Sebastian Vettel will mit seinem neuen Arbeitgeber den Titel. Vor über 50 Jahren verhinderte nur eine Katastrophe, dass Wolfgang Graf Berghe von Trips zum ersten deutschen Ferrari-Weltmeister wurde
Ein fünfter WM-Titel mit Red Bull hätte Sebastian Vettel auf die Höhe mit Juan-Manuel Fangio gestellt. Mit Ferrari ein fünftes Mal Weltmeister zu werden, würde Vettel aber zur Legende machen. Der Deutsche nimmt diese Herausforderung an, eine Herausforderung, die für ihn ein Stück Nostalgie ist. Schließlich gewann er 2008 in Italien in einem italienischen Team seinen ersten Grand Prix. Nun wechselt er zu Ferrari und damit ins Herzen Italiens. Die deutschen Fans sind begeistert: Nach Michael Schumacher fährt endlich wieder ein Deutscher für Ferrari.
Die Scuderia Ferrari ist nun mal nicht nur das älteste Formel-1-Team, es ist auch das Team mit dem größten Mythos, der auch von deutschen Fahrern mitbestimmt wurde. Nicht nur durch Michael Schumacher, sondern schon über 30 Jahre vorher durch Wolfgang Graf Berghe von Trips. Er wäre 1961 fast schon erster deutscher Champion im Ferrari geworden, aber statt zum WM-Titel raste er auf der Monza-Highspeed-Rennbahn in den Tod.
Immer wieder Monza
Wir schreiben das Jahr 1961. Der Rennsport war damals in einer Umbruchsphase. Nicht nur, weil die bis heute kleinsten Motoren eingeführt wurden, sondern weil in England immer mehr Profirennställe entstanden, die eigene Chassis entwickelten. Bis in die 50er Jahre war der Rennsport eine Spielwiese für Autohersteller, adelige Grafen, reiche Millionäre, ehrenhafte Gentleman oder draufgängerische Lebemänner. Der Rennsport wurde professioneller, die Adeligen dadurch immer weiter zurückgedrängt.
Es war auch eine Zeit, in der der Tod wie ein lästiger Schatten dem Formel-1-Zirkus auf Schritt und Tritt folgte. Auch von Trips wurde mehrmals mit dem Tod konfrontiert – auch hautnah. 1958 zum Beispiel, als er beim 24-Stundenrennen von Le Mans Jean Hébert aus seinem brennenden Alfa Romeo zog und ihm damit das Leben rettete. Oder 1959, als von Trips‘ Porsche-Teamkollege Jean Behra tödlich verunglückte. Oder auch durch eigene, schwere Unfälle.
Davon hatte er mehr als genug. Immer wieder auch in Monza, einer damals wie heute schnellen und damit höchstgefährlichen Rennstrecke. 1956 sollte dort eine F1-Karriere ihren Beginn nehmen, im Training brach aber der Lenkhebel seines Ferraris, nach einem doppelten Überschlag stieg von Trips mit einem gebrochenen Arm aus dem Wrack. Das Debüt war dahin, das Leben aber gerettet. 1958 hatte er eine schwere Kollision mit dem BRM von Harry Schell, die Folge war ein Jahr Hausverbot auf der Monza-Streckenanlage!
F1-Debüt mit Mercedes gescheitert
Wolfgang Graf Berghe von Trips war auch wegen solcher Szenen als Unfallfahrer verschrien. Doch so knallhart wie er auf der Strecke war, so ein smarter Typ war er abseits der Piste. Er war niemandem böse, umgekehrt ist das auch kaum vorstellbar. Zu seinem Charakter gehörte auch die ehrenwerte Ehrlichkeit, die er an den Tag legte. Die Rennfahrer von früher waren wegen des Risikos, wegen des Pokerspiels mit dem eigenen Leben als Einsatz, wegen der unausgereiften Extrem-Technik auf schwierigsten Strecken wahre Helden. Diese Helden ließen sich feiern, doch die Rennen nagten an ihnen. Von Trips gestand es auch – zumindest seinem Tagebuch: „Ich merke, wie die großen Rennen einen mitnehmen, einen aushöhlen.“
Er kommt aus einem der ältesten rheinischen Adelsgeschlechtern, aus gutem Haus, die Wirtschaftskrise zog spurlos an der Familie vorbei. Er ahnte, dass seine Begeisterung für den Rennsport innerhalb der Familie eher wenig auf Gegenliebe stoßen würde. Also startete er seine ersten Rennen 1953 mit dem Pseudonym Axel Linther. Nachdem er die deutsche Meisterschaft gewonnen hat, wurde von Trips ins Mercedes-Werksteam gehievt, allerdings vorerst nur für Sportwagenrennen. Von da an war der Sprung in die Formel-1 nur Formsache, doch der Rückzug von Mercedes aus dem Rennsport kam dem zuvor.
