.“ Ähnlich schnell, aber deutlich weniger standfest war der McLaren von Lando Norris. „Wir verlieren momentan noch deutlich zu viel Speed auf den Geraden. Da müssen wir was finden. Und leider hatten wir ein oder zwei Probleme,“ so der Brite, der das gesamte Programm abspulen musste, weil Teamkollege Daniel Ricciardo mit Corona ausfiel. Vor allem die Bremsen am McLaren überhitzten mehrfach.
Großes, enges Mittelfeld
Auch wenn Norris zurzeit sogar McLaren im Mittelfeld sieht, beginnt dieses aus unserer Sicht bei Alpine. Der neue Renault-Motor hat einiges an Wumms, ist aber auch anfällig. Doppelweltmeister Fernando Alonso nimmt’s gelassen: „Wir lernen alle mit jeder Runde mehr über die neuen Autos und deren Setups. Wir haben mehrere Ding e ausprobiert und viele Daten sammeln können. Wir wissen aber auch nicht, was die anderen machen, welches Programm sie fahren, und müssen daher bis nächsten Samstag warten.“ Aston Martin ist wohl auf Augenhöhe, hatte jedoch ebenfalls Probleme. „Wir haben heute unser Programm absolviert und sind viele Runden gefahren, was ein positiver Abschluss war. Rundenzeiten sind hier größtenteils irrelevant. Ich bin zufrieden mit den Fortschritten, die wir gemacht haben, und es wird eine lange Saison, Hinter den üblichen Spitzenteams ist das Feld wahrscheinlich sehr eng beisammen, also erwarte ich einen harten Fight,“ resümiert Sebastian Vettel. „Bei uns lief es gut und ich denke, wir sind voll dabei,“ war Alpha Tauri Pilot Pierre Gasly gut gelaunt. „Ferrari und Red Bull sind wohl vorne, dann Mercedes, und danach wird es bunt gemischt.“
Nachzügler holen auf
Die drei schwächsten Teams der Vorsaison – Williams, Alfa Romeo und Haas – dürften dieses Jahr wieder deutlich näher dran sein. Auch wenn die Topzeiten der Haas F1 Piloten Kevin Magnussen und Mick Schumacher nicht volle Aussagekraft haben, zeigen sie dennoch, dass der Bolide den Speed für gute Runden hat. „Leider zählt meine Bestzeit noch nicht, aber der Wagen fühlt sich gut an. Er liegt gut auf der Straße und war einfach im Handling,“ sagte Magnussen. Auch Alfa Neuzugang Valtteri Bottas glaubt an eine gute Saison: „Wir haben hier in Bahrain definitiv viel gelernt und ich kann wirklich sagen, dass das Potenzial des Autos da ist. Wir müssen nun die letzten Kinderkrankheiten ausmerzen und wir als Team sind bereit.“ Williams Teamchef Jost Capito ist sicher, „dass es ziemlich knapp wird. Denn auch wenn man unterschiedliche Konzepte sieht, ist das Reglement schon klar definiert. Ich denke, jeder hat etwas richtig und etwas falsch gemacht, wir müssen herausfinden, was wir falsch gemacht haben.“
Formelaustria Hackordnungsprognose zum Saisonstart
- Red Bull
- Ferrari
- Mercedes
- McLaren
- Alpine
- Alpha Tauri
- Aston Martin
- Alfa Romeo
- Haas
- Williams
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