Think Pink – übernimmt BWT Force India?

Force India ist pleite, doch Käufer stehen vermeintlich Schlange – die Wassertechnologie Firma BWT – Hauptsponsor des Rennstalls – soll auch darunter sein, doch Teambesitzer Vijay Mallya ist böse auf die Österreicher

Nachdem es schon in den letzten Jahren immer wieder Gerüchte einer Pleite bei Force India gegeben hat, ist Eigentümer Vijay Mallya den Gläubigern diesmal nicht mehr ausgekommen. Kurioserweise war es der Manager seines Topfahrers Sergio Perez, Julian Jakobi, dem das Team angeblich rund USD 4 Millionen schuldet, der die Insolvenz ausgelöst hat. Diesem Antrag schlossen sich Motorenlieferant Mercedes AMG (USD 15,3 Millionen) und auch Hauptsponsor BWT an. Gesamt soll der Schuldenberg bei ca. GBP 159 Millionen liegen. Seit letzten Freitag ist der indisch-britische Rennstall nun unter Aufsicht des Insolvenzverwalters FRP Advisory LLP am.

Experten am Arbeiten

FRP will nun mit den Gläubigern so rasch wie möglich eine Einigung erzielen und prüft gleichzeitig „die Optionen um die Zukunft des Teams“, sprich sucht einen Käufer für die angeschlagene Equipe. Geoff Rowley und Jason Baker von FRP sind mit der Sache beauftragt, da sie bereits einschlägige Erfahrung mit Marussia F1 und Manor GP haben. Laut der Gerüchteküche gibt es fünf Interessenten, die Rennstall übernehmen wollen. Ganz oben auf der Liste stehen Milliardär Lawrence Stroll, der seinen Sohn Lance von Williams in ein besseres Auto setzen will, der Düngemittel-Tycoon Dmitri Mazepin, dessen Sohn Nikita in die Formel 1 soll, Ex-F1 Pilot Michael Andretti und der oberösterreichische aktuelle Hauptsponsor des Teams, der Wassertechnologiekonzern BWT.

Rosa Brille?

BWT ist in der Saison 2017 bei Force India eingestiegen, weil man Visibility für seinen Brand auf dem internationalen Sportparkett gesucht hat und von den drei Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull keines bereit war, seine Boliden rosarot zu lackieren. Doch der „Pink Panther“ Anstrich ist ein Schlüsselfaktor Werbeauftritts von BWT. In Mondsee fühlte man sich sicher, denn Mallyas Team konnte die letzten beiden Jahre immer auf Platz 4 der Konstrukteurs-WM abschließen, war also „Best-of-the-Rest“. Allerdings hing dabei immer ein massiver Schuldenberg über dem Stall des indischen Lebemanns und sein Team überlebte nur, weil ihm der ehemalige Formel 1 Zampano Bernie Ecclestone jede Saison einen Vorschuss auf die Start- und Punkteprämien gewährte. Auch in seiner Heimat steht Mallya mit 17 Banken vor Gericht, denen er laut deren Angaben mehr als 1,3 Milliarden Euro aus Krediten und Verzugszinsen für seine Fluggesellschaft Kingfisher schuldet. 2012 musste er die Airline wegen Geldproblemen einstellen. Da in Indien mehrere Haftbefehle gegen Mallya wegen Geldwäsche und Betrugs vorliegen, hält er sich in Großbritannien auf, wo er allerdings seinen Reisepass deponieren musste. Ein vertrauenswürdiger Partner sieht wohl anders aus.

Blick in die Glaskugel

BWT hat seinerzeit rund USD 21 Millionen in ein dreijähriges Sponsoring investiert. Um in der Formel 1 ein Team zu führen, ist aber mindestens die fünffache Summe nötig. Ob sich die Oberösterreicher das leisten können und auch wollen, ist fraglich. „Wenn der Dreijahresdeal gut verhandelt ist, sollte BWT eine Ausstiegsoption bei Insolvenz des Teams besitzen, aber auch eine einseitige Verlängerungsmöglichkeit im Falle einer Neuübernahme“, erklärt Dr. Harold Miltner, Managing Director des internationalen Sportconsulters HM Sports. Wie Formelaustria erfahren hat, behauptet BWT nun, das Geld an Force India wäre ein Darlehen gewesen und das Unternehmen somit ein Gläubiger. Man könnte sich das Geld dadurch entweder, zumindest teilweise, zurückholen, oder ebenfalls versuchen, den Insolvenzverwalter zu beeinflussen. Mallya teilte Formelaustria mit: “Die haben sich auch aus heiterem Himmel angeschlossen und behauptet Ihr Sponsorgeld wäre nur geliehen gewesen. Das ist doch ein Witz. Unsere Autos sind komplett rosa mit BWT Branding.“ Ein deutlich wahrscheinlicheres Szenario ist, dass BWT den Kauf Papa Stroll überlässt und ein Topsponsor bleibt. Auf Anfrage von Formelaustria hat Lawrence Stroll angeblich die Löhne der Force India Mitarbeiter für diesen Monat bezahlt und einen Übernahmevertrag vorbereiten lassen. Sohn Lance könnte schon nach der Sommerpause beim GP von Belgien im Force India sitzen, während Esteban Ocon im Renault von Carlos Sainz Platz nehmen könnte. Die Franzosen wollen unbedingt einen guten Landsmann und Sainz könnte anstelle des unglücklich agierenden Stoffel Vandoorne bei McLaren geparkt werden.

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