Sie sterben wie die Fliegen

wink_hami_nurb_07_pjfcrashSeit dem Beginn des neuen Millenniums, scheint für Newcomer eine unlösbare Aufgabe im Formel-1-Geschäft zu überleben. Die Liste der Teams, die verkauft werden mussten, ist lang und in den letzten Jahren sind auch Übernahmen aus der Mode gekommen

Als der viermalige F1-Weltmeister Alain Prost das Ruder der „Französischen Nationalmannschaft“ des Sports bei Ligier übernahm, hat er sicher nicht erwartet, dass sein Prost Racing Projekt bereits im Jahr 2001, nach nur vier Saisonen und 83 Rennen, enden würde – vor allem, wenn man bedenkt, dass Vorgänger Ligier zwei Jahrzehnte erfolgreich unterwegs war. Gleichzeitig mit F1-Zampano Bernie Ecclestones Serienexpansion und dem begleitenden Budgetanstieg, schoss auch die Zahl der Teamübernahmen nach oben. „Big Bernie“ presste mehr und mehr Geld aus der Rennleitung, den Rundfunkanstalten und den anderen Serienpartner, wodurch die siegreichen Teams immer höhere Punkte-Boni kassierten. Doch diese ließen die großen Rennställe mit Budgets von USD 350 Millionen oder mehr arbeiten, während die Nachzügler mit 20% dieser Summen auskommen mussten. Daher war der Zusammenbruch unvermeidlich.

Der Jordan Saga44f7562ddf

Von 1991 bis 2001 kämpfte Eddie Jordans Team um Podestplätze, Siege und 1999 sogar um den Weltmeistertitel. Doch nach diesem Jahrzehnt des Erfolgs, begann Jordan finanziell zu straucheln, verlor technische Toppartner und Fahrer, und beschloss Ende der Saison 2004 die Segel zu streichen. Er verkaufte seinen Rennstall an den kanadischen Geschäftsmann Alex Shnaider, der ihn in Midland F1 umbenannte. Die Toyota-befeuerten Autos blieben aber über die gesamte Saison punktelos, weswegen Shnaider seine F1 Bemühungen rasch wieder stoppte. Gegen Ende 2006 übernahm der niederländische Sportwagenhersteller Spyker das Team und die Boliden rasten in den letzten drei Grands Prix als Spyker MF1 Racing um die Strecke. Spykers Engagement war ebenso kurzlebig, aber zumindest holte man durch Adrian Sutils 8. Platz, den er durch die Bestrafung von Toro Rosso Pilot Tonio Liuzzi wegen Überholens unter gelber Flagge, in Japan erbte, einen Punkt. Mitte 2007 wurde das Team an ein Konsortium mit dem Namen „Orange India“ des indischen Geschäftsmanns Vijay Mallya und des niederländischen Unternehmers Michiel Mol nach Genehmigung der Spyker Aktionäre verkauft. Mallya nahm am Grand Prix von China erstmals als Teambesitzer teil und nannte das Team ab der Saison 2008Force India.

