Will Stevens gab in Abu Dhabi für Caterham das Debüt. Viele andere Fahrer sagten ab. Stevens war schon 2008 Honda-Junior
Der Rennsport ist britisch. GP3-Meister Alex Lynn , GP2-Champion Jolyon Palmer, Sportwagen-Weltmeister Anthony Davidson. Alle stammen aus Großbritannien. Und auch die Formel-1-Weltmeisterschaft wurde 2014 von einem Engländer gewonnen: Lewis Hamilton.
2008 feierte er seinen ersten WM-Titel. Seine Geschichte, als der junger Milchbub im Kartsport den großen McLaren-Boss Ron Dennis überzeugte, ihn ins Förderprogramm aufzunehmen war damals in aller Munde. Und weil Honda im gleichen Jahr mit Will Stevens ebenfalls einen britischen Kart-Nachwuchsfahrer unter Vertrag nahm, wurde Stevens bereits als neuer Hamilton gefeiert.
Doch dass der heute 23-Jährige die Qualität von Hamilton hat, das hat er bisher in seiner Rennfahrerkarriere vermissen lassen: In der Formel-Renault und der Toyota-Racing-Series fuhr er eher unter ferner liefen. Immer wieder musste er sich seinen Teamkollegen geschlagen geben – das waren Fahrer wie James Calado, Oliver Webb oder auch der aktuelle McLaren-Pilot Kevin Magnussen. Gegen ihn fuhr er 2012 bei Carlin in der WSbR.
Stevens kommt auch aus der 3,5-Liter-Klasse der Formel-Renault. In den vergangenen zwei Jahren war er dort für das Strakka-Team aktiv. Eigentlich hätte Stevens 2015 für Caterham in der GP2 an den Start gehen können, aber Stevens wollte im alten Umfeld bleiben. Alles im Sinne der Kontinuität. Doch Stevens schnitt 2014 trotz zweier Rennsiege schlechter ab.
Mit Stevens als zweiten Caterham-Fahrer neben Kamui Kobayashi haben nur die wenigsten gerechnet. Es geisterten viele andere Namen durch die Medien: Stammpilot Marcus Ericsson verließ das Team, André Lotterer, GP2-Meister Jolyon Palmer und F1-Rekordteilnehmer Rubens Barrichello sagten ab, Max Chilton hoffte bis zum Schluss, dass auch Marussia überraschend den Weg nach Abu Dhabi schaffen würde. Andere gehandelte Fahrer wie der Libanese Khalil Beschir waren von Beginn an unrealistisch: Der 33-Jährige ist in Arabien zwar sehr beliebt und kümmert sich dort auch um den Rennsport-Nachwuchs, doch sein letztes Rennen war 2008 in der A1GP-Serie, Beschir hätte also niemals eine F1-Superlizenz erhalten.
Die Vergabe des zweiten Caterham-Cockpits war keine Versteigerung getreu dem Motto, wer bietet am meisten Geld. Insolvenzverwalter und Interims-Teamchef Finbarr O’Connell erklärte, man wollte einen Fahrer, der Auto und Team kennt. Das traf auf Stevens, der im Oktober von Caterham zu Marussia wechselte, zu. Dort sollte er in Japan einen Trainingseinsatz bekommen, was aber an Formalitäten scheiterte.
Nun nahm er die F1-Chance dankend an. Vielleicht ist es auch seine letzte. Wie erwartet lief das Wochenende nicht sorgenfrei: Wegen Motorproblemen konnte er am Freitag kaum trainieren. In der Qualifikation war er etwas mehr als eine halbe Sekunde schneller als der erfahrene Kobayashi. Im Rennen kam er als 17. und Letzter ins Ziel.
Wie geht es nun mit Caterham weiter? O’Connell deutete an, dass innerhalb der kommenden drei Wochen eine Entscheidung fallen müsse. Schließlich geht es ja nicht nur ums Überleben, um sportlich weiterzuleben muss auch das Auto weiterentwickelt werden. Angeblich gäbe es vier Interessenten, zwei davon kommen aus dem arabischen Raum – vielleicht auch deshalb war der Start in Abu Dhabi, der auch mittels Crowdfunding finanziert wurde, wichtig.
Die 230 Mitarbeiter von Caterham wurden übrigens am gleichen Tag entlassen, an dem man die Teilnahme am Saisonfinale verkündete. Die meisten von ihnen wollten aber freiwillig gehen, um vom Arbeitsamt finanzielle Unterstützung zu bekommen. Finbarr O’Connell fühlte sich als Teamchef sichtlich wohl, war aber enttäuscht, dass er zu einem Teamchef-Meeting nicht eingeladen wurde.
Teams, die in einer Saison mehr als drei Fahrer einsetzten
2001 Prost Jean Alesi, Gaston Mazzacane, Luciano Burti, Heinz-Harald Frentzen, Tomáš Enge
2001 Jordan Heinz-Harald Frentzen, Jarno Trulli, Ricardo Zonta, Jean Alesi
2004 Toyota Cristiano da Matta, Olivier Panis, Ricardo Zonta, Jarno Trulli
2004 Williams Ralf Schumacher, Juan-Pablo Montoya, Marc Gené, Antônio Pizzonia
2005 McLaren Kimi Räikkönen, Juan-Pablo Montoya, Pedro de La Rosa, Alexander Wurz
2006 Super Aguri Takuma Sato, Yuji Ide, Franck Montagny, Sakon Yamamoto
2007 Spyker Adrian Sutil, Christijan Albers, Markus Winkelhock, Sakon Yamamoto
2009 Ferrari Kimi Räikkönen, Felipe Massa, Luca Badoer, Giancarlo Fisichella
2010 HRT Karun Chandhok, Bruno Senna, Sakon Yamamoto, Christian Klien
2014 Caterham Kamui Kobayashi, Marcus Ericsson, André Lotterer, Will Stevens
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