Vom Gelben Teekocher zum WM-Titel

Renault hat eine lange und wechselvolle Geschichte in der Formel 1. Formelaustria blickt anlässlich des Wechsels von Daniel Ricciardo von Red Bull Racing zu den Franzosen zurück

Der Wiedereinstieg als Renault F1 Team im Jahr 2016 war bereits der dritte werksseitige Formel-1-Einsatz des Unternehmens. Renault war schon von 1977 bis 1985 als Équipe Renault und von 2001 bis 2009 als Renault F1 in der Königsklasse engagiert. Der französische Staatskonzern lieferte 1968 erstmals Rennmotoren für die Formule France, eine Einheitsserie unterhalb der Formel 3. Ab 1971 übernahm man die Serie und nannte sie Formule Renault aus der unter anderem die späteren Formel 1 Stars René Arnoux, Jacques Laffite, Didier Pironi oder Patrick Tambay hervorgingen.

Harte Anfänge

Unter der Leitung von Bernard Dudot stieg man auch in die Formel 2 ein und belieferte Teams mit einem neuen Sechszylindermotor als Alternative zu BMW-Vierzylinder Aggregaten. 1976 gewann das von Jean Sage geleitete Team Ecurie Elf mit Jean-Pierre Jabouille die Meisterschaft. Schon einige Monate zuvor entschied der damalige Präsident Bernard Hanon mit einem neuen Konzept in der Formel 1 anzutreten: Inspiriert durch die IndyCar-Series beauftragte er Motorenkonstrukteur Dudot mit der Einführung der Turbotechnologie. Dieser leitete den 1,5 Liter großen Motor vom Zweiliter-F2-Triebwerk ab und präsentierte ihn im Frühsommer 1976. Alpine hatte ein Chassis für ein potentielles eigenes Formel-1-Engagement aufgebaut und Jabouille testete auf mehreren französischen Rennstrecken sowie in Jarama. Die Équipe Renault, debütierte in Großbritannien 1977 unter Teamchef Gérard Larrousse. Man nahm an fünf Rennen teil, um den gelb-schwarz lackierten Renault RS01, das erste Formel-1-Auto mit Abgasturbolader, weiter zu testen. Jabouille kam nie ins Ziel, fiel viermal mit qualmendem Motor aus, weswegen ihn die Presse „La théière jaune“ (der gelbe Teekessel) taufte. 1978 war der Speed des Wagens deutlich höher, weswegen Jabouille im Qualifying meist gut war (P6 in Südafrika, P3 in Österreich und Italien), aber im Rennen gab es neun DNFs in 14 GPs. Die erste Zielankunft holte er beim Monaco GP, allerdings mit vier Runden Rückstand auf Sieger Patrick Depailler, weil das Motorkonzept für den engen Stadtkurs ungeeignet war.

Der erste Sieg

In der dritten Saison des Teams trat Renault zwei Fahrern – neben Jabouille stieg René Arnoux ein – an und präsentierte den vollständig neu konstruierten RS10. Durch den Groundeffect-Technik konnte die Kraft der Turbomotoren wesentlich effektiver genutzt werden und das neue Aggregat leistete 520 PS, was in der damaligen F1 viel war. Die Zuverlässigkeit war immer noch das große Problem, denn Jabouille schied in 15 Rennen 11  Mal aus. Aber ab der zweiten Saisonhälfte standen die gelben Boliden oft in der ersten Startreihe (Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, und den Niederlanden). Ausgerechnet beim Heimspiel in Dijon-Prenois gelang Jabouille der erste Sieg eines Formel-1-Autos mit Turbomotor. Arnoux wurde noch in Großbritannien und den USA (Ost) Zweiter. Mit der Verpflichtung von Supertalents Alain Prost gelang Renault 1981 der große Wurf. Mit Prost wurde man Konstrukteurs-Dritter 1981 & 82, 1983 fuhr man sogar um die WM mit. Doch als Prost wieder zu McLaren zurückwechselte, ging es mit den Franzosen langsam bergab. Derek Warwick und Patrick Tambay gelangen nur mehr vereinzelte Stockerlplätze und man zog sich Ende 1985 vorerst aus der Formel 1 zurück.