sa06Hondas Fehltritt

Ebenfalls im Jahr 2005 beschloss Honda die Überreste des bankrotten, langjährigen F1 Teilnehmers Arrows zu erstehen, um wie Erzrivalen Toyota ein inoffizielles „Farmteam“ zu haben und vom zusätzlichen Input zu profitieren. Der japanische Autogigant übergab Rennlegende Aguri Suzuki das Ruder und nannte das Team Super Aguri. Nach einer – erwartungsgemäß – schrecklichen Debütsaison mit den Arrows Chassis aus 2002, erwies sich 2007 als sehr vielversprechend. Das Team punktete in Spanien und Kanada und sicherte sich Rang 9 in der Konstrukteurs-WM. Doch die Finanzkrise 2008 zwang Honda, das Projekt aufzugeben. Als die Team Trucks beim Grand Prix der Türkei nicht ins Fahrerlager gelassen wurden, kündigte Aguri Suzuki den sofortigen Rückzug aus Formel 1 an. Angeblich zeigte Honda nicht viel Interesse an einer finanziellen Partnerschaft mit der deutschen Weigl-Gruppe, da diese die Team-Schulden in Raten reduzieren wollte. Doch auch die Magma Gruppe, der Honda den Zuschlag erteilen wollte, zog sich aufgrund der globalen Finanzkrise und der Befürchtungen ihrer Geldgeber in letzter Minute von der Unterzeichnung eines Übernahmevertrags mit Super Aguri zurück. Die Vermögenswerte des Teams wurden vom deutschen Geschäftsmann Franz Hilmer (Formtech GmbH), der erfolglos versuchte sich für 2010 mit dem Namen Brabham eine F1 Lizenz zu angeln, gekauft. Das geistige Eigentum des Teams ist immer noch in der Formtech Composites Fabrik in Leafield.

hrt-gp-europa-2012-declaraciones-201211409_1Die drei Musketiere

Als die Starterliste 2010 von der FIA veröffentlichten wurde, waren alle 2009er Teams und drei neue Teams, Campos Meta, Virgin Racing und US F1 Team, an Bord. Während die USF1 Pläne skandalös in Rauch aufgingen, standen die beiden anderen Teams tatsächlich am Grid, waren aber oft mehr als drei Sekunden pro Runde langsamer als die etablierten. Gleiches galt für das ebenfalls neu gegründete Lotus Racing Team, das durch den Abschied von BMW Sauber die Lizenz erhielt. Campos Meta, später Hispania Racing und schließlich HRT F1, war der erste Rennstall, der zu kämpfen hatte und musste schon im ersten Jahr die Fahrer austauschen, um etwas mehr Geld zu lukrieren. Ende 2012 gingen die Lichter in Madrid dann aus. Lotus Racing Besitzer Tony Fernandes musste zunächst über mehrere Saisonen mit Autobauer Lotus um die Verwendung des Markennamens kämpfen und benannte schließlich ab 2012 sein Team in Caterham F1 um. Allerdings holte er in fünf Saisonen nicht einem einzigen Punkt, weswegen der malaysische Fluglinien-Eigner letztlich genug davon hatte, sein Geld zu verschwenden, wie er es ausdrückte, und übergab das Team einem geheimnisvollen Konsortium von Investoren aus der Schweiz und dem Nahen Osten. Ein paar Wochen später musste der in Leafield beheimatete Stall aber Insolvenz anmelden. Virgin Racing, von Manor GP geführt, wurde umbenannt nachdem Tycoon Richard Branson eine Vorliebe für die Königsklasse entwickelte und einen 80% Anteil kaufte. Doch Branson verlor rasch die Lust und entschied sein Geld in andere Projekte zu investieren, wie etwa sein Weltraum-Tourismus Vorhaben, weswegen der russische Sportwagenhersteller Marussia eine Mehrheitsbeteiligung an dem Team erwarb. Marussia Direktor Nikolai Fomenko gehörte somit das zweite russische Team im Sport nach Midland F1. Aber als die Finanzkrise auch die Neureichen in Moskau und St. Petersburg erreichte, musste auch Fomenko seine hochtrabenden Ideen revidieren. Sein Plan, 2014 zwischen 2000 und 4000 Sportwagen in Europa abzusetzen, ging baden. So feuerte der ehemalige Schauspieler, Musiker und Amateur-Rennfahrer einfach alle Ingenieure in seiner Fabrik und zog sich aus seinem F1-Team zurück. Anfang Oktober 2014 reichte die Mannschaft im Londoner High Court einen Antrag auf Insolvenz ein und der Masseverwalter gab zuletzt eine offizielle Erklärung ab, dass die Renntage des Teams vorbei wären…

Posted in ,

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar abgeben zu können.