Scheckter: „Sainz hat mich dieses Jahr wirklich überrascht!“

Die Saison 2021 war neben dem Duell zwischen Mercedes und Red Bull auch ein Jahr der Wiederauferstehung der „Roten aus Maranello“. Dementsprechend hat Formelaustria beim Ferrari-Weltmeister von 1979, Jody Scheckter, nachgefragt

Jody, Du warst der letzte Ferrari Champion, bevor Michael Schumacher im Jahr 2000 triumphierte. Nun erlebt die Scuderia wieder eine bereits 14-jährige Titeldürre nach Kimi Räikkönens Meisterschaft. Können die Fans auf Besserung hoffen?

Jede Serie hat einmal ein Ende, auch eine Unserie. Nach meinem Titelgewinn hat wohl niemand geglaubt, dass es so lange dauern würde. Und nach Räikkönen war Ferrari auch ein paar Mal knapp dran (Vizeweltmeister mit Felipe Massa 2008, mit Fernando Alonso 2010, 2012 & 2013, mit Sebastian Vettel 2017 & 2018), auch wenn es noch nicht geklappt hat.

Ferrari hat sich gegenüber 2020 stark verbessert und sich als dritte Kraft etabliert. Glaubst Du, dass die Italiener 2022 eines der Top-Teams, Mercedes oder Red Bull, herausfordern können?

Hoffen wir, dass mit dem neuen Reglement die anderen Teams näher an die absolute Spitze herankommen. Mercedes ist eines der besten Teams in der Geschichte der Formel 1 und Red Bull hat mit Adrian Newey wahrscheinlich den besten Rennwagen-Designer aller Zeiten. Das ist eine große Herausforderung für Ferrari.

Charles Leclerc wurde als künftiger Titelgewinner gefeiert. In den letzten zwei Jahren hat er jedoch Achterbahn-Saisonen mit etlichen Fehlern und Crashes erlebt. Ist er wirklich ein Champion?

Ich halte Charles für einen ausgezeichneten Fahrer, schnell, komplett, eiskalt. Mit dem richtigen Auto kann er absolut Weltmeister werden

Carlos Sainz jr. trat dem Team Anfang 2021 bei und beeindruckt seitdem. Würdest Du zustimmen?

Ja, Carlos war sicher eine Überraschung. Er hat sich viel besser gemacht, als ich erwartet hatte. Immerhin kam er neu ins Team und wir haben alle gesehen, wie es den anderen Piloten ging, die auf diese Saison hin den Rennstall gewechselt hatten.

Dein Neffe Warren arbeitet daran, wieder einen Grand Prix nach Südafrika zurückzubringen. Wie schätzt Du die Chancen ein und was würde das für das Land bedeuten?

Ich denke, die Chancen stehen gut, denn die Formel 1 möchte unbedingt einen GP in Afrika abhalten. Südafrika hat eine große Geschichte in der Königsklasse und die Fanbase ist sehr groß. Immerhin haben wir schon 1934 das erste Mal ein Rennen abgehalten.

Du hast 1975 dein Heimrennen auf der alten Kyalami-Strecke gewonnen. Vermisst du das Original-Layout oder glaubst du, dass die überholte Strecke in technischer Schwierigkeit und Geschwindigkeit mithalten kann?

Old Kyalami war eine einzigartige und sehr besondere Strecke. Es hat immer viel Spaß gemacht, dort zu fahren, und die Rennen waren meistens spektakulär. Ich kenne die neue Streckenführung nicht wirklich gut, aber ich bin sicher, sie wird ihren eigenen Charakter haben und wieder tollen Motorsport bieten.

Würdest Du beim Comeback-Rennen in Kyalami vor Ort zusehen? Du bist ja nicht mehr sehr oft an der Strecke..

Ja, das würde ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und ich unterstütze das Projekt auch gerne, wo ich kann.

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