Statt mit Mercedes fuhr er mit Ferrari in der Formel-1. Als die Königsklasse 1961 nach dem 1,5-Liter-Reglement ausgeschrieben wurde, das zuvor in der Formel-2 zum Einsatz kam, war Ferrari klarer Favorit. Kurioserweise fehlte den englischen Teams bei den kleinen Motoren an Leistung. Mit bis zu 190 PS soll der Ferrari-Motor geschoben haben, die englischen Teams hatten einen Nachteil von 40 PS.
Tragödie in Monza
Nur einer konnte mithalten: Stirling Moss. Der Brite war nie Weltmeister, aber bis heute so oft wie kein anderer Vizemeister. Von Trips – auch das ein Zeichen seiner Ehrlichkeit – erkannte neidlos an: „Stirling Moss alleine bringt 20 PS.“ Moss gewann damit die Rennen in Monaco und am Nürburgring, hier spielte die Motorleistung keine tragende Rolle. Den Rest der Rennen teilten sich die Ferrari-Fahrer. Das war der technisch äußerst visierte Phil Hill und eben der charismatische Wolfgang Graf Berghe von Trips.
Vor dem entscheidenden Großen Preis in Monza, Ferrari ließ wie damals üblich den USA-GP aus, hatte von Trips nach Siegen und nach Punkten (vier Zähler Vorsprung) die Nase vorne. In Italien quaifizierte er sich zum ersten Mal in seiner Karriere für die Pole-Position. Dann nahm das Unheil seinen Lauf: Von Trips kam am Start schlecht weg, fiel auf Rang sechs zurück. Auf dem Weg nach vorne kollidierte er mit Jim Clark, sein Ferrari jagte plötzlich die Böschung hinauf und flog in die Zuschauer. Von Trips fiel aus dem Wagen, brach sich dabei das Genick. Sein Bolide riss 15 Menschen mit in den Tod, die meisten davon aus der Schweiz.
Nach dem Tod des deutschen Rennsport-Aushängeschilds schlummerte die Begeisterung für den Motorsport in Deutschland im Schlaf. Doch von Trips hatte mit dem Import von Karts aus Amerika eine Grundlage in Deutschland geschaffen, auf der Schumacher und Vettel ihre beeindruckenden Karrieren aufbauen konnten und das nachholen, was von Trips verwehrt blieb: Der WM-Titel.
Und fast hätte es zwischen von Trips und Schumacher einen weiteren deutschen Star bei Ferrari gegeben: Stefan Bellof soll für 1986 bereits einen Ferrari-Vorvertrag in der Tasche gehabt haben, doch 1985 wurde auch er vom Rennfahrertod besiegt. Unwahr sind hingegen Gerüchte, wonach Christian Danner den Monaco-GP 1989 für die Scuderia hätte bestreiten sollen. Den Gerüchten zu Folge sollte er den damals verletzten Gerhard Berger ersetzen, aber die FIA hätte sich quergestellt, weil Danner nicht als Ersatzfahrer genannt worden war. Gegenüber Formel-Woche teilt Danner aber mit, dass es ein entsprechendes Angebot nie gab.
Powered by Formel-Woche
Mick Schumacher freut sich besonders auf Ovalrennen
Mick Schumacher ist endgültig im US-Motorsport angekommen und freut sich besonders auf die Ovalrennen
Hill glaubt an Sensation durch Aston Martin
Damon Hill glaubt, dass das Aston Martin Aramco Formula One Team 2026 „die große Überraschung“ sein könnte und erinnert dabei an Brawn GP.