Das Benetton Projekt

2001 übernahm Renault das Benetton-Team und ließ Teamchef Flavio Briatore im Amt, um das neuformierte Renault F1 Team zum Erfolg zu führen. Neben Jarno Trulli und Jenson Button wurde Nachwuchspilot Fernando Alonso als Testfahrer geholt. Nach seinem ersten Sieg in Ungarn 2003 wurde Alonso zur Nummer 1, obwohl Trulli in Monaco 2004 auch gewann. 2005 gelang den Franzosen endlich der Sprung an die Spitze: Das Team um Alonso und Ex-Benetton-Pilot Giancarlo Fisichella holte sowohl den Fahrer- als auch den Konstrukteurstitel. Im Folgejahr wiederholte man den Erfolg, verlor aber 2007 Alonso an McLaren. Das Team stürzte auf Platz 4 der Konstrukteure ab, ehe Alonso 2008 überraschend zurückkehrte. In Singapur und Japan gewann der Spanier zwar, allerdings führte die sogenannte „Crashgate-Affäre“ bei der Nelson Piquet jr. Teamboss Briatore der Rennmanipulation in Singapur beschuldigte, zur späteren Entlassung des Italieners. 2009 trat man mit einem neuen Wagen an und die Saison geriet zum Debakel. Das Team verlor seinen Hauptsponosor, die ING Bank, und Renault verkaufte 75 % des Rennstalls an Genii Capital. 2010 konnten Robert Kubica und Vitali Petrow nur Rang 5 in der Konstrukteurs-WM belegen und Genii übernahm zur Saison 2011 alle Anteile.

Dritter Anlauf

Im Dezember 2015 kaufte sich Renault das Team von Genii wieder zurück und Cyril Abiteboul übernahm die Leitung des Rennstalls. Mit dem R.S.16 konnten Debütant Jolyon Palmer und McLaren-Tester Kevin Magnussen nicht überzeugen, denn der Wagen war zwar zuverlässig, aber langsam. Es gab lediglich dreimal Punkte. 2017 ging Magnussen zu Haas F1 und wurde durch Nico Hülkenberg ersetzt. Palmer durfte zunächst bleiben. Mit dem R.S.17 kam „Hülk“ achtmal in die Punkteränge, während Palmer lediglich in Singapur als Sechster Zähler holte. Zum Großen Preis der USA wurde der Brite durch Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz jr. ersetzt. In der Saison 2018 blieb das Fahrerduo gleich, das Team matcht sich mit Haas F1 um Platz 4 in der WM. Seit 1983 ist Renault als Motorenlieferant in der Formel 1 tätig und holte dabei mit Williams und Benetton elf Weltmeisterschaften (Fahrer- und Konstrukteurstitel). Seit 2007 fährt Red Bull Racing mit Renault-Motoren und wurde damit viermal Weltmeister in der Fahrer- und Team-WM.

 

Statistik als Konstrukteur in der Formel 1

Stand: Großer Preis von Ungarn 2018

Saison Teamname GPs Siege Zweiter Dritter Poles SR Punkte WM
1977 Équipe Renault Elf 4 19.
1978 Equipe Renault Elf 14 3 12.
1979 Equipe Renault Elf 14 1 2 1 6 2 26 6.
1980 Equipe Renault Elf 14 3 1 5 4 38 4.
1981 Equipe Renault Elf 15 3 3 1 6 2 54 3.
1982 Equipe Renault Elf 16 4 3 1 10 5 62 3.
1983 Equipe Renault Elf 15 4 3 4 3 3 79 2.
1984 Equipe Renault Elf 16 3 2 1 2 34 5.
1985 Equipe Renault Elf 15 2 16 7.
2002 Mild Seven Renault 17 23 4.
2003 Mild Seven Renault 16 1 1 3 2 1 88 4.
2004 Mild Seven Renault 18 1 1 4 3 105 3.
2005 Mild Seven Renault 19 8 6 4 7 3 191 1.
2006 Mild Seven Renault 18 8 7 4 7 5 206 1.
2007 ING Renault F1 17 1 51 3.
2008 ING Renault F1 18 2 2 80 4.
2009 ING Renault F1 17 1 1 2 26 8.
2016 Renault Sport F1 21 8 9.
2017 Renault Sport F1 20 57 6.
2018 Renault Sport F1 10 82 4.

 

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